Magdeburg l Im Blick zurück war die Entscheidung ein absoluter Glücksfall. Der SC Magdeburg hat in seiner Kaderplanung für diese Saison auf drei Kreisläufer gesetzt. Denn durch die Verletzung von Zeljko Musa (Innenbandanriss im linken Knie) fehlt dem SCM schon seit drei Spielen vorn am Kreis und hinten im Mittelblock eine feste Größe.

Neuer Innenblock beim SCM

Seither ist Erik Schmidt gefordert. Und er macht seine Sache richtig gut. Mit seinen 2,04 Metern übertrifft er Nebenmann Piotr Chrapkowski sogar noch um zwei Zentimeter. Da wird es für den Gegner schon schwer, überhaupt noch das SCM-Tor zu sehen. „Das läuft ganz gut. Und es macht Spaß, da hinten mit Piotr abzuräumen. Wir haben nicht lange gebraucht, um uns aufeinander einzustellen“, erzählt Schmidt.

Nur 17 Gegentore in Ludwigshafen, 25 Gegentore gegen Flensburg und 23 Gegentore beim Bergischen HC sind klarer Beweis dafür, dass die Defensive beim SCM richtig gut funktioniert. Wenn es nach vorn geht, läuft Schmidt die erste Welle mit und wechselt sich dann mit Moritz Preuss ab.

Schmidt spielt oft in SCM-Abwehr

„Am liebsten spiele ich natürlich beide Positionen“, sagt Erik Schmidt. „Aber wir können dadurch natürlich Kräfte sparen und uns fokussieren.“ Und weil der SCM seine Angriffe bekanntlich schneller als der Gegner abschließt, kommt der 26-Jährige trotzdem auf viel Einsatzzeit. „Länger auf der Platte zu stehen, tut schon gut, weil man dadurch auch ganz anders im Rhythmus ist.“

Auch der Trainer ist zufrieden. „Als sich Zeljko Musa verletzte, kam ja Erik Schmidt selbst erst aus einer Verletzung zurück und musste gleich Verantwortung übernehmen. Aber das macht er ordentlich und bringt uns die nötige Stabilität am Kreis“, lobt Bennet Wiegert. Und er ist froh, auf drei Kreisläufer gesetzt zu haben. „Ich möchte gar nicht daran denken, wenn wir auf dieser Position mit nur zwei Spielern in die Saison gegangen wären. Hier die nötigen Alternativen zu haben, hilft schon ungemein.“

Schmidt war Europameister 2016

Da Musa noch nicht wieder voll ins Training eingestiegen ist, dürfte Schmidt auch weiterhin Spielminuten sammeln. Im Heimspiel am Sonntag in der Getec-Arena (13.30 Uhr) kann er gegen Melsungen auch einige alte Bekannte begrüßen. Allen voran Kai Häfner, mit dem er einst in Hannover zusammen spielte. Während dieser Zeit feierte er auch seinen bisher größten Erfolg als Handballer und wurde 2016 mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister.

Jetzt steht wieder eine EM an. Schaut man da als Ex-Europameister anders hin? Schmidt: „Nein, das ist ja auch schon vier Jahre her. Da sitze ich nicht vor dem Fernseher und denke daran, wie schön das damals war. Den Erfolg kann einem zwar keiner mehr nehmen. Aber private Erinnerungen sind da natürlich viel tiefgründiger.“

SCM: Trennung von Schmidt naht

Nachdem der SCM für die neue Saison mit Magnus Gullerud einen neuen Kreisläufer verpflichtet hat, bedeutet das auch, dass sich die Wege von Erik Schmidt und den Grün-Roten im nächsten Sommer wieder trennen werden. Offiziell ausgesprochen wurde das bisher allerdings nicht. Schmidt: „Ich kann nur sagen, dass ich für nächstes Jahr keinen Vertrag hier habe. Aber bei den Gesprächen mit dem SCM wusste ich von vornherein, woran ich bin. Das wurde ganz offen kommuniziert.“

SCM-Fans übertreffen Erwartungen

Die eine Saison im grün-roten Trikot möchte der gebürtige Mainzer aber nicht missen. „Der SC Magdeburg gehört im Handball zu den großen Clubs. Da kann man stolz sein, hier mal gespielt zu haben. Dass es in der Getec-Arena laut zugeht, weiß jeder im Handball. Aber jetzt kenne ich auch das Gefühl, wenn man diese Halle mit den frenetischen Fans hinter sich hat. Und wie die uns hier unterstützt haben, hat meine Erwartungen sogar noch übertroffen.“

Am Sonntag soll die Halle gegen Melsungen natürlich auch wieder richtig wackeln. Schmidt: „Bis zum Jahresende haben wir noch drei schwere Aufgaben. Aber wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, dann sollten wir diese Spiele natürlich gewinnen.“

Schmidt kann dabei auch weiter Werbung für sich selbst machen. Auf den SCM hat er sich ja auch deshalb eingelassen, um sich nach zwei Jahren mit nur wenig Spielpraxis bei den Füchsen wieder richtig zu zeigen. Und das kann er jetzt.