Magdeburg l Robert Weber war einer der ersten SCM-Handballer, die am Donnerstagnachmittag zum Training an der Getec-Arena erschienen. Eine ganze Menge Gepäck unter dem Arm, in kurzen Klamotten und mit Sonnenbrille hätte man auch denken können, der Starspieler der Magdeburger sei auf dem Weg in den Urlaub. Wobei: Ein gewisses Fernweh war ja tatsächlich in diesem Moment im Gepäck.

Weber ist bester SCM-Torjäger

Knapp drei Stunden zuvor hatte der SCM offiziell den Abgang seines Rechtsaußen verkündet. Zum Saisonende 2019 werde der Österreicher nach zehn Jahren im grün-roten Trikot den Verein verlassen. Ein herber Einschlag: Der beste Torjäger der Vereinsgeschichte, einer der großen Identifiktaionsfiguren des SCM geht.

„Ich bin froh, dass es jetzt raus ist", erzählte Weber also. „Die Geschichte war für mich und meine Familie in den letzten Wochen durchaus belastend." Wohin es ihn zieht? Warum er nicht noch einmal verlängert? Die Hintergründe behielt der Österreicher für sich.

Keine Einigung erzielt

Klar ist: Der Vertrag des Linkshänders läuft am Saisonende aus. Und offensichtlich ist auch: In den Gesprächen über eine Verlängerung wurde kein Konsens gefunden. „Wir standen in engem Kontakt mit ihm und seinem Berater, konnten uns aber inhaltlich nicht auf eine Verlängerung verständigen", bestätigte Trainer Bennet Wiegert. „Wir akzeptieren Roberts Entscheidung. Und er wird immer mit der Geschichte des SCM verbunden bleiben."

Der inzwischen 32-jährige Weber kam 2009 aus Balingen nach Magdeburg, spielt inzwischen seine zehnte Saison im grün-roten Trikot. Damit ist er ein Urgestein des SCM geworden und wurde von Vereinslegende Stefan Kretzschmar sogar in die Top Drei aller Rechtsaußen seit 1999 berufen.

Weber ist Magdeburgs Bundesliga-Rekordtorschütze. Inklusive dem einen Jahr in Balingen hat er 1972 Tore in 340  Bundesligaspielen erzielt. Ihm fehlen also nur noch 28 Treffer, um die magische 2000er Marke zu knacken. Mit dem aktuellen Schnitt – 14 Tore in den ersten drei Partien – könnte er Anfang Oktober im Heimspiel gegen Hannover ein 2000er werden.

Seit 2009 beim SCM

Neun Jahre hat Robert Weber das SCM-Spiel geprägt, wurde 2015 mit 271 Treffern Torschützenkönig und einige Male Zweiter der Torjägerliste. Als er 2009 das Angebot erhielt, nach Magdeburg zu kommen, hat er spontan ja gesagt. „Ich durfte vor vielen Jahren das Star-Aufgebot von Magdeburg mit Abati, Stiebler und Co. live in Bregenz bewundern. Da wurde mir klar, da möchte ich auch mal hin", erzählte Weber im Interview mit „Handball-World".

Vor zwei Jahren gewann er mit dem DHB-Pokal den einzigen großen Titel im Trikot des SCM. Doch aktuell machen die Magdeburger mit ihrer Spielweise und durch die drei Siege große Hoffnungen, dass auch in dieser Saison richtig was geht. Weber: „Wir rechnen uns in allen drei Wettbewerben was aus. Und für mich wäre es natürlich der absolute Traum, mich mit einem Titel aus Magdeburg zu verabschieden. Am liebsten mit dem Meistertitel. Denn das wäre das größte, was wir erreichen könnten."

Und so offensiv, wie er spielt, geht Weber auch mit der Entscheidung um, seinen Herzensverein zu verlassen. Schon vor der Saison sagte er im Gespräch mit der Volksstimme: „Ich werde dieses Mal definitiv nicht vorzeitig meinen Vertrag verlängern, sondern abwarten, was kommt." Heißt: Schauen, wo es Angebote gibt. Denn: „Mich würde es reizen, noch mal was anderes zu machen." In dem Zuge erzählte er auch vielsagend, dass er in der Schule ja Französisch gelernt habe.

Vielleicht nur ein Zufall, vielleicht auch ein Indiz: Für das Heimspiel am Wochenende gegen den Bergischen HC sollen sich auch französische Medien akkreditiert haben.

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