1. Startseite
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Bobrennen bei Olympia: Friedrichs historische Chance bei Lochners letztem Tanz

Bobrennen bei Olympia Friedrichs historische Chance bei Lochners letztem Tanz

Für Johannes Lochner ist es das letzte Rennen, Francesco Friedrich grübelt in doppelter Hinsicht. Setzt der langjährige Dominator im Viererbob einen goldenen Olympia-Schlusspunkt?

Von Frank Kastner, dpa 19.02.2026, 11:54
Francesco Friedrich peilt seine fünfte Goldmedaille bei Olympia an. Nach Silber im Zweierbob setzt er nun auf den Viererbob.
Francesco Friedrich peilt seine fünfte Goldmedaille bei Olympia an. Nach Silber im Zweierbob setzt er nun auf den Viererbob. Robert Michael/dpa

Cortina d'Ampezzo - Für Francesco Friedrich liegen historische Chance und ungewisse Zukunft dicht beieinander. Ein Sieg im Viererbob könnte ihm als erstem Bobpiloten fünfmal Gold bei Olympischen Winterspielen sichern. Wie ein möglicher Triumph seine weitere Karriere beeinflussen wird, ist offen. Erst nach Olympia will Friedrich im Familienrat über seine Zukunft entscheiden. „Wir wissen auch noch nicht, ob es bei uns weitergeht“, sagte Friedrich. 

Der einstige Dominator grübelt und grübelt. Nicht nur über die kommenden Jahre, sondern auch über die Dominanz seines Dauerrivalen Johannes Lochner in dieser Saison und auf der Olympia-Bahn. 1,34 Sekunden hatte Friedrichs Rückstand im Zweierbob betragen - der größte Abstand seit 46 Jahren. 

Seit vielen Wochen vermutet er einen Materialvorsprung bei seinem nun mit Gold dekorierten Konkurrenten Lochner. „Die haben was gefunden. Die fahren dadurch entspannt, locker. Sie starten wahnsinnig gut, haben zum Teil auch den höchsten Abgangs-Speed. Deswegen lässt sich das alles irgendwo erklären“, sagte Friedrich. 

Lochners Konter: „Das mag er gerne glauben“

Lochner konterte mit einem entspannten Lächeln: „Das mag er gerne glauben.“ Der mit 35 Jahren gleichaltrige Bayer verwies eher auf seine Fahrkünste im neu gebauten Cortina Sliding Centre. „Man darf halt hier keinen Fehler machen, weil die Bahn oben so flach ist. Das kannst du dann nicht mehr rausfahren“, meinte der Bayer, für den am Sonntag der letzte Wettbewerb der Karriere ansteht. 

Der Sachse beschreibt die Bahn als „speziell“. Sie hätte „ihren eigenen Charakter. Und wenn du hier und da und dort und in jeder Kurve überall ein bisschen besser fährst und zum Schluss auch das Material besser abgestimmt ist, dann bist du einfach schneller“. 

Im Viererbob ist alles anders

In der Königsklasse an diesem Wochenende aber werden die Karten neu gemischt. Das zeigten auch die Ergebnisse in den ersten Trainingsläufen. Da waren der Italiener Patrick Baumgartner, der Schweizer Michael Vogt sowie der Österreicher Markus Treichl alle vorn mit dabei. Und Friedrich war am Donnerstag im dritten Lauf erstmals schneller als Lochner. 

„Bis jetzt können wir uns noch gar nichts ausrechnen“, meinte Friedrich und betonte: „Wir wissen, dass wir im Vierer gut sind. Wir wissen auch, dass wir am Start da wahrscheinlich vorne sein können.“

Der mit Crew 630 Kilogramm schwere Schlitten drückt sich ganz anders ins Eis. „Kleine Details, die dich im Zweier unglaublich schnell machen, werden im Vierer nicht so sein“, erklärte Rekordweltmeister Friedrich, der nun einen goldenen Schlusspunkt bei Olympia setzen möchte. 

Friedrich und Margis jagen Olympia-Rekord 

Mit Silber vor wenigen Tagen hatte der viermalige Olympiasieger aus Sachsen mit dem Thüringer André Lange gleichgezogen. Nur dessen Anschieber Kevin Kuske hat noch eine Silbermedaille mehr. 

Diesen Plan durchkreuzen kann nun sogar Lochner. Denn er hat im Vierer Friedrichs ehemaligen Anschieber Thorsten Margis im Schlitten sitzen. Dieser hatte vor zwei Jahren seine Karriere beendet. Dann gab er ein Comeback bei Lochner - ganz zum Unmut seinen Ex-Chefs. „Wir wollen Gold holen und Olympiasieger werden - nichts anderes! Und das ist auch ein realistisches Ziel, denn es ist machbar, Franz zu schlagen“, tönte Margis damals. 

Friedrich reagierte angefressen. Immerhin war Margis eine Vertrauensperson. „Er hat viel Knowhow. Er wusste schon am meisten, wo der Hase langläuft“, sagte Friedrich einst. Das ansonsten immer abgeschirmte Wissen um Kufen und technische Extras war somit auch für Lochner nutzbar. 

Sponsorenverträge bei Friedrich laufen aus

Erst nach den sportlichen Herausforderungen bei Olympia wird sich Friedrich mit seiner Zukunft auseinandersetzen. Die Sponsorenverträge laufen aus. Viele Details sind zu beachten. Sein Topsprinter Simon Wulff kommt nach seinem positiven Dopingbefund im Dezember vergangenen Jahres im September zurück. Lochners Anschieber Georg Fleischhauer, einst von seinem Heimtrainer Gerd Leopold gescoutet, ist nach Olympia auch auf dem Markt.