Volksstimme: Nach drei Jahren in Paris kommen Sie mit den Rhein-Neckar Löwen nach Magdeburg. Ist es ein besonderes Spiel?

Uwe Gensheimer: Es hat immer sehr viel Spaß gemacht, in Magdeburg zu spielen. Das Publikum ist heißblütig und sorgt für einen tollen Rahmen. Das durfte ich ja auch schon mit der Nationalmannschaft erleben. Ich freue mich wirklich sehr darauf, wieder mal beim SCM aufzulaufen. Das waren auch immer heiße und spannende Duelle.

Sie haben ja in der Vorbereitung auf das Spiel am Sonntag sicherlich viele Videos vom SC Magdeburg gesehen. Wie stark schätzen Sie den Gegner ein?

Das ist ein Team, das ganz oben mitspielen wird. Der SCM verfügt über eine Mannschaft, deren Stamm schon seit einigen Jahren konstant zusammenspielt und dadurch super eingespielt ist. Und für mich spielt der SCM auch mit den attraktivsten Handball in der Bundesliga. Mit viel Tempo und das auch in der zweiten Welle. Gerade für die Außen ist das Spiel des SCM wie gemacht.

Da können Sie ja fast ein bisschen neidisch auf Ihren Nationalmannschaftskollegen Matthias Musche sein. Wie schätzen Sie denn seine Entwicklung ein?

Er hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt und zuletzt eine überragende Saison gespielt. Da ist er auch nicht zufällig Torschützenkönig geworden. Aber wie schon gesagt, das System der Mannschaft kommt ihm als Außen sehr entgegen. Er macht aber auch viel daraus, ist abgezockt und cool vor dem Tor.

Nur bei den Siebenmetern will es beim SCM aktuell nicht laufen. Worauf könnte man so eine Blockade zurückführen?

Das kann man aus der Ferne schwer sagen, es und ist ja auch nicht mein Thema. Ich denke aber, dass das allein eine Kopfsache ist. Der SCM hat ja mehrere gute Siebenmeterschützen, die es alle auch in der Bundesliga schon bewiesen haben. Trainieren muss man die Würfe ganz bestimmt nicht.

Haben Sie nach Ihrer Rückkehr in die Bundesliga irgendwelche Veränderungen festgestellt?

Ich habe ja bisher gerade mal fünf Spiele mit den Löwen gemacht. Was auffällt, ist die hohe Ausgeglichenheit. Auch die Spitzenclubs haben alle schon Punkte abgegeben. Das spricht für eine richtig geile Saison mit Spannung bis zum Schluss.

Könnte es noch einmal ein unmoralisches Angebot geben, damit Sie die Löwen verlassen? Oder ist es wahrscheinlicher, dass das die letzte Station Ihrer Karriere ist?

Mein Vertrag läuft bis 2022. Was in drei Jahren ist, kann man schwer sagen. Aber eigentlich ist geplant, dass es meine letzte Station wird und ich hier meine Karriere beende.

Sie haben mit anderen Topspielern die Aktion „Don‘t play the Players“ ins Leben gerufen, um auf die extremen Belastungen im Handball zu verweisen und ein Umdenken anzuregen. Wie weit stößt denn das bei den Verantwortlichen auf Gehör?

Es tut sich da wirklich etwas. IHF-Präsident Hassan Moustafa und EHF-Präsident Michael Wiederer sind wirklich gewillt, mit uns zusammenzuarbeiten und Lösungen zu finden. Es geht ja dabei speziell um die Nationalspieler in den Spitzenclubs. Dass ein Mikkel Hansen beispielsweise für Paris und Dänemark im Jahr auf rund 80  Spiele kommt, ist schon Wahnsinn.

Mit welchen konkreten Vorschlägen gehen Sie in solche Gespräche?

Wichtig ist, erst einmal an kleinen Rädchen zu drehen. Dabei wollen wir versuchen, dass bei einer WM und EM die Regenerationszeit zwischen den Spielen länger wird. Fünf Spiele in sieben Tagen birgt nicht nur ein größeres Verletzungsrisiko. Darunter leidet auch die Qualität der Spiele. Und wir haben ja alle ein Interesse daran, unser Produkt optimal zu verkaufen. Dafür wäre es aber gut, wenn diese Turniere ein paar Tage länger dauern und wir zwischen den Spielen auch mehr Pausen bekommen.

Das Fehlen deutscher Clubs beim Final Four der Champions League dauert nun schon drei Jahre an. Woran liegt es, dass die Vereine aus der vermeintlich besten Liga der Welt seit 2015/16 nicht mehr in Köln vertreten sind?

Ich denke, dass die Bundesliga vor allem aufgrund des Spielplanes einen Nachteil gegenüber anderen Ligen hat. Kiel hat beispielsweise am Donnerstag beim Bergischen HC gespielt und muss schon zwei Tage später in Veszprem ran. Der zweite Grund sind die besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten von Top-Clubs im Ausland. Dazu kommt neben dem Gehalt ja auch noch mehr Freizeit. In Paris haben wir erst Ende Juli, Anfang August wieder mit dem Training begonnen. In der Bundesliga geht es drei, vier Wochen früher los. In Frankreich wird vor dem Weihnachtsfest eine Pause eingelegt. In der Bundesliga ist dagegen noch volles Programm.

Eine Diskussion über die Einführung von Playoffs in der Bundesliga erübrigt sich da sicherlich …

Ich persönlich finde Playoffs sehr interessant. Aber das ist anhand des ohnehin schon engen Spielplanes in der Bundesliga kaum umzusetzen.

Dass Handball im Fernsehen funktioniert, zeigen die großen Turniere. Da gibt es Einschaltquoten von bis zu sieben Millionen. Wie kann man diese Begeisterung auch für die Bundesliga entfachen? Sicherlich nicht mit Übertragungen, die 40 Sekunden vor Schluss schon enden, wie zuletzt beim SCM gegen Kiel.

Was die ARD da gemacht hat, ist natürlich eine Katastrophe. Da hätte man eindeutig früher mit dem Spiel und der Übertragung beginnen müssen. Froh können wir sein, dass Handball von Sky sehr gut begleitet wird und es auch eine große Rundumberichterstattung gibt. Schön wäre es aber, wenn die regionalen dritten Programme mehr übertragen und wir dadurch noch mehr Zuschauer und Fans erreichen. 

Was würden Sie im Handball sofort verändern, wenn Sie es könnten?

Unser Sport wird immer schneller, was es für die Schiedsrichter alles andere als einfach macht. Weil die in unserem Sport aber viel Einfluss nehmen können, wächst dadurch auch der Druck. Ob es beispielsweise wirklich ein Stürmerfoul war, wird immer strittig bleiben. Aber beim Passivspiel kann man durch eine Zeitbegrenzung ähnlich wie im Basketball ganz leicht verhindern, dass diese Entscheidung nur im Ermessen der Schiris liegt. Wie lange ein Angriff gespielt werden darf, müsste man noch diskutieren.

Braucht der deutsche Handball noch mehr große Hallen wie beispielsweise auch in Mannheim?

Da fällt mir ein Ja oder Nein schwer. Für die Vermarktung sind die großen Hallen natürlich idealer. Aber die kleinen, engen Hallen haben weiterhin ihren Charme, den ich auch nicht missen möchte.

Zum Schluss ist aber nur eine Antwort erlaubt. Was wäre Ihnen am wertvollsten, wenn Sie wählen könnten: Weltmeister, Olympiasieger, Europameister oder Champions-League-Sieger?

Olympiasieger! Weil es das größte Sportevent der Welt ist und nur aller vier Jahre stattfindet.