Magdeburg l Erleichterung. Das ist es, was Dario Quenstedt verspürt, wenn er über seinen Wechsel zum Bundesligisten THW Kiel spricht. Denn jetzt endlich, nach mehreren Monaten der Spekulation, der ständigen Nachfragen kann der Torhüter des SC Magdeburg darüber sprechen. Sich erklären.

„Das war eine unbefriedigende Situation für mich. Die Leute haben mich angesprochen, wollten wissen: ‚Was ist denn nun?‘ Und da konnte ich es noch nicht sagen“, erinnert sich Quenstedt. „Jetzt bin ich erleichtert. Zum einen, weil es raus ist. Und zum anderen auch, weil das Umfeld positiv reagiert hat. Meine Entscheidung mit Verständnis aufgefasst wurde.“

Gemischte Gefühle vor Heimspiel

Und trotzdem ist da dieses mulmige Gefühl vor dem ersten Heimspiel am Sonntag. Das Derby gegen DHfK Leipzig steht an, in einer voraussichtlich ausverkauften Arena. Es ist zudem das erste Spiel, nachdem sein Weggang verkündet wurde. „Ich weiß nicht, was mich erwartet“, sagt Quenstedt und blickt auf den Eingang, aus dem die Handballer in der Getec-Arena aufs Spielfeld auflaufen. „Es sind einfach gemischte Gefühle.“

Hinzu kommt, dass er selbst vielleicht gar nicht auf dem Spielfeld stehen kann. Ihn plagen weiterhin Rückenschmerzen. „Es geht minimal bergauf. Nicht so, wie ich es mir selbst wünsche. Eine Prognose abgeben möchte ich aber nicht“, sagt er dazu. Der 28-Jährige bleibt pragmatisch. Die Situation ist, wie sie ist. „Ich verstecke mich da nicht, versuche offensiv damit umzugehen.“ Gerne würde er trotzdem mit einer entsprechenden Leistung auf dem Feld zeigen, dass er noch bis Saisonende da ist. Und nicht schon mit dem Kopf in Kiel.

Quenstedt will neue Reize

„Ich will einen runden Abschluss nach fünfzehn Jahren haben. Und dafür lege ich alles rein. Dann ist es für mich im Endeffekt auch egal, was die Leute sagen“, stellt Quenstedt klar. In den sozialen Medien sagen die Leute sehr viel Positives. Aber es fallen auch Kommentare wie „Verräter“ oder „Söldner“. Dabei scheint für Quenstedt einfach der Zeitpunkt da zu sein, einen Tapetenwechsel vorzunehmen. Er spricht von neuen Reizen, will raus aus der Komfortzone. „Ich kenne hier alle Wege, war bei fast allen Fan-Club-Treffen dabei. Ich weiß, wie das Training und die Auswärtsspiele ablaufen“, berichtet der Torwart. „Ich glaube, dass es mich weiterbringt, wenn ich etwas Neues sehe.“

Von dem zukünftigen THW-Trainer Filip Jicha und Torwarttrainer Mattias Andersson könne er viel lernen. Mit Niklas Landin steht aber auch ein starker Konkurrent an seiner Seite. Quenstedt weiß das, sagt aber auch: „Ich wechsle nicht als zweiter Mann oder Bankdrücker nach Kiel. Ich möchte einen fairen Wettkampf und eine klare und transparente Auskunft über die Aufstellung im Tor haben.“

Findungsprozess

Obwohl seine Entscheidung schon länger feststand, hat er trotzdem immer wieder gezweifelt. „Hier bin ich mit allem sicher. Ich habe mein Standing innerhalb der Mannschaft. Es war ein sehr schwieriger Findungsprozess“, erklärt der Torhüter. Jetzt wird er sich neu beweisen müssen – „das ist anstrengend“, sagt Quenstedt, aber notwendig, um „mein nächstes Level zu erreichen“.

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