Magdeburg l Der SC Magdeburg ist mit einem Kader von 17 Spielern in die Saison gegangen. Bewegung gab es bereits vor dem ersten Bundesliga-Spieltag, als Gleb Kalarash zu Vardar Skopje wechselte und für ihn Ignacio Plaza ins Aufgebot rutschte. Dabei blieb es allerdings auch. Die Volksstimme zieht Bilanz – mit einer Einzelkritik für jeden Spieler.

Jannick Green

Der Däne war in der Spielzeit ein absolut zuverlässiger Rückhalt im Tor. In der Gesamtwertung der Handball-Bundesliga steht Green zwar nur auf Rang vier – unter anderem mit einer Fangquote von 32 Prozent –, in den Spielen des SCM gab er mit seiner Performance aber oft den Ausschlag über Sieg oder Niederlage. Einziger Schwachpunkt war sein Auftritt im DHB-Pokalfinale, als ihm Landsmann Niklas Landin vom THW Kiel den Schneid abkaufte. Volksstimme-Note: 1,5

Dario Quenstedt:

Für Quenstedt verlief die Saison nicht zufriedenstellend. Hinter Green bekam er wenig Spielminuten – zu wenig, denn der Torwart hätte mehr Spielpraxis verdient gehabt. Trotz alldem hat er sich nie aufgegeben und zeigte seine Qualität am Pokal-Wochenende in Hamburg sowie in seinem letzten Heimspiel gegen Bietigheim. Note: 3

Zeljko Musa

Der 33-jährige Abwehrhüne ist aus dem Innenblock des SCM nicht wegzudenken. Im Zusammenspiel mit Piotr Chrapkowski stellt er jeden gegnerischen Angriff vor Herausforderungen. Stark auch, wie er trotz seines Alters in jeder Partie die langen Wege zwischen Abwehr und Kreis auf sich nimmt. Musa erzielte in der Saison nämlich auch 78 Tore. Dass gegen Ende der Spielzeit die Kraft nachließ, ist verständlich. Note: 2,5

Piotr Chrapkowski

Der Pole hat in seinem zweiten Jahr beim SCM die Spielphilosophie voll und ganz verkörpert und umgesetzt. Während er im Innenblock die Defensive zusammenhielt, trieb er das Tempospiel in der ersten und zweiten Welle konsequent voran. Das wurde gerade dann deutlich, wenn er verletzungsbedingt nicht auf dem Feld stand. Zum Beispiel nach seinem Muskelfaserriss im November, als die Grün-Roten später ohne ihn das EHF-Cup-Aus gegen Porto und danach auch noch drei Niederlagen in der Liga hinnehmen mussten. Chrapkowski ist ein ganz wichtiges Puzzleteil im SCM-Spiel geworden. Note: 2

Ignacio Plaza Jimenez

Der Spanier kam erst im August zur Mannschaft, nachdem Gleb Kalarash seinen Weggang verkündet hatte. Der Plan, dass er Musa Verschnaufpausen verschaffen sollte, ging nur teilweise auf. Als Kreisläufer war Plaza zwar ein belebendes Element, in der Defensive fehlt ihm aber noch die nötige Qualität. Seine Einsatzzeiten waren daher überschaubar. Note: 4

Carlos Molina

Molina war in der Mannschaft wie bei den Fans allseits beliebt, vor allem aufgrund seiner spanischen Lässigkeit. Eine tragende Rolle hat er seit 2017 jedoch zu keinem Zeitpunkt eingenommen. Nach seiner Schulterverletzung sah ihn Trainer Bennet Wiegert ausschließlich als Abwehr-Spezialisten im Mittelblock – und auch da konnte er die wenigen Chancen, die er bekam – zum Beispiel als Chrapkowski verletzt war –, nicht nutzen. Note: 4,5

Marko Bezjak

Bezjak ist der Ideengeber für das SCM-Spiel. Und der Spielmacher startete stark in die Saison, Experten versahen ihn zu Recht mit dem Prädikat „weltklasse“. 110 Assists, der Spitzenwert innerhalb der Mannschaft, sind nur ein Beleg für seine Übersicht. Dann jedoch warfen den Slowenen eine Sehnenverletzung im rechten Fuß im Dezember sowie weitere kleinere Blessuren aus der Bahn. Bis zum Saisonende erholte er sich davon nicht in Gänze. Doch selbst ein Marko Bezjak, der nur 80 Prozent seiner Leistung abrufen kann, ist immer noch ein Leistungsträger. Note: 3

Christian O’Sullivan

Der Kapitän ist in puncto Einsatz und Wille ein Vorbild. Er hat gleich in mehreren Partien die Zähne zusammengebissen, obwohl er aufgrund von Verletzungen eine Pause gebraucht hätte. Selbst nach einer Operation am linken Knie spielte er mit dem SCM eine mehr als solide Rückrunde. Seine Stärke liegt in der zweiten Welle, in der er mit Übersicht und Zug zum Tor agiert. So kommt O‘Sullivan auf 74 Assists und 80 Tore. Note: 2,5

Juan de la Peña:

De la Peña gehört die Zukunft, beim SCM hatte er auf der Spielmacher-Position mit Bezjak und O’Sullivan aber zu starke Konkurrenten vor sich. So wechselte er im Februar kurzfristig nach Balingen, um mehr Spielpraxis zu bekommen. Dass der SCM große Stücke auf den Spanier hält, zeigt der Anschlussvertrag, den man ab 2021 mit ihm abgeschlossen hat. Note: 4

Michael Damgaard

Damgaard musste sich in diese Saison hineinkämpfen. In der Vorbereitung trainierte er aufgrund seiner Knieprobleme individuell, erst Ende September konnte er jedes Mannschaftstraining absolvieren. Dementsprechend fehlerbehaftet waren da auch seine Auftritte. Die Initialzündung war sein Siegtreffer mit der Schlusssirene im Dezember in Leipzig. Danach bewies er wieder, dass er ein Spieler ist, der den Unterschied ausmachen kann. Spektakulär war sein Auftritt im Pokal-Halbfinale gegen Hannover, als er den SCM mit 15 Treffern im Alleingang ins Finale schoss. Dem Rückraumstar ist jedoch anzukreiden, dass er teilweise zu viel riskiert. Oft schließt er zu früh und eigensinnig ab. Wenn der Däne hier an sich arbeitet, würde das sicher auch die Beziehung zwischen ihm und dem Trainer entschärfen. Note: 3

Mads Christiansen

Die Position im rechten Rückraum hatte Christiansen klar an Albin Lagergren verloren. So musste er sich zwangsläufig hinten anstellen. Als sich Lagergren im Pokalfinale dann verletzte, fehlte Christiansen die Spielpraxis. Er konnte sich bis zum Saisonende aber noch einmal steigern, agierte dann solide. Note: 3,5

Albin Lagergren

Der Schwede war neben Plaza der zweite Neuzugang, den der SCM integrieren musste. Und er fügte sich perfekt ins Spielsystem ein. Lagergren erwies sich vor allem deshalb als echter Glücksgriff: Er spielte zum einen mannschaftsdienlich, setzte seine Nebenleute in Szene. Zum anderen strahlte er jederzeit Torgefahr aus. Dass er sich zu einer wahren Stütze entwickelt hatte, zeigte sich vor allem im Pokalfinale. Nachdem Lagergren mit einem Mittelfußbruch vom Platz musste, brach der SCM ein und konnte den Ausfall nicht kompensieren. Note: 2,5

Matthias Musche

Der Linksaußen spielte eine überragende Saison und krönte sich mit 256 Treffern zum Torschützenkönig der Bundesliga. Dabei bewies Musche auch vom Siebenmeterpunkt seine Treffsicherheit. Im Club ist der gebürtige Magdeburger schon seit geraumer Zeit eine Identifikationsfigur. Einzig nach der WM und dem Pokalfinale durchlief Musche eine kleinere Schwächephase. Note: 2

Justus Kluge

Der Youngsters-Spieler rückte für den Notfall zu den Profis auf, da Musche nach der Verletzung von Lukas Mertens ansonsten allein auf der Linksaußen-Position gewesen wäre. Ohne Note

Lukas Mertens

Ein Kreuz- bandriss warf Mertens zurück, so dass er erst ab Februar einsatzbereit war. Um ihn zu schonen, durfte er nur kurz aufs Spielfeld. Nächste Saison soll sich das ändern. Ohne Note

Robert Weber

Für den Österreicher verlief die Saison durchwachsen. Nachdem sein Weggang verkündet worden war, beeinflusste das seine spielerische Leistung. Seinen unangefochtenen Stammplatz auf Rechtsaußen und als Siebenmeterschütze büßte er ein. Dennoch: In den Top-Spielen war Weber stets zur Stelle, besiegelte unter anderem mit seinem letzten Tor den Heimsieg gegen Flensburg. Und er knackte die Marke von 2000 Toren in der Liga. Note: 3

Daniel Pettersson

Pettersson ist kein Mann für die spektakulären Auftritte, aber er spielt stets solide und erlaubt sich kaum Ausreißer nach unten. Weber hat er oft gut vertreten, allerdings sind seine Aussichten auf den Stammplatz nicht gut. Mit Tim Hornke steht da nämlich schon ein anderer Anwärter bereit. Note: 3,5