Magdeburg (dpa/sa) - Nach der fristlosen Entlassung der beiden Lotto-Geschäftsführer untersucht Sachsen-Anhalts Landtag weitere zweifelhaften Top-Personalien der landeseigenen Glücksspielgesellschaft. Im Mittelpunkt stand im parlamentarischen Untersuchungsausschuss am Freitag die Frage, wieso 2012 Klaus Scharrenberg Geschäftsführer der landeseigenen Lottogesellschaft wurde, obwohl die für die Besetzung des Postens beauftragte Beratungsfirma davon abgeraten haben soll. Drei hochrangige Zeugen, die der Ausschuss dazu befragte, brachten die Abgeordneten dabei jedoch kaum weiter.

Weder der frühere Lotto-Geschäftsführer Wolfgang Angenendt, noch der frühere Chef des Lotto-Aufsichtsrates, Hinrich Holm, noch der damals zuständige Referatsleiter im Finanzministerium, Andreas Grobe, konnten dem Ausschuss erklären, wer seinerzeit Scharrenberg ins Spiel gebracht hatte. Dieser hatte die Geschäftsführung 2012 gemeinsam mit Maren Sieb übernommen, war aber 2017 ausgeschieden. Sieb hingegen blieb bis Herbst dieses Jahres im Amt, wurde dann aber gemeinsam mit Scharrenbergs Nachfolger Ralf von Einem zunächst abberufen und im Oktober schließlich fristlos entlassen.

Die Lotto-Führung soll das Innenministerium als Glücksspielaufsicht nicht vollständig über verdächtige Großspieler bei der Sportwette Oddset in einem Lotto-Laden informiert haben, hieß es zur Begründung. Über Sieb war außerdem herausgekommen, dass sie bei ihrer Einstellung fälschlicherweise angegeben hatte, einen Studienabschluss zu haben.

Für die Besetzung der Doppelspitze hatte die Lottogesellschaft 2012 die Personalberatungsfirma Kienbaum engagiert. Der zuständige Sachbearbeiter Tiemo Kracht soll in einer E-Mail an Referatsleiter Grobe damals deutlich von Scharrenberg abgeraten haben, weil der zu alt und auch nicht geeignet gewesen sei. Grobe konnte sich am Freitag nicht an die E-Mail erinnern.

Ursprünglich hatte der Ausschuss auch Kracht vorgeladen, der sagte jedoch krankheitsbedingt ab. "Den müssen wir unbedingt noch mal befragen", sagte der Ausschussvorsitzende Andreas Steppuhn (SPD) am Freitag nach der Sitzung. "Der kann sicher noch eine Menge zur Aufklärung beitragen". Auch Sieb will das Gremium noch vorladen, auch sie ist derzeit allerdings krank.

Steppuhn setzte eigens einen weiteren Ausschuss-Termin für Ende Januar an, um die beiden Abwesenden noch befragen zu können. In der kommenden Woche kommt das Gremium ein weiteres Mal zusammen. Dann ist es laut Steppuhn das Ziel, bis zum Frühjahr einen Abschlussbericht vorzulegen.