Fußball

Abstiegsfrage wird heiß diskutiert

Die Spieler beim Fußball-Regionalligisten Germania Halberstadt bereiten sich weiter für den möglichen „Tag X“, sprich den Re-Start, vor und trainieren fleißig.

Halberstadt l Präsident Erik Hartmann befasst sich dagegen mit der möglichen Abstiegsfrage. Verschiedene Standpunkte gibt es derzeit zwischen dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) und mehreren Teams der Liga. So spricht sich der Verband, in Person von Präsident Hermann Winkler, für Absteiger aus, auch wenn er es persönlich nicht wolle. Winkler: „Eine Liga mit 22 Teams ist einfach zu groß. Es wird keine Lösung geben, wo alle zufrieden sind. Am Ende muss eine Mehrheit entscheiden.“

Gegen diese Variante sprechen Vereine wie der FSV Optik Rathenow, VfB Auerbach, ZFC Meuselwitz oder auch Germania Halberstadt. Dessen Präsident Erik Hartmann erklärte am Freitag. „Wir sind geschlossen der Meinung, dass es in dieser Saison keine Absteiger geben kann, insbesondere dann nicht, wenn unklar ist, wie viele Spiele überhaupt absolviert werden. Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nicht, ob wir überhaupt die Hinrunde zu Ende spielen.“

In diesem Zusammenhang wird ein weiteres, aber altbekanntes Problem einmal mehr deutlich, welches in diesen Tagen heiß diskutiert wird. Flutlichter in den Regionalliga-Stadien. Hier fordert Ingo Kahlisch, Trainer in Rathenow, gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk „Gerechtigkeit“. Dem NOFV falle jetzt auf die Füße, sagte er mit Blick auf den Berliner AK, was man jahrelang versäumt habe. „Wir wollen Gleichberechtigung.“

Was genau meint er damit? Die genannten Vereine mussten immense (finanzielle) Hürden meistern, um das Zulassungsverfahren zu stemmen. Zu den Auflagen vor sechs Jahren gehörte der Bau einer Flutlichtanlage, zu realisieren bis zum 1. Juli 2015. 1,2 Millionen Euro Investitionssumme (gemeinsam mit dem Kunstrasenplatz/d. Red.) wurden in Halberstadt bewegt, so dass pünktlich und mit einem mehr als stolzen Präsidenten Olaf Herbst am 24. Juni 2015 Einweihung gefeiert werden konnte.

Dessen Nachfolger Erik Hartmann kennt die Anforderungen von damals nicht weniger gut: „Die Regularien waren eindeutig: Wäre die Anlage ab dem genannten Datum nicht betriebsbereit gewesen, wäre laut Satzung die ‚Fortsetzung im NOFV-Spielbetrieb gefährdet‘ gewesen.“

Aufsteiger hatten und haben für die Umsetzung zwei Jahre Zeit, hier greift eine Ausnahmeregelung, da die Investition wie gesagt nicht ganz unerheblich ist.

Jetzt ist allerdings beim Berliner AK eine Gnadenfrist – aus Kulanz wegen Corona wurde die Frist von Juli bis 31. Dezember 2020 verschoben – hinsichtlich der Flutlichtinstallation verstrichen. Der NOFV-Spielausschuss droht mit Lizenzverweigerung.

Hartmann dazu: „Ich vermag es nicht zu beurteilen, ob die Auflagen, die Flutlichtanlage in der laufenden Saison vollends fertig zu bekommen, von Seiten des BAK angefochten werden können. Das müsste man sportgerichtlich überprüfen lassen, wenn nicht ist es rechtskräftig. Der NOFV ist in diesem Fall gezwungen, zu reagieren, das ist eindeutig. Wenn es so in der Satzung steht und Systemvoraussetzung ist, müssen sich alle daran halten. Erfüllt diese Voraussetzung ein Verein nicht, trotz Auflagen, dann meine ich, dass eine Zulassung nicht gewährleistet ist oder im Umkehrschluss rückwirkend entzogen werden kann.“

Das gleiche Thema wird ab spätestens Sommer den SV Lichtenberg und Chemie Leipzig beschäftigen, die beide nicht das geforderte Flutlicht vorweisen. „Welche Fristen hier gelten, ist mir aber nicht bekannt“, so Hartmann.

Und was hat die fehlende Flutlichtanlage des BAK mit der Abstiegsfrage in der Regionalliga zu tun? „Wenn wir eine Saison nicht mal halb absolvieren, dann aber über Absteiger sprechen, stellt sich mir die Frage: Soll das Team absteigen, das sportlich nicht die Chance dazu hatte oder das Team, das die Systemvoraussetzungen nicht erfüllt? Die Frage muss man sich stellen“, fordert Hartmann eine ehrliche Debatte. „In den Regularien des NOFV ist es so verankert.“

Der VfB-Präsident, der trotz aller sportlicher Konkurrenz zu Vereinen wie ZFC Meuselwitz, Bischofswerdaer FV oder VfB Auerbach aufgrund ähnlicher Probleme inzwischen einen „kurzen Draht“ hat, hinterfragt ernsthaft, ob es (einen) Absteiger geben darf, „selbst wenn es modifiziert wird. Warum soll es Absteiger geben wenn andere die Zulassung nicht erfüllen? Wenn Vorschriften nur schriftlich existieren, dann brauchen wir sie nicht. Wir unterwerfen uns alle den Regelungen und Durchführungen. Und da sehe ich mich eher auf der Seite von Auerbach und Rathenow als auf der des BAK.“

Die Hoffnungen auf einen Re-Start Anfang März sind seit einigen Tagen zerschlagen. Der Wiederbeginn verzögert sich um mindestens einen halben Monat. Die Arbeitsgemeinschaft zur Fortsetzung des Spielbetriebs in der Regionalliga Nordost will sich nach der nächsten Bundespolitikrunde per Videokonferenz verabreden. Hartmann: „Im Anschluss daran setzen wir uns kurzfristig zusammen, um über das weitere Prozedere zu sprechen.“

Während im Amateurbereich der endgültige Abbruch wohl kurz bevorsteht, hofft Germanias Präsident, Ende März wieder in der Regionalliga Nordost spielen zu dürfen.