Bornum l Vor etwa einem Jahr wütete Sturmtief Paul über das Land, zerschlug dabei nicht nur Bäume und Wälder, sondern auch Fenster der Bornumer Kirche. „Wir mussten schon länger über neue Fenster oder zumindest Reparaturen an den Fenstern nachdenken, aber eigentlich mehr auf der anderen Seite“, sagt Gisela Wilke, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates.

Auf der anderen Seite stellten die Fenster nämlich schon länger ein Problem dar. Bei Wind und Regen drückte das Wasser durch die Scheiben, weil das Blei locker war, und das Wasser lief erst die Scheiben und dann die Wände herunter.

„Die Bornumer Kirche ist im neugotischen Stil errichtet worden und weitestgehend noch im Original erhalten. Auch die Fenster bestehen größtenteils noch als Erstverglasung“, weiß Pfarrer Albrecht Lindemann. Da ist es gut nachvollziehbar, dass nach so langer Zeit schon Mal Schäden entstehen.

Bilder

Auf der einen Seite undichte Fenster, auf der anderen zerschlagene – da konnte das Handeln nun nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden. Und so sind die Arbeiten nun in vollem Gange. Seit etwa einem Monat wird in der Bornumer Kirche ordentlich angepackt.

Fenster im alten Stil

Vor Ort ist das Derix Glasstudio aus Taunusstein bei Wiesbaden. Mitarbeiter bauen die neuen Fenster ein. Während man derzeit immer wieder von neuen Kirchenfenstern las, die von Künstlern erschaffen wurden, wird es in Bornum sehr traditionell gestaltete Kirchenfenster geben. Der Grund ist für Gisela Wilke einfach erklärt: „Weil uns die alten Fenster sehr gut gefallen haben.“ So entschied sich der Gemeinderat, nach der Auswahl von Glasmustern, für ein Design, das fast identisch mit dem der alten Fenster ist. Einzig das helle Glas wird noch etwas aufgehellt, oder wie der Fachmann sagt, weniger matt. Dadurch lassen die Fenster noch mehr Licht herein, wodurch es im Kirchenraum insgesamt heller sein wird. Zur Sicherheit gab es ein Probefenster, das bei drei Besichtigungsterminen auch von vielen Menschen beschaut und beurteilt wurde. „Das entscheidet hier niemand allein. Wir sind eine Gemeinde mit vielen Menschen“, so Gisela Wilke.

Dass es eine Neuanfertigung werden musste, bestätigt auch Glaser Philipp Schulz. „Das Blei war kaputt, der Kitt raus“, konstatiert er. Seit Anfang März saßen er und seine Kollegen nun an der Fertigung der neuen Fenster mit Zuschnitt und Verbleien.

Jetzt geht es ans Einsetzen. Der Ausbau der alten Fenster sei allerdings aufwendig. Sind sie erst einmal raus, braucht es etwa einen halben Tag, bis ein neues Fenster wieder sitzt. Ein großes Fenster wird aus 13 Teilfenstern in der Rippenkon-struktion zusammengesetzt und mit Kitt eingefasst.

Neuer Farbanstrich

Abgesehen von neuen Fenstern, fasst die Gemeinde gleich noch ein paar andere Baustellen an. So wird die Elektrik gründlich überprüft und hier und da bei Bedarf erneuert. Außerdem bekommen Wände und Decke einen neuen Farbanstrich. Ein mattes Eierschalen-Weiß wird bald die Wände zieren und damit auch die letzten Spuren der kleinen Wasserschäden an den Wänden beseitigen.

Insgesamt wird die Gemeinde mindestens 113.000 Euro in ihre Kirche investieren. Ein ganz schöner Batzen. Es gibt Unterstützung seitens des Landkreises und der Landeskirche. Aber vor allem ist Gisela Wilke dankbar für zahlreiche Spenden. 2017 kamen 5000 Euro zusammen, 2018 nochmal 6000 Euro. „Wenn man sieht, wie klein unser Dorf ist, ist das eine stolze Leistung, die zeigt, dass die Kirche allen am Herzen liegt.“