Leichtathletik

Barthel vom SCM geht auf die Jagd

Sprinter Thomas Barthel vom SC Magdeburg hat den Resetknopf gedrückt: 2019 soll schön und schnell werden.

Von Daniel Hübner 27.01.2019, 00:01

Magdeburg l Thomas Barthel hat Energie getankt. Und Motivation. Und Vorfreude auf das, was die neue Saison ihm bescheren könnte. Zuletzt verbrachte der Sprinter vom SC Magdeburg elf Tage im Trainingslager auf Teneriffa. In Arona lernte er etwas über Aggression, Reserven und Explosivität. Sein Fazit: „Es war schön, es war warm, und es war sehr schnell.“

Der 20-Jährige hat mit Blick auf 2019 viel zu berichten. Und er wirkt, als hätte er beim jüngsten Jahreswechsel den Resetknopf seiner Karriere gedrückt. „2018 war ein totes Jahr für mich“, erklärt er. Ein Jahr, das ganz ohne Highlights verstrich, weil es für ihn als Staffelsprinter nicht zur Leichtathletik-Europameisterschaft gereicht und es in seiner Altersklasse U 23 erst gar keinen Höhepunkt gegeben hatte.

Etwas Positives ist dennoch gelieben. Eine Bestzeit nämlich: 10,32 Sekunden über 100 Meter, gelaufen im Juni in Heilbronn. Die will er in der neuen Saison unterbieten. 10,25 Sekunden sind sein Ziel.

Die Jagd begann nicht erst, aber vor allem in Arona. Unter den Augen der Sprint-Bundestrainer Roland Stein und Jörg Möckel. Mit besonderem Fokus auf den Start, Barthels Schwachpunkt. Bei den Einheiten mit dem Leverkusener Aleixo-Platini Menga und Roy Schmidt aus Leipzig stellte er fest: „Sie pushen sich viel mehr im Block. Bei mir ist es eher ein Drücken mit Raussitzen. Da fehlt mir noch die Explosivität.“

Es ist bei Barthel keine Frage von Kraft oder Reaktion. Es ist eine Frage des Kopfes. Barthel schleppt zu viele Gedanken ins Rennen. „Aber am Start muss man im Kopf frei sein“, sagt er.

Ein Beispiel für diese Freiheit hat er in Gina Lückenkemper, der Vize-Europameisterin, in Arona entdeckt. „Ich habe sie beim Start beobachtet, in ihr Gesicht geschaut und die pure Aggression gesehen. Das ist das i-Tüpfelchen, das mir zur Leistung fehlt.“ Oder wie Möckel erklärte: „Nur mit Aggression kann man auf die Jagd gehen.“

Und nicht erst im Frühling im Stadion, sondern bereits im Winter in der Halle. Bei den nationalen Titelkämpfen in Leipzig am 16. und 17. Februar „will ich bei 100 Prozent sein und ein Feuerwerk abfackeln“, sagt Barthel. „Denn dann geht es schon um die Positionierung für die Freiluftsaison.“ Heißt: U 23 oder Elite oder sogar beides. Der Anschlusskader ermittelt seine Europameister in Gävle (Schweden/11. bis 14. Juli), die „Großen“ ihre Weltmeister ab Ende Spetember in Doha (Katar).

In der Halle will Barthel seine Bestzeit aus 2017 über 60 Meter (6,74 Sek.) unterbieten. Seine Gegner haben vorgelegt: allen voran Kevin Kranz (20) aus Wetzlar, der im Dezember in Dortmund 6,62 Sekunden sprintete. Barthel lief indes am Freitagabend beim Indoor Meeting in Erfurt 6,84 Sekunden. "Die Konkurrenz schläft nicht", sagt sein langjähriger Trainer Eik Ruddat, der sich über die Motivation seines Schützlings freut. Und sie mit einem weiteren Fakt begründet: „Thomas ist bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben angekommen.“ Dort lernt der Sprinter seit August Bürokaufmann. „Er wird sehr gut unterstützt, das gibt ihm Sicherheit.“

Barthel arbeitet allerdings Vollzeit, er trainiert nur noch einmal am Tag. „Das muss durch eine höhere Qualität der Einheiten kompensiert werden“, erklärt Ruddat, der SCM-Vizepräsident. Als Coach steht er Barthel indes nur noch beratend zur Seite. Ruddat hat das Sportgymnasium verlassen und ist Ende November zum Direktor der Gesamtschule „Willy Brandt“ in Magdeburg berufen worden. Der 40-Jährige hat zudem sein Engagement als U-18-Bundestrainer auslaufen lassen. In der Praxis kümmern sich nun Lukas Müller (B-Lizenz) und Moritz Andrä (C-Lizenz) um Barthel.

Die neue Situation nimmt Barthel nicht den Optimismus. „Ich habe wieder einen Höhepunkt in diesem Jahr“, erklärt er. Und meint zunächst die U-23-EM. „Dort ist mit der Sprintstaffel eine Goldmedaille mit Europarekord möglich.“

2019 scheint für Thomas Barthel ein sehr lebendiges Jahr zu werden. Und es könnte mit dem Fazit enden: „Es war schön, und es war sehr schnell.“