Magdeburg l Dass das Handy von Dario Quenstedt klingelt, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Dass ihn ein Anruf über mehrere Tage beschäftigt, allerdings schon. So geschehen, als der Zeugwart des SC Magdeburg, Felix Eckert, von ihm wissen wollte, welches Lied er sich denn für seine Verabschiedung am letzten Heimspieltag wünsche. „Da ist mir erst bewusst geworden, dass die Saison in drei Wochen vorbei ist. Und das ist verdammt kurz“, erzählt der Torhüter, der im Sommer zum THW Kiel wechselt.

Am Donnerstag empfängt der SCM den VfL Gummersbach (19 Uhr, Sky), dann reist am kommenden Mittwoch Bietigheim in die Getec-Arena. Am 9. Juni geht es noch einmal auf Tour, die letzte Partie wird auswärts in Göppingen gespielt. „Vom Papier her ist Frisch Auf der schwierigste Gegner, aber auch die anderen Spiele müssen wir erst einmal gewinnen“, sagt Quenstedt und verweist auf den knappen 23:22-Erfolg in Lemgo: „Da bin ich nämlich auch davon ausgegangen, dass wir einen Vorsprung von drei, vier Toren haben werden, der uns Sicherheit gibt.“

Partie in Göppingen ist Abschluss

Es kam bekanntlich anders. Besonders die Zusammenarbeit zwischen Abwehr und Torhüter funktionierte nicht. Das SCM-Torwartgespann konnte gerade einmal vier Paraden verbuchen. „Solche Tage gibt es eben auch. Da uns das bislang nur einmal passiert ist, habe ich mich aber nicht länger damit beschäftigt.“

Abhaken, weitermachen. Wer denkt, dass die Handballer gedanklich schon im Urlaub weilen, täuscht sich. „Nach dem Pokalfinale in Hamburg hatten manche ja das Gefühl, dass die Saison für uns vorbei ist. Für mich war das definitiv nicht so. Wenn in Göppingen die 60 Minuten von der Uhr gelaufen sind, dann mache ich einen Haken an die Spielzeit“, sagt der 29-Jährige.

Quenstedt verzichtet auf Urlaub

Und jenen Haken wird er teils freudig, teils mit Wehmut setzen. Dass er mit seinen Einsatzzeiten über die gesamte Saison hinweg gehadert hat, ist kein Geheimnis. „Deshalb bin ich auch ganz froh, wenn jetzt der Cut kommt“, sagt er. Aber der kommt eben auch nach 15  Jahren beim Club. Es mischen sich Vorfreude, Anspannung, auch Angst. „Ich gehe deshalb im Sommer auch nicht in den Urlaub“, erzählt Quenstedt, „ich könnte vom Kopf her sowieso nicht entspannen.“

Er will in Kiel die neuen Wege kennenlernen, Gespräche führen. „Und unser Haus ist ja nur 100 Meter vom Meer entfernt“, sagt er. Fühlt sich quasi sowieso wie Urlaub an.

Lichtlein als Vorbild

Nur, wie gesagt, all das wird für Quenstedt erst in drei Wochen konkret. Und die Partien gegen Gummersbach und Bietigheim haben ihre ganz eigene Brisanz. Für beide Vereine geht es darum, den Abstieg zu verhindern. Gummersbach hat die bessere Ausgangslage und mit Carsten Lichtlein einen erfahrenen Torhüter im Kasten. „Er ist, was die Bundesliga-Einsätze betrifft, ein Vorbild für mich. Mittlerweile steht er seit 18 Jahren zwischen den Pfosten. Und kein Torhüter hat mehr Siebenmeter gehalten als er“, sagt Quenstedt.

Übrigens: So sehr ihn der Anruf auch überrascht hat, die Entscheidung für das Lied ist schnell gefallen. So viel verrät er: „Es gibt nur ein Lied, das zu mir und meiner Entwicklung in Magdeburg passt.“

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