Magdeburg (dpa/sa) - Sachsen-Anhalts kommunale und genossenschaftliche Wohnungsunternehmen fordern ein neues Städtebauprogramm, um den Herausforderungen der kommenden zehn Jahre gerecht zu werden. Durch den demografischen Wandel steige die Leerstandsquote im Land wieder, die Anforderungen an das Wohnen veränderten sich, erklärten die Verbände der Wohnungswirtschaft und Wohnungsgenossenschaften am Donnerstag in Magdeburg. "Wir brauchen ein neues Städtebauprogramm bis 2030", forderte Jens Zillmann, Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft.

Am stärksten vom Leerstand betroffen sei der ländliche Raum. Schon jetzt sei er dort mit 13 Prozent doppelt so hoch wie in den Großstädten. Insgesamt stünden von den rund 330 000 Wohnungen, die die Mitglieder des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften und des Verbandes der Wohnungswirtschaft verwalten und bewirtschaften 32 000 leer. Dadurch fehlten Einnahmen und es verursache erhebliche Kosten. Hinzu kämen 720 Millionen Euro Altschulden des DDR-Wohnungsbaus, die die Unternehmen noch immer belasten.

Die durchschnittliche Kaltmiete in Sachsen-Anhalt sei mit fünf Euro je Quadratmeter bundesweit am günstigsten und weise kaum Spielraum nach oben auf. Beide Entwicklungen führten dazu, dass notwendige Mittel für Investitionen knapp würden. In diesem Jahr haben die rund 200 Mitgliedsunternehmen beider Verbände etwa 500 Millionen Euro in den Bestand investiert. Ein gleichbleibender Betrag sei auch in den kommenden Jahren erforderlich, denn neben weiterem Rück- und Umbau mit Blick auf altersgerechtes und auch ökologisches Wohnen stehe eine zweite Sanierungswelle bevor.

Die Bundesregierung stelle für das Jahr 2020 bundesweit 790 Millionen Euro für die Städtebauförderung und eine Milliarde Euro für die soziale Wohnungsbauförderung bereit. Diese Mittel müssten auf Sachsen-Anhalt bezogen mit 100 Millionen Euro kofinanziert und in den aktuellen Haushaltsberatungen berücksichtigt werden, forderte der Verband der Wohnungsgenossenschaften.