Magdeburg l So wie beim Blick auf Magdeburg sofort auffallen würde, wenn der Dom in der Silhouette fehlt, verhält es sich auch mit Piotr Chrapkowski bei den Handballern des SC Magdeburg. Mit seinen 2,03 Metern ragt der Pole selbst bei den allgemein groß gewachsenen Handballern noch heraus. Und diese 2,03 Meter fehlen aktuell beim Training. Denn die Abwehrkante liegt mit einer normalen Erkältung zu Hause flach. Um in Corona-Zeiten auf Nummer sicher zu gehen, wurde Chrapkowski neben den wöchentlichen Tests sofort noch einmal zusätzlich getestet und erhielt einen negativen Befund. Ende der Woche soll der 32-Jährige aber schon wieder auf der Platte stehen können.

Tennis und Windsurfen als Fitness-Programm

Bis zum Saisonstart im Oktober ist ja noch genug Zeit, um sich entsprechend fit zu machen. In der Corona-Pause hat Chrapkowski natürlich wie alle anderen auch individuell trainiert. „Zunächst waren wir ja noch lange in Magdeburg, weil die Grenzen sehr schnell geschlossen wurden. Fit gehalten habe ich mich dann mit Laufen und Fahrradfahren. In Polen habe ich dann auch sehr viel Tennis gespielt. Teilweise auch mit Leuten, die früher sogar professionell gespielt haben. Da wurde ich also richtig gefordert. Aber das hat mir Spaß gemacht und es bringt auch mehr, wenn bei der Bewegung ein Ball im Spiel ist, dem ich hinterherlaufen muss“, berichtet Chrapkowski über seinen Alltag in den letzten Monaten.

Auch ein neues Hobby hat er für sich entdeckt. Chrapkowski: „Wir waren auch an der Ostsee, wo ich viel Spaß am Windsurfen gefunden habe. Nach der Karriere will ich auch Kitesurfen ausprobieren. Es war unterm Strich der längste Urlaub in meinem Leben – aber größere Reisen konnten wir ja leider nicht unternehmen.“

Eigentlich eines der großen Hobbys bei den Chrapkowskis. Mit seiner Frau Dagmara hat Piotr intensiv die USA bereist und sogar schon den Kilimandscharo bestiegen. Doch solche Abenteuer werden vorerst unabhängig aller Beschränkungen nicht mehr möglich sein.

Zwei Töchter bekommen einen Bruder

Denn Chrapkowski bringt aus der Corona-Pause ein süßes Geheimnis mit. „Meine Frau ist schwanger und im September kommt unser drittes Kind zur Welt“, erzählt Chrapkowski, der mit seiner Frau bisher zwei Töchter Sara (5) und Klara (3) hat, und ergänzt stolz: „Und wir wissen auch schon, dass es dieses Mal ein Junge sein wird.“

Als dreifacher Papa hat er mit seinem SCM dann viel vor. Chrapkowski: „Durch die lange Pause kann man zwar vieles nicht so genau einschätzen und ich weiß auch nicht so genau, wie es bei den anderen Teams läuft. Aber ich denke schon, dass wir eine gute Mannschaft zusammen haben.“

Neuzugang Magnus Gullerud ist ihm auch schon bestens bekannt. Der Norweger spielte vier Jahre lang als Kreisläufer in Minden und Chrapkowski macht als Abwehrspieler den Kreis vor dem eigenen Tor dicht. „Dadurch kenne ich ihn natürlich. Aber ständige Zweikämpfe zwischen uns am Kreis gab es eigentlich nicht, weil Minden meistens sehr viel aus der Distanz geworfen hat. Wichtig ist, dass wir uns jetzt aber in der Abwehrarbeit schnell aufeinander abstimmen“, sagt Chrapkowski, der seit drei Jahren beim SCM zusammen mit Zeljko Musa das Abwehrduo bildet.

Lange Pause tat dem Körper richtig gut

Dass die Saison abgebrochen wurde, kann Chrapkowski sehr wohl verstehen. Aber dass auch der EHF-Cup abgesagt wurde, ärgert ihn. Chrapkowski: „Wenn das Final-Four-Tour der Champions League in den Dezember verschoben werden kann, dann hätte man vielleicht auch eine Lösung für den EHF-Cup finden können. Da lief es für uns ganz gut. Deshalb hätte ich da schon gerne irgendwann weitergespielt. Aber letztlich habe ich das ja nicht zu entscheiden.“

Dass er sich noch zwei Monate gedulden muss, bevor es wieder ernsthaft um Tore und Punkte geht, findet der Kapitän der polnischen Nationalmannschaft gar nicht so schlecht. Chrapkowski: „Die lange Pause hat meinem Körper richtig gutgetan. Ich fühle mich locker in den Gelenken. Und jetzt können wir auch alles in Ruhe angehen.“