Weimar (dpa) - Die Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen müssen sich in den nächsten Wochen auf Warnstreiks in Supermärkten und Geschäften einstellen. Beschäftigte im Einzel- und Versandhandel in allen drei Ländern sollen von Juni an zu Arbeitskampfmaßnahmen aufgerufen werden, wie Verdi-Sprecher Jörg Lauenroth-Mago sagte. Am 31. Mai endet die Friedenspflicht, die Warnstreiks verbietet. Damit will die Gewerkschaft ihren Lohnforderungen in der neuen Tarifrunde Ausdruck verleihen. Laut Verdi arbeiten rund 256 000 Beschäftigte in den drei Ländern in der Handelsbranche. Nur rund jeder vierte von ihnen profitiert direkt von einem Tarifvertrag.

Die Tarifverhandlungen starteten am Mittwoch mit einem vierstündigen Treffen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Weimar. Die Vorstellungen beider Parteien liegen sehr weit auseinander. Verdi fordert zwei Cent mehr Lohn pro Minute und eine Laufzeit von nicht einmal einem Jahr. Im Durchschnitt solle ein Plus von 7,6 Prozent erreicht werden, für Azubis soll es 100 Euro mehr geben.

Die Arbeitgeber boten zweistufige Lohnsteigerungen binnen 24 Monaten an: Im ersten Jahr soll es für die Beschäftigten 1,5 Prozent mehr geben, im zweiten noch einmal 1,0 Prozent. Das seien die gleichen Sprünge, die bisher auch in anderen Bundesländern angeboten wurden, die mitunter eine bessere wirtschaftliche Situation hätten, sagte Arbeitgebervertreter Knut Bernsen.

Aus Arbeitnehmer-Sicht sei dieses Angebot heftig zu kritisieren, sagte Verdi-Verhandlungsführer Lauenroth-Mago. "Es ist klar, dass Argumente allein nicht helfen." Weiterverhandelt wird am 19. Juni.