Berge l Das Gerüst ist wirklich seltsam. Das, was da den Turm der Berger Kirche umschließt, sieht eher wie ein Klettergerüst aus. Bis weit in den Kirchhof ragt es hinein. „Ich dachte, die hören erst auf, wenn sie bei unserem Haus angekommen sind“, sagt Olaf Sturm augenzwinkernd. Der wohnt nämlich direkt neben der Kirche und begleitet und dokumentiert die Bauarbeiten am schmucken Gotteshaus für die Gemeinde.

Und die haben aktuell eine heiße Phase erreicht: Das Kirchendach leuchtet seit Montag strahlend weiß in der Sonne. Schnee ist das aber natürlich nicht, mitten im Juli, sondern eine besondere, gasdichte Folie.

„Rund 1500 Quadratmeter haben wir verbraucht und dazu zwei Kilometer Klebeband“, beziffert Marco Müller. Der kommt aus Dresden und ist Geschäftsführer einer Schädlingsbekämpfungsfirma. Und zwar in einem von nur drei Unternehmen in Deutschland, die sich auf die Begasung kleiner Tiere in großen Gebäuden spezialisiert haben. Denn in Berge will man sich endlich jener Insekten entledigen, die seit Jahrzehnten das Gebälk und das Inventar zerfressen.

Bilder

Gutachten

Ein Gutachten im Rahmen der Sanierungsarbeiten hatte dazu dringend geraten. Deshalb verpackten Marco Müller und sein Team die Kirche seit Montag in Folie. Das Dach und der Turm sehen aus, wie von Künstler Christo verhüllt. Und auch Türen und Fenster wurden verklebt.

Gestern ging es dann los. Eingeleitet wird das Mittel Sulfuryldifluorid, ein geruchloses Gas, das als Zellgift die Insekten in jedem Stadium zerstört. „Heute Abend sind die schon alle im Wurmhimmel“, versichert Müller schmunzelnd.

Etwa drei Tage muss das Gas allerdings wirken, um auch die ganz cleveren und versteckten Larven und Käfer zu erwischen. Ab Freitag wird dann durchgelüftet. Bis dahin darf aber natürlich auch kein Mensch die Kirche betreten. „Zehn Minuten und er wäre tot“, warnt Müller. Deshalb wird auch ein Mitarbeiter der Firma ständig vor Ort sein. Die Kirche ist während dieser Zeit zudem mit Messschläuchen verkabelt, die die Gaskonzentration permanent überwacht.

Aufwändige Aktion

Die aufwändige Aktion sollte dem schmucken Gotteshaus dann allerdings jahrzehntelang Ruhe vor den Schädlingen bescheren. Die sind zwar winzig, die Larve des Hausbocks zum Beispiel ist nur wenige Millimeter lang, doch immerhin verdrückt jede von ihnen jährlich „eine Menge Holz, die etwa in eine Espressotasse passt“, sagt Müller. Da kommt schon einiges zusammen.

Genau das ist derzeit aber auch das Problem der Berger. Denn auch an Kosten kommt eine Menge zusammen. Die Gemeinde muss für den zweiten Bauabschnitt, Begasung und Turmsanierung, rund 180.000 Euro aufbringen. 170.000 Euro davon sind zwar bereits sicher – 30.000 Euro übernehmen Kirchenkreis und Denkmalstiftung, 50.000 Euro kommen vom Bund, 40.000 von der Landeskirche und 15.000 von der Stiftung KiBa (Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler). Doch der geplante Eigenanteil von 5 000 Euro wird nicht ausreichen.

Sponsorensuche

Und so gehe man derzeit auf Spenden- und Sponsorensuche, erzählen gestern Sturm und Marlis Hildebrandt und Ruth Hupe vom Gemeindekirchenrat. Gegen eine kleine Zuwendung konnten alle Berger zum Beispiel Holzmöbel oder Werkzeuge in die Kirche bringen. „Die werden dann gleich mitbegast“, erläutert Stürmer. „Wir wollen einfach alles tun, damit unsere Kirche im Dorf bleibt.“

Denn es wäre tatsächlich schade um das Gotteshaus, das einst die Familie von Alvensleben in Gedenken für zwei ihrer verstorbenen Kinder bauen ließ und das seiner ungewöhnlichen Deckenbemalung wegen den Namen „Sixtinische Kapelle der Altmark“ trägt. Die Darstellung des jüngsten Gerichtes über der Orgel erinnert nämlich an den Stil Michelangelos.

 

Wer spenden möchte, kann helfen, das Denkmal zu bewahren. Das Konto: Evangelischer Kirchenkreis Salzwedel DE78 8105555530000004512 - Verwendungszweck: Dorfkirche Berge