Magdeburg l Immer wieder hielten die Sky-Kameras am letzten Donnerstag beim Spiel der Magdeburger bei den Rhein-Neckar Löwen drauf, wenn SCM-Trainer Bennet Wiegert in Richtung Michael Damgaard schimpfte. Während der Coach dabei wild gestikulierte und bitterböse schaute, verzog der Däne keine Miene und blieb ganz cool. Fast so, als würden die verbalen Frust-Pfeile des Trainers an einer unsichtbaren Wand abprallen und gar nicht erst bis zu Damgaard durchdringen. Was war beim 22:28 in Mannheim aber wirklich los? Hat Damgaard zu riskant gespielt und zu viele Bälle verworfen?

Kritik von Trainer Wiegert

„Nein, damit hatte das überhaupt nichts zu tun. Bei mir darf im Abschluss jeder Fehler machen. Aber keiner darf aus unserem taktischen Verbund ausbrechen. Und da hat es bei Mika ein paar Mal nicht gestimmt“, klärt Wiegert auf. Genauer gesagt, waren es die Situationen, als der SCM mit einem siebten Feldspieler agierte. Wiegert: „Dabei war klar abgesprochen, dass sich Mika bei einer Chance zum Abschluss schon Richtung Bank orientiert, um unseren Torwart schnell wieder auf die Platte schicken zu können. Und da hat er einige Male viel zu spät reagiert.“ Brutal gesagt, sogar ein bisschen geträumt und in aller Ruhe geschaut, wo denn der Ball vor dem Löwen-Tor am Ende landet. Bei der Magdeburger Abschlussschwäche auch viel zu oft als Vorlage für Gegenstöße.

Dass die eine oder andere Ansage des Trainers vielleicht ein bisschen überzogen war, prallte an Damgaard aber ab. „Wir sind Profis. Da muss man so etwas wegstecken. Unterm Strich geht es nur darum, das Spiel zu gewinnen. Da darf man nichts persönlich nehmen“, meinte er gelassen.

Damgaard bleibt ganz cool

Irgendwie ist das Verhältnis zwischen Wiegert und Damgaard auch so ein bisschen vom Wer-sich-neckt-der-mag-sich geprägt. Dass Damgaard schon gleich beim ersten Angriff ein Kunststück beim Zuspiel auf Musa misslang und er sich trotz zahlreicher Fehlversuche immer wieder den Ball nahm und fleißig weiter warf, verzeiht ihm der Trainer. Wiegert: „Dass er da das Risiko nicht scheut und immer weiter macht, zeugt von seinem großen Selbstbewusstsein. Da werde ich ihn auch nicht bremsen. Im Gegenteil. In unserer aktuellen schwierigen personellen Situation bin ich froh, wenn sich einer etwas zutraut.“ So brauchte Damgaard zwar 19 Versuche für seine neun Tore, war damit aber immer noch bester Werfer seiner Mannschaft.

Wichtige Spielpraxis für Damgaard

Und weil Marko Bezjak mit einer Bänderverletzung im rechten Fuß und Christian O’Sullivan nach einer Operation am linken Knie in diesem Jahr nicht mehr das SCM-Trikot tragen werden, kommt es im Rückraum jetzt ganz besonders auf Damgaard an. „Die Niederlage bei den Löwen ist ärgerlich. Mir persönlich haben die 60 Minuten aber richtig gut getan. Das war wichtige Spielpraxis für mich“, so Damgaard, der nach einer langwierigen Knieverletzung natürlich Zeit braucht, bevor er wieder die alte Klasse verkörpert. Zu Saisonbeginn reichte es nur zu Kurzeinsätzen, aber jetzt wird der Olympiasieger von 2016 dringend gebraucht. Wiegert: „Jeder weiß, dass er das Potenzial dafür hat, unserem Spiel die nötigen Ideen zu geben und selbst Tore zu werfen.“ Schließlich war er in den letzten Jahren beim SCM der Mann für die besonderen Momente und warf 500 Tore in drei Spielzeiten.

Ein besonderer Moment muss nun auf jeden Fall am 19. Dezember in der Getec-Arena gegen Göppingen her. Damgaard: „Durch das Aus im EHF-Cup ist der DHB-Pokal noch wichtiger geworden. Deshalb müssen wir die letzten Niederlagen schnell abhaken. Die dürfen uns nicht weiter verunsichern, sondern wir müssen auf unsere Stärken bauen und zusammenstehen.“

Mutige Meisterrechnung

Damgaard hat übrigens selbst die Meisterschaft noch nicht komplett abgeschrieben. „Die Niederlagen in Flensburg, Berlin und bei den Löwen muss man einkalkulieren. Weh tun die Minuspunkte gegen Göppingen“, so Damgaard, der bei Sky dann auch noch cool ankündigte: „Wenn wir jetzt jedes Spiel gewinnen, werden wir vielleicht noch Meister“. Dabei schaute der 28-Jährige übrigens genauso gelassen wie im Löwen-Spiel bei den Ansagen seines Trainers. Diesen Damgaard erschüttert scheinbar nichts.

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