Magdeburg l Wenn er könnte, würde er immer die zweite Reihe wählen, sagt Michael Damgaard. Das Rampenlicht überlässt er gerne anderen. In guten wie in schweren Momenten. Als er noch für den dänischen Verein TTH Holstebro gespielt hat, erzielte er in einer Partie das Tor, das die Qualifikation für den EHF-Cup bedeutete. Trotzdem: „Ich bin nach Abpfiff direkt in die Kabine gerannt“, erzählt der Handballer des SC Magdeburg. Fans wie Medien warteten vergebens auf ihn.

In dieser Saison hat es der Däne ähnlich gehalten. Er machte sich rar beim SC Magdeburg. Auf dem Feld reichte es nur für Kurzeinsätze, eine Entzündung der Patellasehne warf ihn zurück. Also redete er auch nur wenig. „Ich finde es nur richtig, dass dann auch die vorne stehen, die auch gespielt haben“, meint Damgaard.

Aus der Krise herausgearbeitet

Die Zeiten haben sich geändert. Inzwischen steht der 29-Jährige – bildlich gesprochen – wieder in der ersten Reihe. Weil er – ganz praktisch gesprochen – wieder in der zweiten Reihe glänzt: mit Toren aus dem Rückraum. So soll es auch im Pokal-Halbfinale am Sonnabend sein, wenn der SCM auf Hannover-Burgdorf trifft.

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Michael Damgaard hat sich aus seiner persönlichen Krise herausgearbeitet. „Ich weiß, dass ich Verantwortung im Verein habe. Und die will und kann ich tragen“, sagt Dam-gaard. „Klar war ich zu Saisonbeginn genervt und verärgert – aber das zeigt doch nur, dass es mir nicht egal ist. Ich könnte mich auch zurücklehnen und mein Geld verdienen – aber so bin ich nicht. Ich bin hartnäckig, arbeite an mir.“

Der Wille zahlt sich aus

Sein Wille hat sich ausgezahlt. „Ich bin vielleicht nicht besser als die anderen, aber ich investiere viel, trainiere härter“, sagt er. Und so hat sich gerade gestern auch wieder die Tür zur dänischen Nationalmannschaft geöffnet. Nachdem Nationaltrainer Nikolaj Jacobsen den Magdeburger für die kommenden EM-Qualifikationsspiele erst nicht berücksichtigt hatte, nominierte er ihn nun für den verletzten Rasmus Lauge nach. „Wir freuen uns darauf, Michael Damgaard wieder ins Team zu holen. Seine Kurve zeigt nach oben und er hat im Frühjahr sehr gut für Magdeburg gespielt“, erklärt Jacobsen auf der Interseite des Verbandes.

Das vorübergehenden Aus im Nationalteam und die damit einhergehende verpasste Heim-WM haben bei Dam-gaard zuletzt Träume platzen lassen. „Weltbester kann ich nur mit meinem Land sein und leider nicht mit Magdeburg“, sagt er. Trotzdem trainierte er weiter, arbeitete an seiner Physis. Antrieb dafür war und ist auch seine Tochter. „Irgendwann will ich ihr auch erklären können, warum ich manchmal keine Zeit für sie hatte. Weil ich in dieser Phase eben zu den besten Handballern gehört habe und dafür viel geopfert habe.“ Dass ihm dieses Privileg kurzzeitig genommen wurde, „das hat mich geärgert“, gibt er zu.

Mode, Motorrad, Immobilien

Allerdings hatte der Rückschlag auch etwas Positives. „Dadurch habe ich gelernt, zurückzutreten, die Welt dreht sich eben nicht nur um mich“, sagt er. „Ich habe angefangen, Vorteile zu sehen. Ich hatte mehr Zeit für meine Familie, konnte in Magdeburg sein.“ Sportlich sei das zwar schwierig zu akzeptieren gewesen, „aber für mich war es die bessere Lösung“.

Doch so wenig sich die Welt nur um ihn dreht, so wenig dreht sie sich auch ausschließlich um Handball. „Ich bin verrückt. Wenn ich eine Zeit lang nichts Neues lerne, ärgere ich mich. ‚Was machst du mit deinem Leben, mit deiner Zeit?‘, frage ich mich dann.“ Ständig sei er auf der Suche nach Inspiration. Deshalb hat er ein Mode-Label mitgegründet, betreibt einen Motorrad-Verleih und investiert im Immobilien-Markt.

Das Pferd in der Zirkusmanege

„Wenn ich etwas mache, dann vertiefe ich mich richtig rein. Ich will immer erst die Fakten kennen, bevor ich meine Meinung zu etwas abgebe.“ Dazu passt: Auch im Sport hat er keinen Berater. „Ich mache alles selbst.“

Sieben oder acht Jahre will Michael Damgaard noch Handball spielen – auch, weil er sich auf dem Spielfeld frei fühlt. „Ich gehe aufs Feld und sehe das als Spielplatz. Da bin ich ein bisschen wie ein Pferd, das in die Zirkusmanege geführt wird. Es gibt Tage, da habe ich keine Lust darauf, aber sobald ich in der Halle bin, weiß ich, wofür ich das mache. Hier kann ich immer 6500 Zuschauern beweisen, was ich kann. Das treibt mich an.“

Und wenn der SCM am Sonntag den DHB-Pokal gewinnen sollte, dann weiß Dam-gaard jetzt schon, wo er sein wird. „Ich stehe sicher nicht mit dem Handy in der Hand da und filme alles.“ Er will den Moment in Ruhe genießen – in der zweiten Reihe.

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