Magdeburg l Kopfschütteln auf dem Spielfeld, Ernüchterung auf der Bank: Die letzten zehn Minuten am Sonntagnachmittag standen sinnbildlich dafür, warum der SC Magdeburg gegen clevere Rhein-Neckar Löwen eine Niederlage hinnehmen musste. Erst warf Marko Bezjak rechts am leeren Gäste-Tor vorbei (53. Minute), dann parierte Löwen-Torhüter Mikael Appelgren einen Konter von Matthias Musche (54.). Zu guter Letzt brachte nicht einmal ein Siebenmeter den ersehnten Erfolg: Daniel Pettersson scheiterte ebenfalls an Appelgren (55.).

Es waren die vielen vergebenen Chancen, die dem SCM im Kampf um Platz drei einen Strich durch die Rechnung machten. Denn nach der gestrigen 29:32 (14:17)-Niederlage haben die Löwen in der Bundesliga-Tabelle erst einmal die Nase vorn. „Wir haben es einfach nicht geschafft, den letzten Nadelstich zu setzen“, monierte Trainer Bennet Wiegert. Vom Gefühl her sei seine Mannschaft nicht weit von den Löwen weg gewesen, „aber wir müssen für einen Sieg eben auch unsere Leistung bringen. Ich hätte die Löwen gerne noch in Stress gebracht, indem wir bis auf ein Tor herangekommen wären.“ Das blieb jedoch Wunschdenken.

Mit 5:2 geführt

Dabei kamen die Magdeburger gut ins Spiel und legten durch einen von Matthias Musche verwandelten Siebenmeter nach sieben Minuten erstmals eine Zwei-Tore-Führung (4:2) hin. Dank einer Riesenparade von Jannick Green gegen Gedeon Guardiola und eines Treffers von Michael Damgaard hieß es nach acht Minuten sogar 5:2.

Aber plötzlich ging nicht mehr viel. So konnten die Löwen Tor für Tor aufholen, der SCM lag nach zwölf Minuten mit 5:6 hinten. Zur Halbzeitpause stand es 14:17. Die Mannschaft von Nikolaj Jacobsen nutzte nicht nur die Fehler der Magdeburger eiskalt aus, sondern profitierte noch von zwei weiteren Umständen.

Löwen gewinnen Torwart-Duell

Erstens hatte das Team mit Appelgren den besseren Torhüter. „Wenn man das Torhüterduell nicht gewinnt, sondern klar verliert, dann hat man in der Bundesliga keine Chance“, betonte Sky-Experte Stefan Kretzschmar. Zweitens unterbanden die Gäste das Tempospiel des SCM fast komplett, drängten die Spieler im Positionsangriff zudem hinter die Neun-Meter-Linie. „Von dort zu werfen, ist nicht unser Stil“, stellte Wiegert fest. Ein Grund dafür, warum Michael Dam-gaard zeitweise als Alleinunterhalter unterwegs war.

Schon in der ersten Halbzeit traf er achtmal, nach Abpfiff hatte er dann elf Treffer auf dem Konto. „Damgaard hat zwar viel getroffen, aber solange er der Einzige ist, kannst du damit leben“, meinte Jacobsen. Der Torschütze selbst sah das etwas anders. „Ich finde, wir haben auch viele Chancen über die rechte Seite kreiert“, meinte der Däne, „aber uns fehlen die Würfe von Matthias. Ihn müssen wir wieder besser ins Spiel bringen.“ An der Belastung liegt es laut Wiegert aber nicht, dass die Handballer die dritte Niederlage nach dem Pokalfinale gegen THW Kiel und dem Liga-Spiel beim HC Erlangen in Folge hinnehmen mussten. „Die Löwen betrifft das ja genauso, die haben durch die Champions League vielleicht sogar mehr Belastung in den Knochen“, so Wiegert.

Nur acht Siege gegen Mannheim

Er konnte trotz alledem in der Pressekonferenz wieder lachen. Denn Jacobsen, der nach dieser Saison als Trainer der Mannheimer aufhören wird, verabschiedete sich schmunzelnd von seinem Gegenüber. „Wenn ich mir das nächste Mal die dänischen Nationalspieler in Magdeburg anschaue, dann können wir danach in Ruhe ein Bier trinken“, erklärte Jacobsen.

Wiegert konnte wenigstens kurz lächeln, „obwohl die Duelle gegen die Löwen für uns immer nicht so schön waren“. Den acht SCM-Siegen stehen nun 29 Löwen-Erfolge gegenüber. „Wir würden uns jetzt schon gerne mit den Löwen messen, aber ich sehe gute Chancen, dass wir sie im nächsten Jahr schlagen können“, blickte der Coach voraus.