Magdeburg l Wenn man über deutsche Torwartlegenden im Handball spricht, dann fällt unweigerlich der Name Wieland Schmidt. Und im nächsten Satz wird an die legendäre Parade des Magdeburger Kult-Torwarts im olympischen Finale 1980 erinnert. Da hielt der heute 65-Jährige für die DDR gegen die Sowjetunion in letzter Sekunde den 23:22-Sieg und damit die Goldmedaille fest. Mit ihm gewann der SCM zwei Mal den Europacup der Landesmeister und sechs der elf Meistertitel in der DDR.

Mit Schmidt fing alles an

Der Torwart mit der damals ungewöhnlichen Rückennummer 12 gilt seitdem als Urvater der Magdeburger Torwart-Dynastie. Nicht zu vergessen natürlich Gunar Schimrock, mit dem Schmidt damals ein Weltklasse-Torwartduo bildete.

Vor allem Silvio Heinevetter bekommt beim Namen Schmidt große Augen. „Er war für mich ein absolutes Idol. Und deshalb trage auch ich die Zwölf auf dem Trikot“, erzählt der aktuelle Füchse- und Nationaltorwart stolz.

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Auch Heinevetter trägt die 12

Bevor Heinevetter nach Berlin wechselte, stand er von 2005 bis 2009 beim SCM im Tor. Heinevetter: „Dass über die Magdeburger Schiene so viele gute Torhüter kamen, ist aber schwer zu erklären. Der SCM hat auf jeden Fall eine gute Jugendarbeit. Und wenn man sich in einem Verein immer an starken Leuten orientieren kann, ist das sicherlich eines der Geheimnisse.“

Schmidt selbst verrät, dass schon er damals spezielles Torwarttraining absolviert und dabei auch viel ausprobiert hat. Schmidt: „Und so wie das aktuelle Team haben wir auch damals schon sehr darauf geachtet, über eine gute Abwehr- und Torwartarbeit schnell vor das gegnerische Tor zu kommen. Das haben wir im Training viel geübt. Wichtig war für mich aber auch, dass die Zuschauer eng dran waren. Das war für mich immer Motivation pur.“

Eigener Torwartstil ist wichtig

Eine goldene Regel für den Weg zum Top-Torhüter gibt es aber auch für die Legende Wieland Schmidt nicht. „Jeder muss seinen eigenen Stil finden und daran arbeiten. So ist Johannes Bitter einer, der mit seiner Größe das Tor zunagelt, während Silvio Heinevetter auch mal quer in der Luft liegt und immer unberechenbar ist.“

Bitter bekam sofort das Vertrauen

Neben Heinevetter hat auch Jogi Bitter eine Magdeburger Vergangenheit. Er kehrt am Sonntag mit dem TVB Stuttgart in die Getec-Arena zurück. Bitter, Weltmeister von 2007, stand von 2003 bis 2007 bei den Grün-Roten zwischen den Pfosten. Bitter: „Ich weiß, dass jetzt mit Tomas Svensson spezielles Torwarttraining gemacht wird. Damals war das aber noch nicht so. Da habe ich dann einige Male meinen alten Torwarttrainer aus Oldenburg, Alexandr Vorontsov, dazu geholt. Am wichtigsten war für mich damals aber vor allem, dass ich in Magdeburg schon als junger Torwart das Vertrauen erhielt und viel spielen durfte.“

Bitter lobt Qualität von Quenstedt

Während Heinevetter und Bitter von anderen Clubs nach Magdeburg kamen, durchlief Dario Quenstedt auch schon die Nachwuchsschule an der Elbe. Jetzt folgt wie einst bei Henning Fritz (siehe Text unten auf dieser Seite) der Wechsel zum THW Kiel. Bitter: „Der THW ist einer der Top-Clubs in der Welt. Dorthin kann nicht jeder wechseln. Das zeigt Darios Qualität. Er wird zwar hinter Niklas Landin die klare Nummer zwei sein. Aber auch da sammelt er für seine Karriere wichtige Erfahrungen.“

Dass Quenstedt es als Magdeburger Urgestein bis ins Nationalteam geschafft hat, hängt für ihn selbst neben der guten Ausbildung in der Jugend vor allem mit den Vorderleuten zusammen. „Ein Torwart profitiert immer davon, wenn er in einer guten Mannschaft spielt. Wenn der Gegner oft nur aus neun oder zehn Metern abschließen muss, dann kann man sich als Torwart viel öfter auszeichnen“, sagt Quenstedt, der im Jugendbereich auch einmal unter Wieland Schmidt trainiert hatte.

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