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DEL-Winter Game Belohnung Winter Game: Ost-Eishockey lebt trotz Misere

Ein reines Ost-Duell als Winter-Freiluftspiel gab es noch nie. Auch wenn es sportlich für die Gastgeber eher um nichts mehr geht, wird damit ein Zeichen gesetzt.

Von Astrid Hofmann, Carsten Lappe und Gerald Fritsche, dpa Aktualisiert: 08.01.2026, 10:22
Die Dresdner Eislöwen spielen seit dieser Saison in der DEL. (Archvbild)
Die Dresdner Eislöwen spielen seit dieser Saison in der DEL. (Archvbild) Robert Michael/dpa

Dresden - Abgeschlagenes Schlusslicht Dresdner Eislöwen gegen kriselnden Meister Eisbären Berlin - das Winter Game der Deutschen Eishockey Liga am Samstag (17.00 Uhr/MagentaSport) könnte von der sportlichen Konstellation her attraktiver sein. Oder nicht? Denn das erste reine Ost-Duell dieser Art ist nicht nur ein Zuschauermagnet, es ist auch eine Hommage an das nie verblassende Eishockey-Interesse in der ehemaligen DDR.

„Wir sind extrem stolz, dieses Spiel austragen zu dürfen. Es ist ein historisches Ereignis, für unseren Club, die Stadt und die gesamte Region“, erklärt Eislöwen-Geschäftsführer Maik Walsdorf vor dem Freiluftspiel zur Winterzeit. Nach DEL-Angaben sind die Organisatoren auch auf alle möglichen Wetterkapriolen vorbereitet, Sorgen um die Austragung gibt es derzeit nicht.

„Nicht förderfähig“

In einer Saison, in der erstmals seit 30 Jahren zwei Teams aus dem Osten in der höchsten Spielklasse vertreten sind, wird mit der Partie in der mit über 32.000 Besuchern ausverkauften Dresdner Fußball-Arena eine Tradition gewürdigt, die es nach dem Willen der DDR-Sportoberen gar nicht hätte geben dürfen.

Die Jagd nach dem Puck war im Osten „nicht förderfähig“, weil mit großem personellem Aufwand maximal eine olympische oder WM-Medaille gewonnen werden konnte - so hatte die Sportführung einst entschieden. Die Folge: Mit Dynamo Berlin - dem Vorgängerverein der Eisbären - und Dynamo Weißwasser gab es nur zwei Clubs, die jährlich den DDR-Meister ausspielten. Aus ihren Reihen rekrutierte sich die Nationalmannschaft, die ständig zwischen internationaler Erst- und Zweitklassigkeit pendelte. Deutsch-deutsche Auswahlduelle gehörten dazu.

Eishockey in Dresden hat lange Tradition

Auch wenn in Dresden schon seit 1909 dem Puck hinterhergejagt wurde, gab es während der DDR-Zeit im Gegensatz zu Berlin oder Weißwasser keinen Spitzenverein im Ligabetrieb. Erst nach der Wende begann an der Elbe der konsequente Wiederaufbau. Seit 2008 spielten die Blau-Weißen durchgehend in der zweiten Liga. Die Derbys zwischen den Eislöwen und den Lausitzer Füchsen sowie den Eispiraten Crimmitschau sorgten stets für volle Ränge bei allen drei Vereinen.

Mit der DEL2-Meisterschaft und dem Aufstieg in die höchste deutsche Eishockey-Liga schrieben die Elbestädter im vergangenen Jahr Geschichte. Schon seit einigen Jahren hatte man auf den Sprung in die DEL hingearbeitet, dabei auch Rückschläge eingesteckt, doch nie das Ziel aus den Augen verloren. Dank eines wachsenden Sponsorenpools und einem erfolgreichen und finanzstarken Unternehmer als Gesellschafter und Mäzen im Hintergrund, konnten die wirtschaftlichen Grundlagen geschaffen werden.

Standort mit Zukunft

Bei der Infrastruktur ließ der Club aus der Landeshauptstadt die beiden Rivalen aus Weißwasser und Crimmitschau inzwischen schon deutlich hinter sich. Das betonte erst kürzlich Jens Baxmann, der einst 18 Jahre für die Eisbären die Schlittschuhe schnürte, zuletzt in Weißwasser als Sportdirektor Verantwortung trug und jetzt von den Elbestädtern in gleicher Funktion nach Dresden gelotst wurde. „Hier herrschen ganz andere Rahmenbedingungen“, sagte Baxmann.

Und die sollen weiter genutzt werden, auch wenn der Klassenverbleib der Eislöwen nur noch durch ein Wunder möglich sein dürfte. Dabei war man euphorisch in die Liga gestartet, bekam von mehreren Konkurrenten Vorschusslorbeeren. Doch der DEL-Alltag brachte für manche in die Jahre gekommene Spieler so viele Herausforderungen mit sich, dass es wohl einen zweiten Anlauf braucht, um sich zu etablieren.

Starke TV-Quoten

Auf eines dürfen sich die Dresdner verlassen: ein enormes Zuschauerinteresse. Nicht nur, dass die Heimspiele nach wie vor bestens besucht sind. Auch DEL-TV-Partner „MagentaSport“ zeigt sich überaus zufrieden.

„Wir sehen bereits seit Saisonbeginn an den Reichweiten, dass die Spiele von Aufsteiger Dresden konstant sehr gut angenommen werden. Die Eislöwen spielen im Zuschauer-Ranking von MagentaSport um eine Playoff-Teilnahme“, sagte Stefan Thelen, bei der Telekom zuständig für Sport-Content, insbesondere „MagentaSport“. 

„Wir leiten daraus zum einen ein großes Eishockey- und Sport-Interesse in der Region ab. Wir glauben auch, dass wir mit MagentaSport und unseren Standards in der Produktion und der redaktionellen Begleitung aller Spiele die Dresdner Fans mit unserer Art der Berichterstattung überzeugen“, ergänzte Thelen.

Auch bei der DEL denkt man ähnlich. „Der Standort Dresden ist seit dem Tag des Aufstiegs eine Bereicherung für die Liga. Die Begeisterung bei den Fans und in der kompletten Region ist beeindruckend – auch wenn die Saison sportlich bislang sicherlich nicht so verlaufen ist, wie sich die Dresdner das gewünscht hätten“, betonte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke und ergänzte: „Mit dem Aufstieg der Dresdner hat sich die Wahrnehmung der Liga im gesamten Osten von Deutschland massiv erhöht. Es ist wichtig, dass wir jetzt im Osten Deutschlands noch ein solches Leuchtturmprojekt haben.“