Frank Carstens musste sich eine ganze Weile gedulden, ehe die Pressekonferenz begann. Den Körper hatte er leicht über den Tisch gelehnt, seine Augen wanderten den Statistikzettel hinab. Zu lesen waren auch positive Zahlen aus der Phase zwischen der 34. und der 53. Minute, als sein SC Magdeburg einen Acht-Tore-Rückstand von 18:10 auf zwei Tore zum 25:23 verkürzt hatte. Trainer Carstens fand dafür entsprechend lobende Worte: "Die Mannschaft hat Moral bewiesen."

Magdeburg. Moral allein sollte am Sonntag nicht reichen, um die gastgebende HSG Wetzlar zu bezwingen. Stattdessen haben die Bundesliga-Handballer des SCM die Partie mit 25:28 (10:15) verloren. Und Bennet Wiegert resümierte die Stimmung nach der Schlusssirene: "Wir sind von uns selbst enttäuscht."

Vielleicht ist es deshalb umso besser, dass es für die Magdeburger bereits morgen nach Kiel geht, dass sie sich eigentlich "nicht lange mit Wetzlar beschäftigen" können. Aber es völlig zu verdrängen, wäre dann auch Wiegert zu einfach. Denn der SCM hat ja die Gewissheit, dass er bei der HSG "in der Lage war, zwei Punkte zu holen", erklärt Wiegert. Der 28-Jährige hat jedoch vermisst, was viele vermisst haben: eine starke Körpersprache, die allerdings mit dem eigenen Spiel steht und fällt. Von der Leidenschaft des Gegners an sich, glaubt Wiegert, "waren wir nicht beeindruckt, wir wussten ja, was uns in Wetzlar erwartet". Dennoch war die Partie auch als Zeichen für die aktuelle Situation zu werten. "Wir haben beim Sieg gegen Ahlen-Hamm kein überragendes Spiel gemacht, da war uns klar, dass irgendetwas gerade nicht richtig läuft." Auch Carstens hatte damals nicht umsonst von einem "kleinen Schritt" nach vorn gesprochen.

Dabei gibt es außerordentlich gute Gründe, wieder die eigenen Qualitäten in den Vordergrund zu stellen, etwaiges Unbehagen, das derzeit herrscht, zu verdrängen. "Wir haben zu Beginn der Saison gezeigt, dass wir guten und attraktiven Handball spielen können", erklärt der Rückraumspieler, der am Sonntag den letzten Magdeburger Treffer erzielt hatte. Und nun "müssen wir uns wieder aus dem Loch herauskämpfen", fordert Wiegert von sich und der Mannschaft, betont aber zugleich: "Natürlich hätten wir ein paar Punkte mehr auf dem Konto haben können, aber es ist noch nichts Dramatisches passiert."

Grundlegend fühlen sich die Magdeburger in ihrer Bördelandhalle eben am wohlsten, nur so kann sich auch Wiegert den derzeitigen Unterschied zwischen dem Auftreten zu Hause und in der Fremde erklären. Selbst als der SCM in Wetzlar auf ein 25:23 herangekommen war, "wir sogar die Chance hatten, auf ein Tor zu verkürzen", wartete man auf den Ruck, mit dem die Partie hätte gedreht werden können.

Morgen Abend heißt der Gegner also THW Kiel (20.15 Uhr). Für Magdeburg ist das eine Kür. Diese Rolle "liegt uns mehr", weiß Wiegert, "wir wollen uns gut verkaufen und den Schritt wieder nach vorn machen".