Magdeburg/Stuttgart l Easy heißt aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt leicht. Und auf seine überragende Leistung in Stuttgart angesprochen, meinte SCM-Torwart Tobias Thulin, dass er dank einer guten Abwehr nur einige „easy“ Paraden abliefern musste. Bescheidener kann man als Sportler kaum sein. Der Schwede brachte den Gegner zum Ende des Spiels reihenweise zum Verzweifeln, fischte dabei auch richtig schwere Bälle weg und hatte mit einer Fangquote von 55 Prozent einen riesengroßen Anteil am 29:27 (15:17) der Magdeburger in Stuttgart.

Durch den vierten Bundesligasieg in Folge und die Patzer einiger direkter Konkurrenten (Rhein-Neckar Löwen, Füchse Berlin, Hannover) haben die SCM-Handballer ihren dritten Tabellenplatz gefestigt. Und bei nur drei Punkten Rückstand auf Flensburg ist auch immer noch das Ticket für die Champions League in Reichweite.

SCM ohne O'Sullivan

Dass Christian O‘Sullivan mit Fieber und Knieproblemen in Magdeburg bleiben musste, fiel zunächst nicht groß ins Gewicht. Nach elf Minuten waren die Gäste beim 7:5 auf zwei Tore enteilt und hatten das Spiel auch ganz gut im Griff. Bitter bis dahin nur die Verletzung von Stuttgarts Sascha Pfattheicher, der von seinem Torwart Jogi Bitter umgerammt wurde und mit Verdacht auf Gehirnerschütterung schon nach drei Minuten in die Kabine musste.

Obwohl es für den SCM schon das dritte Pflichtspiel innerhalb einer Woche war, mussten sich die Magdeburger noch einmal richtig strecken. Weil die Führung von 7:5 in nur drei Minuten mit einem 0:3-Lauf hergeschenkt wurde und sein Team nach 23 Minuten sogar mit 11:13 hinten lag, platzte Trainer Bennet Wiegert in einer Auszeit der Kragen. „Wir spielen wie eine Kindermannschaft“, schimpfte er. Und Matthias Musche ergänzte: „Lasst uns endlich richtig kämpfen.“

SCM dreht das Spiel

Doch nachdem sich die Stuttgarter wenige Sekunden vor der Pause sogar auf 17:14 absetzten, sah es schlecht für den SCM aus. Michael Damgaard blieb  nur noch ein letzter Freiwurf, mit dem der Däne aber ganz clever mitten durch den Block zum Pausenstand traf. Ein Tor, das auch Signalwirkung hatte. Denn nach dem Seitenwechsel spielten die Grün-Roten endlich den vom Trainer geforderten Senioren-Handball – und drehten innerhalb von vier Minuten das Spiel zum 19:18.

Damgaard mit elf Toren bester SCM-Werfer

Die Stuttgarter konnten danach zwar ihrerseits die Partie noch einmal drehen, aber dann setzte sich die Klasse und vor allem der Kampfgeist der Magdeburger durch. „Wir wollten vor der Länderspielpause dieses Spiel unbedingt gewinnen. Unser großer Kader hat dafür den Ausschlag gegeben und ich bin stolz auf jeden unserer Spieler“, freute sich Damgaard, der mit elf Toren bester Werfer war. Und der Trainer atmete tief durch. Wiegert: „Ich musste die Jungs zwar erst einmal an der Ehre packen. Aber dieser Sieg tut richtig gut.“

Thulin im SCM-Tor überragend

Zum angesprochenen großen Kader gehören natürlich auch zwei starke Torhüter. Und der Wechsel von Jannick Green auf Thulin kurz vor der Pause erwies sich mit als spielentscheidend. Während Green von der Abwehr nicht die nötige Hilfe bekam, ging es nach der Pause wesentlich aggressiver am eigenen Kreis zu. Und wenn doch mal ein Ball durchkam oder die Stuttgarter freie Bahn hatten, war meistens Thulin da. Der Schwede gewann ganz klar das Duell gegen Weltmeister Bitter. Thulin: „Nach der Pause lief es bei uns besser. Und eine starke Abwehr hat es mir bei vielen Bällen auch leicht gemacht.“

Ein Spaziergang wurde es aber auch am Ende nicht. Trotz eines 25:22 (50.) war das Spiel noch lange nicht durch und eine Minute vor dem Ende beim 28:27 noch einmal richtig spannend. Doch Kay Smits machte im Gegenzug mit dem 29:27 endgültig alles klar. Damit haben die Magdeburger auch das zehnte Bundesliga-Duell gegen Stuttgart gewonnen.