Magdeburg l Die Liste seiner Erfolge ist lang. Champions-League-Sieger 2002, ein Jahr zuvor Deutscher Meister, letzter DDR-Meister, dazu dreimal den EHF-Cup gewonnen – doch nach dem emotionalsten Moment seiner Karriere gefragt, verweist Steffen Stiebler auf keinen dieser Titel. „Der schönste und emotionalste Moment meiner Laufbahn bleibt der Pokalsieg 1996. Das war unser erster großer Titel im gesamtdeutschen Handball. Und was unsere Fans damals beim Final Four in Hamburg veranstaltet haben, sorgt bei mir heute noch für Gänsehaut“, sagt Stiebler.

Pokalsieg 1996 total unverhofft

Von 1989 bis 2009 trug „Stabbel“ das SCM-Trikot und hält mit 499 Bundesligaspielen auch den Vereinsrekord. Zu den ganz großen Zeiten war er sogar Kapitän und ist als Geschäftsstellenleiter immer noch ein Grün-Roter. Erlebt hat der inzwischen 49-Jährige also genug. Stiebler: „Der Pokalsieg kam aber total unverhofft. Wir sind damals als Außenseiter nach Hamburg gefahren.“

Halle in Hamburg fast komplett in Grün-Rot

Im Viertelfinale wurde im Januar 1996 zunächst der THW Kiel in Magdeburg mit 23:19 geschlagen. Aber weil sich für das Final Four in Hamburg mit Wallau/Massenheim und TuSEM Essen zwei andere damalige Top-Teams qualifiziert hatten, traute den Magdeburgern kaum einer etwas zu. Doch durch die mitgereisten Fans gab es eine Initialzündung. Stiebler: „Gespielt wurde damals in der Alsterdorfer Sporthalle. Während das erste Halbfinale lief, haben wir uns dann schon auf einem kleinen Balkon warm gemacht. Und als uns die vielen Magdeburger in der Halle entdeckten, wurden wir frenetisch gefeiert. Da schauten alle nur noch auf uns. Das war ein unbeschreibliches Gefühl und hat uns richtig motiviert.“

SCM-Spieler auf der Platte gefeiert

Im Halbfinale wurde dann auch Wallau/Massenheim, damals mit Martin Schwalb, mit 23:20 geschlagen und die Halle richtig zum Wackeln gebracht. Am Tag danach, dem 1. Mai 1996, folgte dann das 20:18 im Finale gegen Essen. Stiebler: „Die hatten damals mit Stefan Hecker im Tor, Jochen Fratz und Alexander Tutschkin echte Stars in ihrem Team. Aber wir haben das Ding als Mannschaft gerockt. In Erinnerung ist mir dabei auch noch die Leistung von Heiner Benecke geblieben. Der hat offensiv gedeckt und hat dabei ordentlich Meter gemacht und den Gegner oft aus dem Konzept gebracht.“ Mit Spielende begann die große Party dann schon direkt auf der Platte. Stiebler: „Unvorstellbar, was da los war. Die Halle war ja zu zwei Dritteln mit Magdeburgern gefüllt. Viele von den Fans sind dann auf das Spielfeld gestürmt und haben uns hochleben lassen. Wir hatten danach nur noch unsere Hosen an. Alles andere ging als Erinnerungsstücke an unsere Fans.“

Lange Rückfahrt und lange Nacht

Völlig klar, dass auch die Heimreise am 1. Mai 1996 nicht in einem Stück vollzogen werden konnte. „Wir haben auf dem Weg von Hamburg nach Magdeburg schon einige Tankstellen mitgenommen, um Bier nachzuladen. In Magdeburg ging an der Hermann-Gieseler-Halle die Feier dann weiter. Und Emotionen pur kamen noch einmal auf, als wir mit den Fans am Alten Markt gefeiert haben. Wahnsinn, wie viele Menschen uns da zugejubelt haben. Da war alles voll und in Grün-Rot getaucht“, erinnert sich Stiebler, der sich mit einigen Teamkollegen damals sogar die Haare kurz rasierte.