Magdeburg l Seit Montag ist Matthias Musche wieder in Magdeburg. „Endlich mit meiner Freundin im eigenen Bettchen schlafen. Und ausgiebig Gassi mit unserem Hund gehen. Das hatte ich in den letzten Wochen am meisten vermisst“, freute sich der 26-Jährige. Die WM hat ihn auch in seiner Heimat noch bekannter gemacht. Wenn er durch die Stadt geht, wird er hier und da angesprochen, um ein Selfie und Autogramm gebeten. Sogar an die Fensterscheibe wird dafür geklopft. Musche: „Ich habe damit auch überhaupt keine Probleme. Ist doch schön, dass unsere Sportart durch die WM jetzt so gefragt ist.“ Gefragt war Musche am Mittwoch auch bei Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, der ihn sowie Bundestrainer Christian Prokop und DHB-Präsident Andreas Michelmann in der Staatskanzlei empfangen hat.

Die deutschlandweite Euphorie bekommt der Linksaußen in den sozialen Netzwerken zu spüren. Musche: „Mein Instagram-Account ist durch die WM von 6000 auf 27.000 Follower gestiegen. Unglaublich.“ An der Beliebtheit des Magdeburgers mit dem langen Bart ändert auch die letzte Aktion bei der WM nichts. Musche hatte im Spiel um Platz drei Sekunden vor Schluss mit dem Zuspiel auf Hendrik Pekeler vielleicht zu sehr das Risiko gesucht. Pekeler bekam den Ball nicht unter Kontrolle und die Franzosen konterten zum Sieg. „Direkt nach dem Schlusspfiff habe ich gedacht: Scheiße, das war mein Fehler. Aber im Nachhinein kann ich damit leben. Ich musste ja in diesem Moment eine Entscheidung treffen. Entweder klappt es oder nicht. Deshalb mache ich mir da keinen Vorwurf. Wir hätten ja auch in der Verlängerung verlieren können. So sind wir auf Sieg gegangen. Und die Chance war in diesem Moment ja auf jeden Fall da“, erklärte Musche die Szene.

In der hektischen und emotionalen Crunch-Time wusste er auch nicht genau, wie viel Zeit dem DHB-Team noch bleibt. Musche: „Das ging in diesem Moment alles so schnell. Sind noch zwölf oder drei Sekunden zu spielen? Probiere ich es selbst mit einem Schlagwurf? Ich wusste nicht genau, wie viel Zeit noch auf der Uhr ist. Wenn ich realisiert hätte, dass es noch zehn Sekunden sind, dann hätte ich aber wohl eher die Aktion abgebrochen und den Ball nach hinten gespielt.“

"Ein Riesenevent für uns alle"

Wie so oft sind es Kleinigkeiten, die den Ausschlag geben. Die aber auch von unschätzbarem Erfahrungswert sind. Musche: „Wenn man im Halbfinale steht, will man natürlich mehr als Rang vier. Aber hadern sollten wir trotzdem nicht. Wir haben viele Leute begeistert und Werbung für unseren Sport gemacht. An diese WM werde ich mich ewig erinnern. Das war ein Riesenevent für uns alle. Bis zum Halbfinale konnte ich die WM sogar nur mit Superlativen beschreiben. Wahnsinn auch, wie viele Prominente und auch Sportler aus anderen Sportarten den Kontakt zu uns gesucht haben, um uns die Daumen zu drücken. Neben dem ganzen Drumherum habe ich auch unheimlich viel dazu gelernt und mir viel Selbstvertrauen geholt.“

Dass seine Spielzeiten hinter einem Uwe Gensheimer überschaubar bleiben, war von vornherein klar. „Uwe ist Kapitän und hat es auch gut gemacht, wenn er im Spiel war. Trotzdem bin ich zufrieden, weil ich meine Leistung gebracht habe, wenn ich gefordert war. Und das ist ja auch nicht immer so einfach.“ Da kann Musche zu Recht stolz darauf sein. Er kam in jedem Spiel zum Einsatz, steuerte 15 Tore bei. Äußerst treffsicher und nervenstark war er vom Siebenmeterpunkt: Fünf von fünf Würfen netzte er dabei ein. Gegen Frankreich glich er vom Punkt zum 25:25 aus und wäre mit einem Assist zum möglichen Siegtor sogar der Matchwinner gewesen. Musche: „So ist Handball, der Sport allgemein und in gewisser Weise auch das Leben: Es gibt eben nicht nur Sonnenschein.“

Die WM hatte für ihn natürlich auch noch viele andere Momente. Musche: „Gegen Frankreichs Luc Abalo hatte ich noch nie gespielt. Das war schon mal ganz interessant. Und sehr angetan bin ich von Patrick Groetzki. Dass er ein cooler Typ ist, wusste ich auch vorher. Aber was er für ein Teamplayer und Gute-Laune-Mensch ist, hat mich begeistert. Viele können ihn ja nur danach beurteilen, was sie von ihm auf der Platte sehen. Aber er macht für die Mannschaft auch unglaublich viel, was kein Außenstehender sieht.“

Nachdem Musche bereits am Montag beim Training seiner Magdeburger Teamkollegen vorbeischaute und alle begrüßte, trainiert er Donnerstagvormittag auch wieder selbst im SCM-Trikot. Freitag geht es dann noch mal kurz zum Nationalteam, das beim All-Star-Game in Stuttgart auf eine Bundesliga-Auswahl trifft. Musche: „Und dann freue ich mich auch wieder auf die Spiele mit meinem SCM.“