Magdeburg l Vor genau einem Jahr ging es mit Matthias Musche quasi durch die Decke. Der damalige Shootingstar in der Handball-Nationalmannschaft und WM-Debütant war Teil des Erfolges in Katar (Platz sieben/Teilnahme am Olympia-Qualifikationsturnier). Ein Jahr später sitzt der Linksaußen des SC Magdeburg mit buchstäblich gestutzten Flügeln daheim und erlebt die EM in Polen nur als Zuschauer. Eine Ende November im Spiel erlittene Knieverletzung im linken Sprungbein hatte dem 23-Jährigen einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht.

Doch Trübsal blasen kommt für den Blondschopf nicht infrage: „Über die Nationalmannschaft mache ich mir im Moment gar keine Gedanken. Klar ist es schade, dass ich nicht dabei bin, das wäre bestimmt 'ne coole Sache gewesen. Aber hätte, wenn und könnte bringen mich nicht weiter.“ In dieser Situation bliebe ihm nur, nach vorne zu schauen, und da heiße es: „Weitermachen und neu angreifen! Zuerst natürlich im Verein, und in ein, zwei Jahren vielleicht auch wieder in der Nationalmannschaft.“

Doch auch das Jetzt und Hier stellt Musche, der seit 7. Januar keine Orthese mehr tragen muss, vor großen Herausforderungen. Neben vollem Einsatz in der Reha ist vor allem Geduld gefragt. Denn zum jetzigen Zeitpunkt steht noch nicht einmal fest, wann er beim SCM, der am Montag in die Vorbereitung gestartet ist, ins Mannschaftstraining einsteigen kann: „Das dauert noch eine ganze Weile. Momentan trainiere ich alleine, ich mache jeden Tag eineinhalb Stunden Physiotherapie und eineinhalb Stunden Kraft. Aber weit übers schmerzfreie Laufen bin ich noch nicht hinausgekommen.“ Das Ganze steigere sich langsam. Als nächstes versuche er es mit Seitwärtsbewegungen, dann mit Springen und Laufen. „Bis zum 28. Januar bin ich offiziell krankgeschrieben. Dann schaut der Operateur noch einmal drauf und entscheidet, ob die Belastung weiter hochgeschraubt und wann ich zur Mannschaft zurück kann“, so Musche, der momentan davon ausgeht, die ersten beiden Heimspiele im Februar gegen DHfK Leipzig (10.2.) und im EHF-Pokal gegen Aalborg (14.2.) zu verpassen. „Wenn alles glatt läuft, hoffe ich, spätestens Ende Februar wieder spielfähig zu sein.“

Doch auch wenn Musche nicht mittendrin ist, was das Team und dessen Vorbereitung unter Trainer Bennet Wiegert betrifft, ist er auf dem Laufenden: „Es soll im Moment sehr lauflastig sein, aber das hatte ,Benno‘ ja angekündigt.“ Bei der Mannschaftssitzung zum Auftakt am Montag war der Linksaußen natürlich mit dabei. Zu den Zielen für die Rückrunde wollte er sich nicht äußern: „Das machen wir intern, aber so viel kann ich sagen: Nach der Pause fangen wir quasi wieder bei Null an. Wir alle wollen einiges besser machen und 2016 durchstarten.“