Mitte März wurde die Handball-Bundesliga unterbrochen, im April die komplette Saison abgebrochen. Aber noch immer ist ungeklärt, wie es im Handball weitergehen soll. Was erwarten Sie jetzt von der HBL?

Bennet Wiegert: "Wir brauchen endlich klare Aussagen und klare Pläne. Ob die dann so umsetzbar sind, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber der Handball muss wieder Ziele und Termine vorgeben. Wir Trainer, die Spieler, Funktionäre, Fans und Sponsoren brauchen etwas Greifbares. Also einen festen Termin, selbst wenn man den möglicherweise noch mal verschieben müsste."

Wenn Sie die Entscheidung treffen müssten, wie würde die denn aussehen?

Bennet Wiegert: "Ich bin Sportler und will deshalb so schnell wie möglich wieder zurück in den Wettkampf. Deshalb wünsche ich mir natürlich sehr, dass die neue Saison am 1. September startet. Realistischer dürfte aber wohl der 1. Oktober sein."

Für die neue Saison sind auch Doppelspieltage im Gespräch, damit Vereine aus dem Süden die Duelle im Norden und umgekehrt mit einer Reise bestreiten können. Wie stehen Sie dazu?

Bennet Wiegert: "Das müsste man erst einmal im Detail sehen. Aber innerhalb von vielleicht 48 Stunden in Kiel und Flensburg spielen zu müssen, ist gewiss nicht ideal. Da würden beispielsweise die Rhein-Neckar Löwen lieber zweimal aus Mannheim in den Norden reisen."

Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass bald auch wieder Zuschauer in die Hallen dürfen?

Bennet Wiegert: "Dass uns auch eine volle Getec-Arena den einen oder anderen Punkt bringt, weiß im Handball jeder. Deshalb wären Geisterspiele für uns sportlich ein gewaltiger Nachteil. Aus wirtschaftlichen Gründen ist das aber im Handball ohnehin keine Option. Das geht bei uns nicht so wie im Fußball. Wir haben nicht diese Fernsehgelder, aber trotzdem auch erhebliche Kosten wie Hallenmiete. Komplett ohne Zuschauer können wir nicht spielen, sonst haben wir in der Bundesliga irgendwann keine Vereine mehr."

Im Gegensatz zum Fußball und Basketball ist es um den Handball sehr ruhig geworden. Macht Ihnen das auch Sorgen?

Bennet Wiegert: "Natürlich, denn ich möchte nicht, dass unsere Sportart von der Bildfläche verschwindet. Neben dem Fußball ist uns aktuell auch der Basketball marketingtechnisch voraus, weil da gespielt wird. Deshalb müssen wir so schnell wie möglich wieder selbst für Schlagzeilen auf der Platte sorgen."

So wie es die Fußball-Bundesliga weit über die Grenzen Deutschlands hinaus macht.

Bennet Wiegert: "Davor habe ich großen Respekt. Der Fußball war mutig und weltweit der absolute Vorreiter. Alle anderen haben da erst einmal geschaut und ziehen jetzt alle durch die Erfahrungen der Bundesliga nach."

Trotz der abgebrochenen Bundesliga-Saison im Handball wurde die Meisterehrung in Kiel fast schon zelebriert. Das fanden viele in der Handballszene höchst unglücklich. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Bennet Wiegert: "Ein bisschen gewundert habe ich mich auch über den Rahmen der Meisterehrung und fand die Situation schon ziemlich paradox. Mit Mundschutz und Handschuhen die Meisterschale entgegenzunehmen, passte in der aktuellen Lage sicherlich nicht so richtig. Da hätte ich mir etwas mehr Fingerspitzengefühl gewünscht. Aber das ist meine subjektive Meinung. Da spreche ich nicht für den SCM."

Haben Sie eigentlich schon feste Trainingspläne für den Re-Start in der Schublade?

Bennet Wiegert: "Ein paar Szenarien habe ich natürlich schon durchgespielt und grob skizziert. Aber richtig ins Detail kann ich ohne einen festen Termin natürlich nicht gehen. Wir wollen auf jeden Fall am 1. Juli wieder mit dem Training starten. Aber für die Trainingspläne ist es ein Riesenunterschied, ob wir im September oder Oktober starten. Wenn wir erst im Oktober wieder spielen, kann ich die Spieler nicht gleich voll belasten, sondern muss es in den ersten drei Wochen ein bisschen ruhiger angehen lassen. Möglicherweise würden wir dann mittendrin auch ein paar Tage Pause machen und regenerieren."

Wie fit erwarten Sie denn die Spieler im Juli? Und wird das möglicherweise auch mit einem Laktattest überprüft?

Bennet Wiegert: "Bei unseren Spielern bin ich mir ganz sicher, dass alle eine große Eigenverantwortung haben und mit einem ordentlichen athletischen Niveau zurückkehren. Aber konkretes Handball-Training mit Tempowechseln, Zweikämpfen und all den spezifischen Sachen kann man nicht alleine trainieren und auch nicht improvisieren. Und im Leistungssport ist für die Vorbereitungsphase ein Laktattest ein absolutes Muss. Damit will ich aber keinem beweisen, dass er vielleicht doch nicht fleißig genug war. Sondern es geht um klare Fakten, wo wir ansetzen können, um beim Training keinen zu überlasten oder unterzubelasten."