Magdeburg l Für den großen Aufstieg gab es keine tatkischen Vorgaben. Da hieß es nur vorwärts. Bis ganz nach oben. „Ich habe mit meiner Frau in einer Sechs-Tage-Tour den Kilimandscharo bestiegen“, erzählt Piotr Chrapkowski stolz. „Ein absoluter Traum. Aber nicht einfach. Da muss man schon einigermaßen fit sein.“

Für die 5895 Meter, die er im Sommer 2014 bezwang, ist zwar keine Bergausrüstung wie für die Gipfel im Himalaya notwendig, aber der Weg nach oben ist nicht minder schwer. „Ab 3000 Metern“, so erzählt der Pole, „wird die Luft immer dünner. Da muss man ziemlich oft Pausen einlegen, kann so maximal sechs bis acht Stunden langsam gehen.“

Ob im Abenteuerurlaub am Kilimandscharo in Tansania oder als Handballer. Piotr Chrapkowski, der Abwehrhüne des SC Magdeburg, ist ein Mann der weiten Wege. Das gilt ja auch im Sport. Bei Gegenstößen wird der Pole auch am Donnerstag (19 Uhr/Sky) in der Getec-Arena gegen den Tabellenletzten Eulen Ludwigshafen wieder bis an den gegnerischen Kreis stürmen. Wenn es aber mit dem schnellen Tor nicht klappt, dann muss er auf die Bank, um einen Offensiv-Spezialisten auf die Platte zu lassen. Und wenn der Gegner wieder in Ballbesitz ist, kehrt der Abwehrspezialist aufs Spielfeld zurück, um das eigene Tor zu verteidigen.

Pole ist für längere Pausen

„Ich werfe natürlich auch gerne selbst Tore. Aber dieses Wechselspiel ist nun mal taktisch so abgesprochen“, erklärt er.

Das Reisen ist für Piotr Chrapkowski eine schöne Abwechslung zum Handball. Der Kilimandscharo war ja nicht der einzige Reisetraum, den er sich schon erfüllt hat. „Wir haben viele Verwandte in den USA, waren da von Miami bis Las Vegas schon fast überall. Das liegt auch daran, dass ich früher in Polen mehr Zeit im Sommer hatte“, erklärt der 30-Jährige.

Womit er eines der viel diskutierten Themen in der Bundesliga anspricht. „Letzten Sommer hatten wir in Deutschland gerade mal drei Wochen frei. Dann ging es schon wieder los. Das ist viel zu wenig. Nach einer Saison kann man in so kurzer Zeit nicht richtig regenerieren.“

Trotz der enormen Belastung hat Piotr Chrapkowski erst kürzlich seinen Vertrag in Magdeburg bis 2023 verlängert. „Als Familie fühlen wir uns sehr wohl hier. Und ich bin mir sicher, mit dem SCM auch noch Titel zu gewinnen. In diesem Jahr ist das realistisch gesehen nur noch im Pokal drin. Aber nächste Saison greifen wir auch um die Meisterschaft neu an. Und so ein extremes Verletzungspech wie in dieser Saison werden wir nicht noch einmal haben.“

EM-Quali gegen DHB-Team

Auch er selbst war einer der Leidgeprüften. Beim 40:27 in Stuttgart zog er sich Anfang November einen Muskelbündelriss in der rechten Wade zu. „Das war vom Gefühl her wie ein Messerstich. Da ging wirklich nichts mehr. Dass ich dann gegen Göppingen schon wieder gespielt habe, war eigentlich ein ziemliches Risiko. Aber es ist gutgegangen. Jetzt merke ich kaum noch etwas in der Wade, fühle mich richtig gut. Dass wir nicht mehr im Europacup dabei sind und deshalb zwischen den Liga-Spielen immer eine Woche frei haben, kommt mir natürlich entgegen.“

Schließlich hat Chrapkowski auch im polnischen Nationaltrikot noch einiges vor. Am 10. und 13. April stehen in der EM-Qualifikation zwei Spiele gegen Deutschland an. „Die WM haben wir verpasst. Deshalb wollen wir jetzt unbedingt zur EM. Und wenn man in der Bundesliga spielt, dann sind die Duelle mit Deutschland besonders schön.“

Der Defensivspezialist hat schließlich schon ganz andere Zeiten als Nationalspieler erlebt. In Katar scheiterte er mit Polen vor vier Jahren höchst umstritten im Halbfinale an den Gastgebern, holte Bronze. Sein größtes sportliches Erlebnis war aber der Champions-League-Sieg mit Kielce. „Wir lagen da im Finale gegen Veszprem schon mit neun Toren zurück und haben am Ende im Siebenmeterwerfen gewonnen. Das macht diesen Triumph so einmalig.“

Und zeigt, dass ein Chrapkowski nie aufgibt. Ob jetzt beim SCM, früher in Kielce oder am Kilimandscharo!

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