Magdeburg (dpa/sa) - Vor den nächsten Bund-Länder-Beschlüssen zum weiteren Umgang mit der Corona-Pandemie hat Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner eine schnelle Rückkehr zum täglichen Unterricht für alle ausgeschlossen. Ein uneingeschränkter Regelbetrieb werde derzeit nicht möglich sein, sagte der CDU-Politiker am Montag laut Mitteilung. Was das im Detail für die einzelnen Schulformen und Klassenstufen heißt, soll am Dienstag für ganz Deutschland in der Runde der Regierungschefs von Bund und Ländern entschieden und dann vom schwarz-rot-grünen Landeskabinett an die Situation in Sachsen-Anhalt angepasst werden.

Zuvor hatten unter anderem die Lehrergewerkschaft GEW, die mitregierende SPD und die oppositionelle Linke gefordert, vom Regelbetrieb mit vollen Klassenzimmern und wenig Abstand angesichts der Corona-Lage abzusehen. Sollte der Lockdown verlängert werden, müssten für diesen Zeitraum auch die Schulen geschlossen bleiben, sagte Linken-Fraktionschefin Eva von Angern am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Wenn es formal möglich ist, sei es außerdem sinnvoll, die Halbjahreszeugnisse ausfallen zu lassen, um Lehrer und Schüler nicht unnötig unter Druck zu setzen.

Die Lehrergewerkschaft GEW forderte, alle Lehrkräfte mit ausreichend Filtermasken der Schutzklasse FFP2 auszustatten. Zudem solle für alle Jahrgänge wieder das sogenannte Wechselmodell eingeführt werden, teilten die Arbeitnehmervertreter am Montag mit. Das bedeutet: Die Klassen werden in zwei bis drei feste Gruppen geteilt, die abwechselnd zuhause und in der Schule lernen. So können unter anderem größere Abstände untereinander gewahrt werden. Dank der Präsenzphase könnten die Hausaufgaben gemeinsam verglichen und ausgewertet werden - auch bei schlechter Internetanbindung der Beteiligten. Die GEW forderte das Wechselmodell ausdrücklich auch für Grundschulen.

Auch die mitregierende SPD präferiert das abwechselnde Lernen von zuhause und in der Schule mit aufgeteilten Klassen. Das Modell sollte für die kommenden Wochen festgelegt werden, um Planungssicherheit zu haben. Zudem sei es wichtig, deutlich mehr Schulen einen Zugang zur digitalen Lernplattform Moodle zu ermöglichen. Bisher sei sie nur an 120 von 800 Einrichtungen verfügbar, teilte der SPD-Vorstand mit.

Heimunterricht berge allerdings die Gefahr, dass Kinder durch das Raster fallen, die daheim keine guten Lernbedingungen haben, sagte Linken-Fraktionschefin von Angern. "Es muss uns gelingen, einen Teil der Kinder weiter in der Schule zu unterrichten, einen anderen Teil aber ausdrücklich nicht."

Das schwebt auch der Kultusministerkonferenz (KMK) vor den abschließenden Beratungen der Ministerpräsidenten vor. Sollten die geltenden Beschränkungen gelockert werden, müssten die Schulen dabei Priorität haben, teilte ein KMK-Sprecher nach Beratungen am Montag mit. Die Idee: Als erstes kehren die jüngeren Jahrgänge bis zur 6. Klasse in die Schulen zurück, der Rest lernt ausschließlich von zuhause. Bei weiterer Entspannung wechseln die älteren Schülerinnen und Schüler ins Wechselmodell und zuletzt lernen alle wieder jeden Tag im Klassenzimmer. Unter welchen Voraussetzungen welche Stufe greifen könnte, blieb offen.

Sachsen-Anhalt hatte zuletzt die Weihnachtsferien verlängert, damit mögliche Ansteckungen während der Feiertage nicht in die Schulen getragen werden. Am 11. Januar beginnt die Schule wieder. Theoretisch können sich Lehrkräfte ab 7. Januar freiwillig mit Schnelltests auf das Coronavirus testen lassen. Ob und wie viele Klassen nächste Woche in Klassenzimmern sitzen, soll am Dienstag nach der Bund-Länder-Runde feststehen.