Magdeburg l Inzwischen hat sich die linke Schulter von Tim Hornke wieder an das ständige Werfen des Handballs gewöhnt. „Als wir nach den dreieinhalb Monaten Pause wieder die Bälle in der Hand hatten, habe ich die Belastung in der Schulter schon gemerkt. Das was ja fast ein Kaltstart. Und da musste man schon vorsichtig sein“, erklärt der Rechtsaußen des SC Magdeburg.

Testspiele snd wichtig

Morgen Abend und Sonnabendmittag will er die Bälle auch wieder ins Tor des Gegners werfen. Der heißt GOG Svendborg, kommt aus Dänemark, und bestreitet gleich zwei Testspiele gegen die Grün-Roten in der Getec-Arena. Hornke: „Solche Spiele sind unheimlich wichtig, um wieder richtig reinzukommen. Außerdem weiß man dann auch wieder, welche Sportart man wirklich betreibt.“

Viel Zeit für Söhnchen Luca und den Garten

Wie alle anderen SCM-Spieler musste sich der 30-Jährige in der langen Pause ja allein fit halten. Neben Fahrrad fahren, Joggen und Gewichte heben gab es auch am eigenen Häuschen genug zu tun, um sich körperlich zu betätigen. „Unser Garten ist auf Vordermann“, schmunzelt Hornke, der sich da auch rund um die Uhr um das eineinhalbjährige Söhnchen Luca kümmern konnte.

Rückkehr vor einem Jahr

Hornke war vor einem Jahr im Sommer aus Lemgo nach Magdeburg zurückgekehrt. Insgesamt waren es sechs Neuzugänge, die den SCM auf die nächste Leistungsstufe heben sollten. In diese Saison gehen die Grün-Roten lediglich mit zwei Neuen ins Rennen. Hornke: „Letzte Saison mussten wir uns erst einmal richtig finden. Aber jetzt ist der Kern eingespielt und wir haben ein tolles Team. Das könnte ein Vorteil gegenüber dem vergangenen Jahr sein.“

Dass es trotz überragender Statistiken plötzlich Probleme geben kann, erlebten die Magdeburger besonders schmerzhaft am Siebenmeterpunkt. Hornke war in Lemgo absoluter Top-Werfer (104 Tore und eine Trefferquote von 75,17 Prozent). Matthias Musche warf sich auch über den Siebenmeterpunkt zur Torjägerkrone. Christoph Steinert war Siebenmeterwerfer in Erlangen. Und auch Daniel Pettersson hatte eine gute Quote.

Aber im Trikot des SCM wollte es zunächst einfach nicht klappen. „Manchmal ist das im Sport wirklich komisch. Aber vielleicht haben wir zu viel darüber geredet und uns zu viele Gedanken gemacht“, rätselt Hornke.

Mentale Sicherheit

Zunächst wollte sich der Trainer nicht auch noch in die Siebenmeterwerferei einmischen und ließ die Spieler selbst entscheiden, wer wirft. Aber zum Ende der Hinrunde entschied sich Bennet Wiegert für Hornke als Werfer Nummer 1. Hornke: „Das ist mental gar nicht so schlecht, weil man dann nicht immer den Druck hat. Sonst war eigentlich klar, dass wenn man verwirft, der Nächste dran ist.“ So besserte sich auch die Statistik. Unterm Strich steht Hornke in der abgebrochenen Saison bei 67 Siebenmetertoren mit einer Trefferquote von 68,46 Prozent.

Eine Saison abzubrechen, wäre Hornke nicht mal eine Woche vor dem Lockdown in den Sinn gekommen. Hornke: „Dass durch einen Virus plötzlich alles lahmgelegt wird und wir eine Saison nicht zu Ende spielen können, hätte ich mir nie vorstellen können. Wenn ich daran zurückdenke, war das Mitte März für uns alles noch so weit weg. Das hat man damals eigentlich gar nicht so richtig ernst genommen. Aber inzwischen bestimmt das leider unseren Alltag.“

Keine Fernsehlust auf Fußball-Geisterspiele

Für Hornke sogar bei seinem liebsten Hobby neben dem Handball. Der gebürtige Hannoveraner ist großer Fußball-Fan und schaut sich da fast alles an, was im Fernsehen übertragen wird. Hornke: „Geisterspiele sind aber selbst vor dem Fernseher nicht dasselbe wie Partien mit Zuschauern. Das hat mir überhaupt keinen Spaß gemacht. Und ich habe deshalb auch nur den letzten Spieltag und die Relegation geschaut.“ Dass dies auch dem Handball drohen könnte, daran mag Hornke gar nicht denken: „Ich bin äußerlich sicher nicht der emotionalste Typ. Aber ich brauche die Zuschauer schon. Sonst ist das ja wie im Training.“

Die SCM-Spieler sind deshalb sehr froh, dass bei den zwei Testspielen wenigstens jeweils 250 Zuschauer in der Getec-Arena sein dürfen. Hornke: „Wenn die Saison beginnt, dann sollte die Halle wenigstens zu einem Drittel gefüllt sein. Denn es ist wirklich schwer vorstellbar, dass man in einem wichtigen Spiel das Quietschen seiner Schuhe hört. Und bei Auszeiten die Anweisungen des gegnerischen Trainers.“