Magdeburg l Sein Debüt für den SCM in der Getec-Arena hatte sich Gisli Kristjansson natürlich ganz anders vorgestellt. Statt im Rückraum zu wirbeln, kam er mit einer Manschette an seiner verletzten linken Schulter auf die Platte. Dass ihn die Fans ihn dabei begrüßten und feierten, als wäre er schon jahrelang in Magdeburg, war eine ganz große Geste der Magdeburger Anhänger. Und diesen Gänsehautmoment in der mit 6600 Zuschauern ausverkauften Halle wird der aus Kiel gekommene Isländer bestimmt nicht vergessen.

Am Ende waren die Fans dann aber doch eher geschockt. Der SCM war zwar gegen Hannover klar auf der Siegerstraße, konnte aber eine Sechs-Tore-Führung nicht über die Zeit bringen und musste sich schließlich mit einem 30:30 (16:13) begnügen. „Mir fehlen die Worte“, sagte Trainer Bennet Wiegert, „wir hatten über 50 Minuten alles im Griff, jetzt fühlen wir uns wie Verlierer.“

Was er meinte: Mit einem 4:0-Lauf hatten die Gastgeber aus einem 2:3 (6. Minute) innerhalb von fünf Minuten eine 6:3-Führung gemacht. Dass der erst am Dienstag verpflichtete Kay Smits dabei per Siebenmeter zum 3:3 traf, feierten die Fans ganz besonders. Schließlich wusste durch die Verletzungen von Kristjansson und Albin Lagergren (Gehirnerschütterung) keiner so richtig, was er im ersten Heimspiel des Jahres 2020 von den Grün-Roten erwarten kann. Im rechten Rückraum begann Christoph Steinert, auf den Außen Daniel Pettersson und Matthias Musche. Michael Damgaard und Christian O‘Sullivan lösten sich für die Offensive mit den Abwehrspezialisten Piotr Chrapkowski und Filip Kuzmanovski ab.

Dass Nationalspieler Timo Kastening mit fünf Toren fast im Alleingang für die Gäste wieder auf 6:6 (14.) stellte, konnten die Magdeburger zwar nicht verhindern, ließen sich davon aber auch nicht aus dem Konzept bringen. Mit einem Doppelschlag brachte Musche sein Team auf 11:8 (24.) nach vorn. Und mit einem fast schon Turbo-Gegenstoß sorgte Chrapkowski mit der Pausensirene für die 16:13-Halbzeitführung.

Nach dem Seitenwechsel kam Smits für Steinert ins Spiel und erhöhte auch gleich auf 17:13. Weil Jannick Green zwischen den SCM-Pfosten einen richtig guten Tag hatte und selbst den überragenden Kastening ärgerte, wurde diese Vier-Tore-Führung auch verteidigt. Besonders umjubelt war dabei das 21:17 (40.) von Chrapkowski. Der war bei einem Gegenstoß von Musche mitgelaufen und legte, nachdem Musche scheiterte, den Abpraller spektakulär ins Tor der Gäste.

In der Getec-Arena hielt es kaum noch jemanden auf den Sitzen. Das machte die SCM-Akteure noch stärker. Und so durfte nach 43 Minuten sogar eine Sechs-Tore-Führung (24:18) bejubelt werden. Als dann Tobias Thulin für einen Siebenmeter zwischen die Pfosten rückte, den Wurf von Kastening hielt und vorne das 30:24 (53.) gelang, schienen die Weichen endgültig auf Sieg gestellt. Doch die Gäste gaben nie auf, waren vier Minuten vor dem Ende plötzlich auf 28:30 dran und glichen 45 Sekunden vor Schluss auch noch aus.