Magdeburg l Zum Glück regnete es Montagnachmittag, ansonsten hätte Tobias Thulin den Golfplatz wohl einem Kaffee vorgezogen. Der 24-jährige Torhüter des SC Magdeburg ist nämlich Teil der skandinavischen Clique um Jannick Green, Christian O’Sullivan, Albin Lagergren und Daniel Pettersson, die gerne und oft Golf spielt. „In Schweden ist das sehr populär, auch bei jüngeren Leuten“, sagt Thulin, der sich zum internen Golf-Ranking der Team-Kollegen aber nicht äußern will. „Keiner von uns ist wirklich gut“, meint er und lacht.

Neun Paraden gegen Kiel

In einem anderen Vergleich steht er selbst allerdings an der Spitze. Denn in der Partie gegen den THW Kiel entschärfte Thulin mit neun Paraden die meisten Würfe, landete somit vor den Kieler Keepern Dario Quenstedt (acht) und Niklas Landin (sechs). „Danach konnte ich tatsächlich gut schlafen, auch wenn es schwer war, runterzukommen“, sagt Thulin. SCM-Trainer Bennet Wiegert freut sich ebenfalls für seinen Schützling: „Wir wussten alle, dass er ein großes Talent ist. Schön, dass er das jetzt auch richtig zeigen konnte.“

Von der Lautstärke in der Getec-Arena schwärmt Thulin auch Tage danach noch. „In Schweden ist IFK Kristianstad der Verein mit der größten Fan-Base, sie spielen ja auch in der Champions League. Da sind dann rund 5000 Fans da. Aber so etwas habe ich dort noch nie erlebt“, erzählt er.

Probleme mit der neuen Küche

Seine ersten Monate in Magdeburg hat der Neuzugang – abgesehen vom Handball – damit verbracht, Deutsch zu lernen und sich in Geduld zu üben. Denn er erlebte genau dasselbe wie Albin Lagergren vor gut einem Jahr. „Ich dachte, dass in meiner Wohnung eine Küche installiert ist. Das war aber nicht der Fall. Und die Lieferung hat sich dann noch einmal um einen Monat verzögert“, berichtet Thulin, der bis Mitte August deshalb immer auswärts gegessen hat.

Fleißig Deutsch lernen

Was allerdings auch einen Vorteil hatte. Denn dabei konnte er seine Deutschkenntnisse gleich in der Praxis testen. Zweimal pro Woche, wenn möglich, besucht er gemeinsam mit Filip Kuzmanovski einen Sprachkurs. „Wir stehen noch ganz am Anfang. Zumindest einige Worte sind im Schwedischen sehr ähnlich, deshalb fällt es mir etwas leichter als Filip. Aber diese Artikel, der, die, das – das ist wirklich eine Katastrophe“, sagt Thulin und schüttelt den Kopf. Bei längeren Gesprächen greift er also auf Englisch zurück.

Die fremde Sprache ist für ihn die größte Hürde, die es zu meistern gilt. Auch wenn der Wechsel nach Deutschland generell keine einfache Entscheidung für ihn gewesen sei. „Oder sagen wir so: Auf der einen Seite war es einfach, weil ich wusste, dass ich nur hier den nächsten Schritt in meiner Karriere machen kann“, erklärt Thulin. „Andererseits habe ich meine Familie und Freunde zurückgelassen. Das fällt natürlich erst einmal schwer.“ Seine Familie, die in Göteborg lebt, unterstützt ihn nun aus der Ferne. „Meine Mutter war zum Beispiel beim ersten Heimspiel gegen Balingen zu Besuch. Und vor zwei Wochen war ich über ein Wochenende zu Hause“, berichtet er.

Abgeschlossenes Wirtschaftsstudium

Obwohl Handball selbstredend einen großen Anteil in seinem Alltag einnimmt, findet er es wichtig, sich abseits des Sports auch mit etwas anderem zu beschäftigen. Sei es nun Golf oder Treffen mit Freunden. Im vergangenen Sommer hat er außerdem sein Wirtschaftsstudium abgeschlossen. Parallel dazu stand er da schon als Nummer eins für Redbergslids RK im Tor. „Drei Jahre Studium reichen mir aber vorerst. Wenn ich mich hier eingelebt habe, beginne ich vielleicht noch einmal ein Fernstudium.“

Bis dahin studiert Thulin vorrangig die Wurfbilder der Gegner. „Da der Spielplan sehr eng getaktet ist, bin ich damit auch ziemlich beschäftigt“, sagt er. Dass sich die Mühe durchaus lohnt, hat er nun ja in der Partie gegen Kiel erfahren.

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