Sicherheitsvorkehrungen bei EM

Chefmediziner Meyer: Kein Ansatz für neue Notfallmaßnahmen

Der Kollaps von Dänemarks Starspieler Christian Eriksen wirft einen dunklen Schatten auf den EM-Start. Tim Meyer, Chefmediziner der UEFA und der deutschen Nationalmannschaft, sieht aber keine Möglichkeit für bessere Maßnahmen.

Von dpa
Tim Meyer, Chefmediziner der UEFA und der deutschen NationalmannschaftFußball.
Tim Meyer, Chefmediziner der UEFA und der deutschen NationalmannschaftFußball. Federico Gambarini/dpa

Herzogenaurach - UEFA-Chefmediziner und DFB-Teamarzt Tim Meyer sieht nach dem Kollaps von Dänemarks Christian Eriksen keine unmittelbare Notwendigkeit für neue Sicherheitsvorkehrungen bei den EM-Spielen.

„Es ist noch sehr früh, aber ich sehe keinen Ansatzpunkt für Konsequenzen“, sagte Meyer bei der digitalen Pressekonferenz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Eriksen (29) war am Samstagabend in der ersten Halbzeit der Partie gegen Finnland (0:1) zusammengebrochen und auf dem Platz reanimiert worden.

Medizinische Notfälle unvorhersehbar

Medizinische Notfälle ließen sich „nie gänzlich vermeiden“, meinte Meyer, der Vorsitzender der Medizinischen Kommission der UEFA ist. Offensichtlich habe die Erstversorgung im Stadion in Kopenhagen Schlimmeres verhindert. „Es war offenbar ein kardiales Ereignis. Und von Vorteil, dass ein Notarzt direkt am Spielfeldrand war, um entsprechende Maßnahmen zu veranlassen. Das hat funktioniert“, sagte der 53 Jahre alte Mediziner.

In einem Kaufhaus wären die Voraussetzungen für eine rasche Behandlung von gravierenden Herzproblemen beispielsweise deutlich schlechter gewesen. Ein obligatorischer Medizincheck für alle Hobbysportler wie in Italien sei eine gesundheitspolitische Frage, da auch kostenrelevant, sagte der Mediziner, empfahl entsprechende Untersuchungen aber für Wettkampfsportler ab 40 Jahren für Männer und ab 45 Jahren für Frauen.

Anforderungen für Notversorgung sind gegeben

„Ich denke, dass wir mit unserem System sehr gut aufgestellt sind“, versicherte Meyer für den Profi-Fußball. Er selbst habe im DFB-Tross einen Defibrillator dabei. Ein weiteres Gerät ist in jedem Stadion platziert. Aus wissenschaftlicher Sicht sei ein höherer Aufwand nicht zu rechtfertigen. Im Fußball würden die europäischen Mindestanforderungen für die Notversorgung übererfüllt. „Man kann nicht mehr tun, als einen Notarzt am Spielfeldrand zu platzieren.“

Meyer wollte sich nicht an der kritisch geführten Diskussion um die Spielfortsetzung in Kopenhagen nach dem Zwischenfall beteiligen. Dazu fehlten ihm die Einblicke vor Ort. Man könne nicht allen Fällen mit „Protokollen vorbeugen“, meinte der Professor.

Dass sich Eriksen schon kurz nach dem Vorfall wieder mit seinen Kollegen unterhalten konnte, sei aus medizinischer Sicht nicht ungewöhnlich. Der Mittelfeldspieler soll seine Kollegen aufgefordert haben, die Partie zu beenden. An der von der UEFA umgesetzten Entscheidung hatte es viel Kritik gegeben.

Nach den ihm vorliegenden Informationen sei auszuschließen, dass eine Corona-Erkrankung oder eine Corona-Impfung Einfluss auf den gesundheitlichen Zustand Eriksens genommen habe, berichtete Meyer.