Magdeburg l Der Schock saß zu Wochenbeginn tief bei den Handballern des SC Magdeburg. Marko Bezjaks Schulteroperation ist ein herber Rückschlag im Titelrennen und vor der Gruppenphase im EHF-Cup. Schließlich ist ein adäquater Ersatz für einen Spieler der Klasse eines Marko Bezjak nicht auf die Schnelle zu finden.

Hinter den Kulissen wurde aber fleißig gearbeitet – und ein hoffnungsvolles Talent als Ersatz gefunden. Gisli Thorgeir Kristjansson kommt vom THW Kiel nach Magdeburg. Der 20-jährige Rückraumspieler unterzeichnete am Donnerstag einen zunächst bis zum 30. Juni 2020 befristeten Vertrag beim SCM.

Danke an den THW

„Gisli verfügt über ein riesiges Potenzial und soll uns zunächst helfen, unsere Saisonziele weiter zu verfolgen. Mein Dank gilt auch dem THW Kiel, der diesen kurzfristigen Vereinswechsel zum SCM unkompliziert ermöglicht hat“, erklärt SCM-Trainer Bennet Wiegert per Vereinsmitteilung.

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Genau wie der im Sommer nach Magdeburg wechselnde Omar Ingi Magnusson war Kristjansson einer der auffälligsten Spieler im isländischen Nationalteam bei der WM vor einem Jahr in Deutschland. Weil er sich da an der rechten Schulter verletzte, war die Saison für ihn in Kiel, wohin er im Sommer 2018 aus Island von Hafnarfjördur gewechselt war, gelaufen. Und nachdem er sich wieder ins Team gekämpft hatte, kugelte er sich Anfang November im Spiel bei den Rhein Neckar Löwen die linke Schulter aus.

Grünes Licht nach Medizincheck

Der 20-Jährige war acht Minuten vor Schluss bei einem Zweikampf ausgerutscht und auf den Hallenboden gestürzt.  Die „traumatische Luxation“ wurde aber konservativ ohne Operation behandelt, so dass Kristjansson jetzt wieder voll einsatzfähig ist. Wiegert: „Nach einem intensiven Medizincheck haben wir grünes Licht für eine volle Einsatzfähigkeit bekommen. Die Schulterverletzungen sind auskuriert und in Kiel hervorragend behandelt worden.“

Warum verlässt so ein talentierter Spieler aber den THW Kiel, wo Titelgewinne fest programmiert sind? Weil Kristjansson spielen will. Und das dürfte bei den „Zebras“ künftig für ihn sehr schwer werden. Mit dem Norweger Sander Sagosen wechselt im Sommer schließlich einer der besten zentralen Rückraumspieler aus Paris nach Kiel. Da werden sich selbst für die gestandenen Stars Domagoj Duvnjak und Nikola Bilyk die Einsatzminuten in der nächsten Saison deutlich verringern.

Schon als 18-Jähriger im Nationalteam

Kristjansson hätte da also kaum noch Chancen, in der Mitte oder im linken Rückraum zum Einsatz zu kommen. Obwohl der Vertrag des Rechtshänders noch bis 2021 beim THW läuft, hat ihm der Verein aufgrund fehlender sportlicher Persepektiven schon zu Beginn des Jahres nahegelegt, sich eine neue Herausforderung zu suchen. Und die bekommt er in Magdeburg durch den langen Ausfall von Bezjak auf jeden Fall.  

Dass Kristjansson ordentlich Handball spielen kann, dürfte unbestritten sein. Sonst hätte ihn Kiel gewiss nicht verpflichtet. Nachdem er bei der U-18-Europameisterschaft 2016 in Kroatien mit 53 Treffern erfolgreichster isländischer Schütze war, debütierte er schon als 18-Jähriger für das isländische Nationalteam. Da hat er inzwischen 23 Spiele gemacht und 31 Tore geworfen.

Jetzt will er seine Klasse im SCM-Trikot zeigen – und kann es kaum erwarten. Kristjansson: „Zunächst möchte ich mich beim THW Kiel bedanken, der mich nicht nur nach meiner Verletzung optimal versorgt hat, sondern auch dem Wechsel nach Magdeburg zugestimmt hat. Der SCM hat nicht nur auf Island einen legendären Ruf, viele Isländer haben große Erfolge mit dem SC Magdeburg gefeiert. Mit diesem Publikum im Rücken aufzulaufen, wird etwas ganz Besonderes sein. Ich bin bereit und kann es kaum erwarten, dass es losgeht."

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