Fußball Ex-Profi Lell: Ich starb, bevor ich wirklich gestorben bin
Christian Lell war ein talentierter Fußballer. Aber er erlebte auch dunkle Stunden. Eine Ursache: Seine schwere Kindheit. Jetzt spricht Lell über persönliche Krisen.

Berlin - Der frühere Fußball-Profi Christian Lell hat über die schwerste Zeit seines Lebens gesprochen. Nachdem es mit seiner jahrelang erfolgreichen Baufirma aufgrund der Immobilienkrise 2022 rapide bergab ging, habe er die „dunkelste Phase“ seines Lebens durchlebt. „Weil ich keinen Lösungsansatz fand für die Herausforderung, die anstand“, sagte der 41-Jährige im Podcast TOMorrow-Business.
Er hatte Angst, „wieder in eine Ecke gestellt zu werden, die öffentlich sehr einseitig dargestellt“ werden könnte. Das habe ihn nach und nach in eine Depression manövriert, „die in der Spitze auch dazu führte, dass ich tatsächlich nicht mehr am Leben sein wollte“, so Lell weiter.
Ein Versuch, seinem Leben ein Ende zu setzen, scheiterte glücklicherweise und sei ein großes Schlüsselerlebnis gewesen. „Das war der Moment, in dem ich starb, bevor ich wirklich gestorben bin, weil ich habe es überlebt“, sagte Lell. Er habe das Vertrauen ins Leben zurückgefunden.
Fußball als „Anker“
Lell hatte bereits als Kind mit traumatischen Erlebnissen zu kämpfen. Er sei in einem „sehr gewaltbehaftetem und von viel Alkohol geprägtem Elternhaus“ aufgewachsen. In dieser Zeit, damals trainierte Lell im Nachwuchszentrum des FC Bayern München, sei für ihn vor allem der Fußball „der Anker und der Ausweg aus der Misere“ gewesen.
So sei es für ihn aber kein Erfolg gewesen, Profi beim FC Bayern zu werden. „Erfolg wäre für mich gewesen, hätte ich das erreicht aus einem inneren Frieden, aus einer Liebe heraus“, sagte Lell. „So war es eher ein Mittel zum Zweck basierend auf Angst.“
Auch während seiner aktiven Karriere hatte Lell unter Depressionen gelitten, wie er im September dem Sender Welt TV gesagt hatte. Vor allem der Tod seiner Schwester, die an der Stoffwechselstörung Mukoviszidose litt und 2014 im Alter von 27 Jahren starb, sei sehr prägend gewesen.
Lell, der in Deutschland als Skandal-Profi galt, spielte für den FC Bayern, Hertha BSC und den 1. FC Köln. Außerdem lief er für verschiedene deutsche Junioren-Nationalmannschaften auf. Zudem spielte er zwei Jahre in Spanien in Levante, ehe er im Frühjahr 2016 seine Karriere nach einem Engagement beim unterklassigen TSV Weyarn beendete.
