Mönchengladbach (dpa) - Die Spieler von Borussia Mönchengladbach hatten am Dienstag frei und damit Zeit, den angekündigten Abgang von Marco Rose zu verarbeiten. Sportchef Max Eberl hingegen hatte zu tun.

Die Herausforderungen sind gewaltig. Die dringlichste zu klärende Frage ist, wer im Sommer als Trainer auf Rose folgt. Kandidaten gibt es viele, am hartnäckigsten werden Werder Bremens Florian Kohfeldt und Salzburgs Jesse Marsch gehandelt. Der US-Amerikaner folgte schon 2019 beim Red-Bull-Club auf Rose nach dessen Wechsel nach Gladbach.

Zu Kohfeldt sagte Werders Clubboss Klaus Filbry am Dienstag in der "Bild": "Er macht einen sehr guten Job und er hat einen langfristigen Vertrag. Wir gehen davon aus, dass wir noch lange zusammenarbeiten." Ähnlich hatte sich zuletzt freilich auch Eberl zu Rose geäußert.

Gut vorstellbar, aber wohl kaum zu realisieren wären Adi Hütter von Eintracht Frankfurt und Oliver Glasner vom VfL Wolfsburg. Nach übereinstimmenden Medienberichten zählt auch Gerardo Seoane vom Schweizer Tabellenführer Young Boys Bern zum Kandidatenkreis. Einen Kontakt Eberls mit Erik ten Hag von Ajax Amsterdam bestritt Borussia vehement. Die "Rheinische Post" brachte zudem den früheren Salzburger Co-Trainer Thomas Letsch (Vitesse Arnheim) ins Spiel.

"Wenn uns Marco verlässt, dann darf man aufgrund unserer Arbeit und unserer Erfolge sicher sein, wieder einen zu Borussia passenden Trainer zu finden", sagte Eberl noch kurz vor der am Montag veröffentlichte Entscheidung, dass Rose im Sommer nach nur zwei Jahren zum BVB gehen will. Auch die Spieler werden möglichst schnell wissen wollen, wer als Nachfolger kommt. Einige, wie Stefan Lainer, Hannes Wolf oder Valentino Lazaro kamen vor allem wegen Rose nach Gladbach. Andere, bei denen Entscheidungen über die Zukunft anstehen, hatten gehofft, dass Rose bleibt. Die Trainerfrage dürfte auch die Gedanken von Florian Neuhaus, Denis Zakaria, Marcus Thuram und Alassane Plea beeinflussen, die im Sommer ebenfalls wechseln könnten.

Insbesondere bei den Innenverteidigern Matthias Ginter und Nico Elvedi - bei beiden laufen die Verträge 2022 aus - strebt Eberl eine Verlängerung an. Roses Abgang könnte diesen Prozess beeinflussen. Die "Bild" zitierte einen nicht namentlich genannten Spieler, dem Rose noch vor "wenigen Wochen" gesagt habe, in Gladbach "etwas Großes" aufbauen zu wollen. Laut "Bild" käme sich der Spieler belogen vor.

Ob die Spieler Rose nun noch bereitwillig folgen, entscheidet sich in den kommenden, wegweisenden Wochen. In den Spitzenspielen gegen Leipzig und Leverkusen geht es darum, ob es erneut in die Champions League gehen kann. Dort steht in der kommenden Woche das Hinspiel gegen Manchester City an, kurz darauf folgt das brisante Pokalspiel gegen Roses künftigen Club Dortmund. Ein Scheitern Gladbachs könnte ähnliche Folgen wie Lothar Matthäus' legendärer Elfmeter-Fehlschuss im Pokal-Endspiel 1984 gegen die Bayern haben. Matthäus war wegen seines feststehenden Wechsels nach München fortan persona non grata am Niederrhein und wurde jahrelange als "Judas" beschimpft.

Das Risiko ist auch für Rose groß. Zuletzt war die Stimmung in Fankreisen angesichts des sich abzeichnenden Wechsels zur ungeliebten Borussia nach Dortmund schon angespannt. Nun gibt es gar Anfeindungen im Netz. Etliche Anhänger, die ihren Protest derzeit nicht im Stadion zeigen können, fordern offen die vorzeitige Trennung von Rose. "Das Thema Marco Rose bei Borussia Mönchengladbach hat sich damit für uns erledigt", kommentierte Fan-Dachverband der Borussia am Dienstag.

2019 hatte Rose den in ähnlicher Situation in Salzburg noch Erfolg. Sein Wechsel nach Gladbach wurde im Frühjahr publik, im Sommer war er mit Red Bull Double-Sieger in Österreich. Auch in Borussias Historie finden sich Beispiele dafür, dass ein feststehender Abgang eines Trainers nicht zum Auseinanderbrechen führen muss: Nach Jupp Heynckes' verkündetem Abgang 1987 gewann Borussia zehn Partien in Serie und wurde Dritter. Als Dieter Hecking im April 2019 mitgeteilt wurde, dass er zum Saisonende gehen müsse, hielt er die Borussia noch sicher auf Platz fünf und qualifizierte sie damit für den Europacup.

"Weder Borussia Dortmund noch irgendein anderer Verein kann uns kaputtkaufen", bekräftigte Eberl bereits. Die vergangene Dekade mit schmerzlichen Gladbacher Abgängen nach Dortmund ist das beste Beispiel. Nach der bislang letzten Meisterschaft des BVB 2012 wechselten die Leistungsträger Marco Reus, Mo Dahoud und Thorgan Hazard für viel Geld nach Dortmund. Meister wurde der BVB seitdem nicht mehr. Eberl hingegen baute neue Mannschaften, und Gladbach rückte immer näher an den BVB und die nationale Spitze heran.

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Mitteilung BVB

Mitteilung Gladbach

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Kommentar vom Supporters Club der Borussia