Wie groß ist denn die Erleichterung, dass es in der Bundesliga endlich wieder losgeht?

Bennet Wiegert: "Sehr groß. Denn inzwischen waren wir dem Lagerkoller sehr nah. Auch wenn es ganz gut war, über einen längeren Zeitraum mal an einigen Dingen arbeiten zu können. Aber über drei Monate bei jeder Trainingseinheit ein hohes Level einzufordern, ist nicht einfach. Das war super anstrengend für uns alle. Da konnten die Spieler einiges nicht mehr hören. Und an ihren Gesichtern habe ich zuletzt schon gemerkt, dass sie jetzt wieder was Zählbares brauchen. Deshalb wird es wirklich Zeit, dass es losgeht und wir jetzt wieder richtige Wettkämpfe haben."

Wenn es keine größeren Verletzungen gibt, dann dürfte Rang vier am Saisonende eher eine Enttäuschung sein ...

Bennet Wiegert: "Das sehe ich anders. Natürlich wollen wir nach den zwei dritten Plätzen in den Vorjahren oben dabei bleiben. Aber von einem Meisterschaftskandidaten sind wir schon noch ein bisschen entfernt. Man darf nicht vergessen, dass wir mit Marko Bezjak, Gisli Kristjansson und Omar Ingi Magnusson einige Spieler haben, die aus Langzeitverletzungen kommen. Und unser Kader ist nicht so groß wie bei anderen Teams. Deshalb trifft es die Bemerkung, wenn alle gesund bleiben, schon ganz gut."

Wo steht der SCM im Vergleich zu den anderen Spitzenteams?

Bennet Wiegert: "Auch wenn das nach einer Floskel klingt – aber ich kann wirklich schwer einschätzen, wo wir wirklich stehen. Mit der Vorbereitung können wir unterm Strich zufrieden sein. Aber wir mussten uns in den Testspielen nie richtig strecken und mal einem klaren Rückstand hinterherlaufen. Pflichtspiele sind da etwas ganz anderes. Deshalb wissen Kiel und Flensburg sicher schon mehr. Auch die Füchse, Löwen und Melsungen sind und waren schon international gefordert. Da ist man schon auf einem anderen Level."

Wird wie in den Vorjahren trotzdem noch ein Ziel offiziell ausgegeben?

Bennet Wiegert: "Jeder weiß, dass ich ein Freund von klaren Zielen bin. Deshalb werden wir uns intern auch über Ziele verständigen. Aber öffentlich halten wir uns da bedeckt. Das passt auch aktuell nicht in die Zeit. Durch Corona gibt es wichtigere Ziele und Hoffnungen für uns alle."

Durch Corona dürfen die Hallen nur teilweise mit Zuschauern gefüllt sein. Ist das für den SCM ein Wettbewerbsnachteil?

Bennet Wiegert: "Eine volle Halle hilft uns sportlich und wirtschaftlich sehr. Deshalb ist es schade, dass zunächst nur 2000 Zuschauer dabei sein dürfen. Aber ich glaube, dass auch 2000 Magdeburger in der Getec-Arena für einen Heimvorteil sorgen können."

Können Sie denn aufgrund von Corona überhaupt perspektivisch denken und personell schon die nächsten Jahre planen?

Bennet Wiegert: "Wir haben im Verein abgesprochen, dass ich so planen soll, als ob es Corona nicht gäbe. Deshalb denke ich da auch schon über eine Saison 2024/25 nach. Wirtschaftlich steht das alles infrage. Das ist uns klar."

Wie zufrieden sind Sie mit dem Spielplan?

Bennet Wiegert: "Dass wir mit einem Heimspiel beginnen können, darüber bin ich schon einmal sehr froh. Ansonsten nehme ich es so, wie es kommt. Es sei denn, die HBL entscheidet doch noch, dass die ersten vier Teams der Hinrundentabelle ein Final-Four-Turnier um den DHB-Pokal spielen. Dann wäre es ein bisschen unfair, dass wir zunächst nach Berlin, Leipzig, Melsungen, Flensburg und Kiel müssen."

Ist der THW Kiel auch für Sie der ganz große Meisterschaftsfavorit?

Bennet Wiegert: "Wer auf Kiel tippt, wird keine große Quote bekommen. Der THW war in der letzten Saison die konstanteste Mannschaft und bekommt jetzt mit Sander Sagosen den wahrscheinlich besten Handballer der Welt noch dazu. Für unschlagbar halte ich Kiel allerdings nicht. Und was den Kader betrifft, halte ich vor allem in der Breite auch Flensburg für sehr interessant. Die haben sich klug verstärkt und dabei auch schon an die Zukunft gedacht."

Der SCM hat aber vom Altersdurchschnitt her auch einen interessanten Kader.

Bennet Wiegert: "Das denke ich auch. Und es ist ja auch wichtig, einen gewissen Umbruch nicht zu verpassen. Wir haben mit Magnusson, Kristjansson, Mertens und Thulin ganz junge Spieler im Team, denen auf jeden Fall die Zukunft gehört. Um sich zu entwickeln, muss man als junger Spieler aber auch Fehler machen dürfen. Auch deshalb ist es schwierig, ein klares Ziel auszugeben. Denn wir haben zwar eine gute Mannschaft. Aber ob wir die Leistungen schon konstant abrufen können, weiß ich nicht. Wenn wir Geduld haben und die Ruhe bewahren, dann können wir hoffentlich in den nächsten Jahren von diesen Spielern profitieren."

Könnte der straffe Spielplan in der neuen Saison zum Problem werden?

Bennet Wiegert: "Viel passieren darf bei uns natürlich nicht. Wenn wir zwei, drei Ausfälle haben, könnte es Probleme geben. Gerade nach hinten raus kann sich das in dieser Saison deshalb schon auszahlen, wenn man einen größeren Kader hat und viel durchwechseln kann."

Wer wird denn die Siebenmeter werfen? Und entscheiden Sie das?

Bennet Wiegert: "Wir wollen dieses Thema nicht wie vor der letzten Saison unnötig strapazieren. Ich schaue mir das ein paar Spiele an und lege mich dann fest. Im letzten Jahr lief es dann ja auch besser, als klar war, dass Tim Hornke die Siebenmeter wirft. Dass wir mehrere gute Schützen haben, sollte für uns aber ein Vorteil sein. Und mit Magnusson haben wir jetzt sogar noch einen mehr."