Handball

DHB-Vize Hanning über Olympia, die Bundesliga und den SCM

So wie Bob Hanning polarisiert kaum einer im deutschen Handball. Was der 53-Jährige als DHB-Vizepräsident über Olympia, die neue Bundesliga-Saison, den SCM und den Handball allgemein denkt, verriet er im Interview mit Volksstimme-Redakteur René Miller.

Von Von René Miller
So ausgefallen wie mit seiner Meinung präsentiert sich Bob Hanning auch mit seinem Outfit.
So ausgefallen wie mit seiner Meinung präsentiert sich Bob Hanning auch mit seinem Outfit. Foto: imago images

Bleibt Gold für Tokio der alleinige Maßstab? Oder geben Sie sich auch schon mit einer olympischen Medaille zufrieden?

Bob Hanning: „Gold in Tokio haben wir vor acht Jahren als Motto ausgegeben, um eine Aufbruchstimmung im deutschen Handball zu erzeugen. Der DHB, seine Landesverbände und die Bundesligen sollten noch enger zusammenrücken. Jetzt sind wir bei Olympia dabei und wollen zunächst einmal eine gute Vorrunde spielen. Und wenn wir es ins Halbfinale schaffen, dann dürfte sich gewiss keiner mit Rang vier zufrieden geben.“

Worauf kommt es beim Auftakt gegen Spanien an?

Bob Hanning: „Wir dürfen nicht viele Fehler machen. Wenn du den Spaniern zu viel anbietest, nutzen sie das eiskalt. Das haben wir bei der WM im Januar brutal zu spüren bekommen. Aber daraus hat die Mannschaft auch gelernt und weiß eigentlich, wie man sich gegen die 5-1-Abwehr der Spanier bewegt.“

Es gibt täglich neue Corona-Fälle in Tokio. Macht Ihnen das Sorgen fürs Turnier?

Bob Hanning: „Positive Fälle wird es immer wieder geben. Ich vertraue da aber voll auf die Maßnahmen vor Ort und bin sicher, dass die Japaner das so gut hinbekommen wie Ägypten bei der Handball-WM. Da gab es die Probleme ja nur bei der Einreise. Aber jetzt waren alle Nationalteams frühzeitig da und in der täglichen Testung. Um Handball sorge ich mich nicht.“

Weil die Saison bis Ende Juni ging, haben die Nationalspieler noch weniger Pause. Wie sehr kann sich das auf die Bundesliga auswirken?

Bob Hanning: „Auch da sehe ich keine großen Probleme. Anders als sonst hatten die Jungs nach Saisonende ja zumindest ein bisschen Ulaub. Und die Trainer haben in der Vorbereitung auf Olympia darauf geachtet, den athletischen Teil entsprechend zu dosieren.“

Apropos Nationalspieler. Warum haben Sie eigentlich Melsungen als Wohlfühloase bezeichnet und für eine Diskussion gesorgt?

Bob Hanning: „Weil ich die Sinne für Olympia schärfen wollte. Aus Melsungen sind sechs Spieler im deutschen Nationalteam dabei und sollen eine zentrale Rolle spielen. Dafür muss aber eine andere Mentalität her. Rang acht und Spiele wie bei der Heimniederlage gegen Coburg sind Nationalspielern nicht würdig.“

Spielen Kiel und Flensburg in den nächsten Jahren weiter den Titel unter sich aus?

Bob Hanning: „Die zwei Klubs werden sicherlich das Maß der Dinge blei-ben. Aber ich bin mir sicher, dass der SCM, die Füchse und die Rhein-Neckar Löwen diese Lücke weiter schließen und es künftig auch ganz oben in der Tabelle wieder enger wird.“

Was trauen Sie dabei speziell dem SC Magdeburg zu?

Bob Hanning: „Der SCM hat völlig verdient den Europacup gewonnen und wird auch in der nächsten Saison eine große Rolle spielen. Denn mit Philipp Weber und Magnus Saugstrup kommen zwei Top-Leute dazu. Bei aller Rivalität habe ich wirklich Riesenrespekt davor, was Bennet Wiegert und seine Spieler leisten. Ich finde auch die Spielanlage des SCM richtig gut. Es macht viel Spaß, zuzuschauen – wenn man da nicht gerade mit dem eigenen Team verliert.“

Im Handball wird alles immer schneller und enger, was die Schiris viel zu oft überfordert. Auch weil sie bis mittags ihrer Arbeit nachgehen und dann Hunderte Kilometer fahren, um Spiele zu pfeifen. Wird es da nicht Zeit für Profi-Schiris?

Bob Hanning: „Ich bin ein großer Befürworter für die Professionalisierung im Schiedsrichter-Wesen und froh, dass wir neue Wege gehen und für die Schiedsrichter-Entwicklung eine hauptamtliche Stelle geschaffen haben. Die wird ab August von Jutta Ehrmann-Wolf besetzt. Sie will und wird etwas bewegen. Denn auch die Leistungen der Schiedsrichter müssen transparenter und berechenbarer werden.“

Wobei auch der Videobeweis helfen könnte ...

Bob Hanning: „Alles, was unseren Sport objektiver macht, kann uns helfen. Deshalb brauchen wir natürlich auch Veränderungen bei den technischen Hilfsmitteln. Da gehört die Möglichkeit, sich gerade in den letzten Minuten strittige Szenen noch einmal anzuschauen, natürlich dazu. Wichtig ist auch, dass die Trainer mit einem Buzzer selbst die Auszeiten sig-nalisieren können.“

Im Oktober endet beim DHB Ihre Amtszeit als Vizepräsident. Wie kommen Sie damit klar, ein ordentliches Stück Macht abzugeben?

Bob Hanning: „Ich habe acht Jahre lang für den Verband gelebt und vieles bewegen können. Jetzt ist die Situation beim DHB eine ganz andere und ich bin froh, dass ich guten Gewissens die Aufgaben in andere Hände geben kann. Nun freue ich mich riesig darauf, beim VfL Potsdam als Trainer in der 3. Liga zu arbeiten. Und als Geschäftsführer der Füchse habe ich auch genug zu tun. Zum Glück ist da mit Stefan Kretzschmar ein absoluter Top-Mann an meiner Seite. Ihn zu den Füchsen zu holen, war eine der besten Entscheidungen in meinen bisher 16 Jahren in Berlin.“