Magdeburg l Die Feiern in Dänemark waren lang und ausgiebig. Am Tag nach dem großen Triumph wurden die neuen Handball-Weltmeister in Kopenhagen von den Fans auf dem Rathausplatz empfangen. Stolz stemmte dabei auch Jannick Green den immerhin 20 Kilogramm schweren Goldpokal in die Höhe. Ein Erfolg, der den Torwart des SC Magdeburger unheimlich glücklich macht.

„Weltmeister zu werden, dazu noch im eigenen Land in einer ausverkauften Halle – davon träumt jeder Sportler. Für mich ist da ein Traum in Erfüllung gegangen. Dass wir dabei auch noch den ersten Weltmeister-Titel für Dänemark überhaupt geholt haben, macht mich unheimlich stolz“, erklärte Green mit einem zufriedenen Lächeln. Dass es bei der Party danach kein Halten gab, versteht sich von selbst. Green: „Wir haben natürlich gut gefeiert. Und ob uns der Wirt am Sonntagabend nach dem Finale wirklich die Schlüssel für seine Bar überlassen hat, weiß ich gar nicht mehr genau.“

127 Paraden in zehn Spielen

Woran er sich allerdings sehr gern erinnert: Auf dem Flug von Herning zur Party nach Kopenhagen, berichtet der Keeper, wurde die Maschine der Nationalmannschaft auf den letzten Kilometern von Kampfjets der dänischen Luftwaffe begleitet. In dem Land mit knapp sechs Millionen Einwohnern herrschte selbst am Himmel Volksfeststimmung.

Und dafür hatte auch Green im Zusammenspiel mit Niklas Landin auf dem Hallenboden gesorgt. Dänemarks Torwart-Duo war das beste beim Turnier. 127 Paraden in zehn WM-Spielen, 84  von Landin und 43 von Green, sind ein starker Wert. Und dass sein Teamkollege vom THW Kiel mehr Spielanteile hatte, war für den Magdeburger auch kein Problem. „Ich schätze meine persönliche Leistung im Turnier gut ein. Wenn Niklas keinen guten Tag erwischt hat, bin ich ins Tor gekommen. Da haben wir uns gut ergänzt.“

Herausragend war Green dabei im Halbfinale, als er serienweise mit unglaublichen Paraden die Franzosen zur Verzweiflung brachte.

Obwohl der 30-Jährige mit seinen Dänen bis auf das Hamburger Halbfinale nur in Herning spielte, hat der Torwart die Euphorie in Deutschland mitbekommen. „Die ausverkauften Arenen zu sehen, war schon toll. Aber wir hatten bei uns ja auch eine Euphorie und tolle Unterstützung unserer Fans.“ Einer davon war Kronprinz Frederik von Dänemark persönlich. „Dass er beim Finale anwesend war, ist natürlich eine große Ehre für uns. Aber er ist Sport-Fan und immer wieder dabei, wenn wir große Turniere spielen. Trotzdem war das noch einmal etwas Besonderes“, erinnert sich der Keeper mit großer Freude an den Trubel nach dem Sieg im Finale von Herning.

Hebel wieder umlegen

Aber Green ist lange genug im Leistungssport unterwegs, um zu wissen, dass der Hebel ganz schnell wieder umgelegt werden muss. „Am Dienstag konnte ich es gar nicht richtig fassen, dass ich jetzt schon wieder auf dem Rückweg nach Magdeburg bin. Das ging alles so schnell. Gerade eben hatte man noch mit den Fans auf dem Rathausbalkon gefeiert, jetzt ging es schon zurück zum SCM und ins Training. Aber schön, wieder zu Hause und bei meinen Kindern sein zu können.“

Auch auf die Teamkollegen hatte sich Green sehr gefreut. Obweohl er ja einigen bei der WM direkt gegenüber gestanden hatte. Auf Robert Weber und Österreich traf er in der Vorrunde, auf Albin Lagergren mit Schweden in der Hauptrunde. Und Christian „Sulli“ O’Sullivan war mit Norwegen sogar zweimal sein Gegner. In der Vorrunde und dann beim spektakulär mit 31:22 gegen Norwegen gewonnenen Finale. Green: „Wir haben uns nach dem Finale kurz ausgetauscht. Und er persönlich hat ja auch ein sehr gutes Turnier gespielt.“

Die Wunden des verlorenen Endspiels sind bei O‘Sullivan aber schon wieder verheilt. „Dänemark war einfach besser. Das muss man anerkennen“, sagt der SCM-Kapitän, der gestern seine Silbermedaille zum Training mitbrachte. Nach der Operation am linken Knie Anfang Dezember war es fast schon ein Wunder, dass er bis WM-Beginn wieder fit war.

Halbfinale gegen Brasilien vergeigt

Wie Matthias Musche im deutschen Nationaltrikot hat auch Zeljko Musa ein richtig starkes Turnier gespielt. Im Dezember musste er noch befürchten, dass es für den 16er-Kader vielleicht gar nicht reichen wird. Aber dann war der Kreisläufer in Abwehr und Angriff aus dem kroatischen Team nicht wegzudenken.

Über die knappe Niederlage gegen Deutschland im vorletzten Spiel der Hauptrunde ärgert sich der 33-Jährige allerdings weniger. „Den Einzug ins Halbfinale hatten wir bereits mit der Niederlage gegen Brasilien vergeigt“, sagt Musa. Letztlich blieb nur das Spiel um Rang fünf, das gegen Lagergrens Schweden verloren ging.

Weber machte bei der Präsentation der WM-Rückkehrer gestern in der Getec-Arena eher einen Haken an das Turnier. Rang 19 war für die „Ösis“ eine riesige Enttäuschung. Aber es konnte eben nur ein Magdeburger Weltmeister werden.