Magdeburg l Dario Quenstedt ist ein Kind des SC Magdeburg. Als Elfjähriger kam der in Burg geborene Torwart im Jahr 2000 zu den Grün-Roten, wurde später Meister mit der B- und A-Jugend. Sieben Jahre später gehörte er zum Bundesligakader, wurde 2009 mit dem DHB-Team Juniorenweltmeister, holte mit dem SCM 2016 den DHB-Pokal und reifte im Magdeburger Tor zum Nationalspieler. Aber in vier Monaten ist die Zeit an der Elbe vorbei. Vier Monate, in denen der 29-Jährige noch mal alles für seinen Verein geben will. Dann wechselt er zum THW Kiel, dorthin also, wo der SCM am Sonntag antritt (13.30 Uhr/Sky).

„Wie ich den Fans auf meiner Facebookseite versprochen habe, werde ich bis zum letzten Spieltag alles für den SCM geben“, verspricht Quenstedt und will da sein, wenn er gebraucht wird. Quenstedt: „Ich fühle mich körperlich topfit, trainiere sehr gut und habe die Zeit der WM intensiv genutzt, um auf die Rückrunde top vorbereitet zu sein.“ Dass er immer noch zu den Top-Torhütern in Deutschland gehört, zeigt die Berufung in den 28-er Kader des Nationalteams. Und die Fangquote aus der letzten Saison mit 35,4 Prozent kann sich ebenfalls sehen lassen.

In dieser Saison selten im Einsatz

In der laufenden Spielzeit stand Quenstedt aber nur selten zwischen den Pfosten. Auch gegen Melsungen reichte es nur zu einem Kurzeinsatz. Glücklich ist er darüber natürlich nicht. Quenstedt: „Seit ich mich für Kiel entschieden habe, sind meine Einsatzzeiten bekanntlich stark zurückgegangen und ich kann der Mannschaft nicht wie in der Vergangenheit helfen. Als jemand, der eigentlich immer spielen will, ist es natürlich für mich aktuell auch eine emotionale Herausforderung, kaum ins Spielgeschehen eingreifen zu können.“

Eine wirklich schwierige Situation. Jannick Green hat in der bisherigen Saison stark gehalten und wenig Grund zum Wechseln gegeben. Dass der Däne mit seinem Nationalteam jetzt auch noch Weltmeister wurde, macht es für Quenstedt sicher noch schwieriger. Und Green zeigte sich auch gegen Melsungen gleich wieder weltmeisterlich. Trotz einer durchwachsenen ersten Hälfte hatte er am Ende 17 Paraden bei 40 Würfen und damit eine starke Quote von 42 Prozent aufzuweisen.

Aber im Sport gibt es bekanntlich die unglaublichsten Geschichten und Zufälle. Und vielleicht wird Quenstedt ausgerechnet bei seinem künftigen Club zum Matchwinner. Letztmals haben die Magdeburger vor fünf Jahren etwas Zählbares aus Kiel mitgebracht. Im März 2014 hieß es am Ende 27:27. Zur Pause hatten die Magdeburger sogar mit 15:11 geführt. Quenstedt: „Daran kann ich mich noch gut erinnern. Mal schauen, ob wieder was drin ist für uns.“ So wie beim Hinspiel in Magdeburg, als der SCM mit 35:30 siegte. Und ein drittes Duell könnte es ja noch im Pokalfinale geben. Quenstedt: „Das Spiel am Sonntag ist für mich schon besonders. Völlig klar, wenn man die Halle betritt, in der man künftig spielt.“

Wechsel auch der Liebe wegen

Dass dort mit Niklas Landin der andere dänische Weltmeistertorwart zwischen den Pfosten steht und sicher auch in der nächsten Saison gesetzt sein dürfte, ist für Quenstedt beim Blick nach Kiel derzeit noch zweitrangig. Erst einmal geht es um Karten und ein neues Zuhause. Quenstedt verrät: „Zwei Tickets musste ich für unser Spiel am Sonntag besorgen. Für meine Frau und ihre Schwester.“ Dass Quenstedts Ehefrau Katharina aus dem Norden stammt, war ja auch ein wichtiger Grund dafür, warum sich Quenstedt für einen Wechsel nach Kiel entschied.

Jetzt muss nur noch ein passendes neues Zuhause her. Die Quenstedts haben auch schon was im Auge. „Uns wurde ein Häuschen angeboten, das nur rund hundert Meter vom Strand entfernt liegt. Und bis zum Trainingsgelände wären es von dort aus auch nur fünf Minuten.“ Kurze Wege ist Quenstedt ja aus Magdeburg gewohnt. Hier braucht er nur drei Minuten bis zur Getec-Arena. Aber von der ist er bald ganz weit weg.