Magdeburg l Eigentlich könnte Bennet Wiegert die Auswärtsfahrt nach Kassel zur MT Melsungen  (Donnerstag, 19 Uhr) recht entspannt angehen. Denn: „Die Stimmung nach dem Sieg gegen den THW Kiel ist positiv. Es ist immer schön, so früh in der Saison noch nicht im Stress zu sein oder unter Druck zu stehen“, sagt der Trainer des SC Magdeburg. Doch die gute Ausgangslage als Liga-Spitzenreiter ist nichts, was Rückschlüsse auf die kommende Partie in Melsungen zulässt. „Es ist Quatsch, zu denken, dass wir dort locker gewinnen. Melsungen hat einen sehr guten Kader und spielt zu Hause“, meint Wiegert. Und was ihn noch viel mehr beschäftigen dürfte: Melsungen ist zurzeit unberechenbar.

Die Mannschaft von Heiko Grimm ist ebenfalls mit großen Ambitionen gestartet, schlittert gerade aber in die erste Krise. Platz zwölf mit 3:5 Punkten und die vorangegangene 23:36-Abreibung bei Aufsteiger Balingen-Weilstetten lassen die Alarmglocken läuten. Zu Beginn der Woche war in Kassel daher Aufarbeitung angesagt. „Ich habe der Mannschaft sehr deutlich gemacht, dass solche Auftritte völlig inakzeptabel sind“, wird Manager Axel Geerken auf der Vereins-Webseite zitiert. Zudem habe es eine „nicht unwesentlich sanktionierende Maßnahme“ gegeben.

SCM weiß nicht, wie Melsungen reagiert

Kapitän Finn Lemke, der von 2015 bis 2017 für den SCM spielte, spricht von einem kollektiven Versagen: „Wir haben nicht nur uns als Spieler lächerlich gemacht, sondern haben auch die ganze Region insgesamt nicht in der Weise repräsentiert, wie wir das normalerweise wollen.“

Nur: Was bedeutet das für den SCM? Anzunehmen, dass Melsungen darauf brennt, die Schmach vor eigenem Publikum wieder auszubügeln. Vielleicht passiert aber auch genau das Gegenteil und der Gastgeber lässt es erst einmal verhalten angehen. Bennet Wiegert hat die Vorgänge jedenfalls mit Interesse verfolgt. „Wir können ja nicht wegdiskutieren, dass das auch bei uns ein Thema ist“, berichtet er, „doch was uns tatsächlich erwartet, kann ich nur schwer abschätzen. Die Reaktionen der Melsunger waren sehr ehrlich, wenn Worte wie ‚peinlich‘ oder ‚unerklärlich‘ fallen, lässt das tief blicken. Sie wollen sich also bestimmt wieder richtig präsentieren, ja auch ein bisschen ums Überleben kämpfen. Und wie ginge das besser, als gegen ein Team, das gut gestartet ist, zu überzeugen.“

Drahtseilakt für Wiegert im Rückraum

Im Vergleich zur vergangenen Spielzeit drückt Neuzugang Kai Häfner – laut Wiegert zurzeit der stabilste Spieler bei der MT – dem Spiel der Hessen seinen Stempel auf. Wogegen die Aufstellung im eigenen rechten Rückraum weiterhin ein Drahtseilakt für den Trainer ist. „Christoph Steinert stellt sich nach seiner Rückenverletzung in Lemgo zur Verfügung“, sagt Wiegert. Ausgestanden ist sie aber noch nicht. Die erhöhte Spielzeit, die dadurch wiederum auf Albin Lagergren zukommt, birgt zudem Risiken.

„Auf dieser Position war es von Beginn an ein schwieriger Spagat. Bei Albin ist die Gefahr einer Folgeverletzung einfach da, wir wollen ihn auf keinen Fall zu früh verheizen, brauchen ihn andererseits aber auch“, erklärt der Coach.

Eine Situation, der der Trainer seine volle Aufmerksamkeit widmet. „Denn letztlich sind wir immer gut damit gefahren, uns auf uns zu konzentrieren“, stellt Wiegert klar.

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