Magdeburg l Vorstellen musste sich Justus Kluge gestern Nachmittag beim SCM-Training natürlich nicht. Obwohl er vergangene Saison nur für die Youngsters gespielt hat, ist er den meisten Spielern des Profiteams noch gut bekannt. „Das macht vieles leichter. Gut ist auch, dass wir eine einheitliche Spielphilosophie im Verein haben und jetzt nicht taktisch völlig ungewohnte Dinge auf mich zukommen“, erklärt Kluge, der beim Spiel in der European Handball League an diesem Dienstagabend (20.45 Uhr, DAZN) gegen ZSKA Moskau für den verletzten Matthias Musche in den Profi-Kader rückt.

Mitgefühl für Musche

So schön es für ihn persönlich ist, so sehr fühlt der 22-Jährige auch mit Musche mit. Kluge: „Das tut mir unheimlich leid für ihn. Wir beide kennen uns ja gut, weil sich vor zwei Jahren Lukas Mertens ähnlich verletzte und ich damals auch zu den Profis aufgerückt bin. Deshalb sehe ich das jetzt alles wirklich mit sehr zwiespältigen Gefühlen.“

Das Spiel des SCM gegen die Rhein-Neckar Löwen hatte er nicht live verfolgt. Kluge: „Ich war mit Hausaufgaben beschäftigt. Aber vor dem Schlafengehen habe ich noch einmal aufs Handy geschaut und hatte schon zahlreiche Anrufe und Nachrichten. Aber da hatte ich noch Hoffnung, dass es bei ,Matze‘ vielleicht doch nicht allzu schlimm ist.“

Anruf von Wiegert

Als am nächsten Tag dann aber die Nummer von Bennet Wiegert im Display aufleuchtete, war Kluge klar, dass Musche nicht nur eine Prellung hat. Kluge: „Ich hatte natürlich mit ,Matze‘ auch selbst Kontakt und will ihn jetzt so gut wie möglich vertreten. Wenn man bei den SCM-Youngsters spielt, dann brennt man auch immer darauf, es in die erste Mannschaft zu schaffen.“

Weil beim Drittliga-Team seit zwei Wochen kein Mannschaftstraining mehr erlaubt ist, musste sich Kluge alleine fit halten. „Ich bin viel gelaufen und habe Krafteinheiten gemacht. Klar, mit dem Ball ist das alles immer etwas anderes. Aber das wird schon. Außerdem geht es ja in erster Linie darum, für Lukas Mertens eine Absicherung zu sein und ihn ein bisschen zu entlasten.“

Dass Handball plötzlich wieder die Hauptrolle in seinem Alltag einnimmt, war so natürlich nicht zu erwarten. Der gebürtige Magdeburger hatte nämlich seinen Schwerpunkt inzwischen auf eine berufliche Perspektive gelegt und absolviert in der Berufsbildenden Schule „Dr. Otto Schlein“ eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Kluge: „Ein medizinischer Beruf hat mich schon immer fasziniert. Die vielen anatomischen Sachen, die ich jetzt lerne, sind auch aus Sportlersicht sehr interessant.“

Ausbildung und Training

Wie er dieser Ausbildung jetzt auch angesichts des Profi-Spielplans nachgehen kann, wird in enger Absprache zwischen Schule und SCM entschieden. „Da meine Noten eigentlich hervorragend sind, dürfte das kein Problem werden. Und bei den Auswärtsspielen hat man im Bus auch genug Zeit zum Lernen“, weiß Kluge aber auch, dass sich jetzt einiges verändern wird und muss: „Aufgrund der Corona-Beschränkungen muss ich mehr beachten und mich an bestimmte Vorsichtsmaßnahmen halten, um zusätzliche Infektionsrisiken auszuschließen.“

Durch Corona ist auch auf der Platte nichts, wie es war. „Am meisten hätte ich mich bei den Spielen auf die vollen Hallen gefreut. Aber leider sind Zuschauer derzeit nicht erlaubt. Schade, weil ich die Emotionen von den Rängen für mein Spiel brauche“, erzählt Kluge, der fürs Comeback auch keine Traumgegner hat. Kluge: „Ich nehme alles, wie es kommt, und will die Spiele genießen.“ Und vielleicht toppt er auch seine bisherige Bundesliga-Quote. Kluge stand 27mal im SCM-Kader und erzielte vier Tore.