Magdeburg l Wer Robert Weber in den sozialen Medien folgt, der sieht ihn seit Wochen Umzugskartons packen. Doch das hat jetzt ein Ende. Am Dienstag ist Weber mit seiner Frau Lisa und Sohn Lio in ein Hotel gezogen, das Haus in Cracau ist leergeräumt, die Kartons bei einem Freund eingelagert. „Sobald ich weiß, wo es hingeht, und ich eine Adresse habe, gehen die Kartons auf Reise“, sagt Weber.

Somit ist auch klar: Ein neues Ziel, einen neuen Verein gibt es noch nicht. Seitdem der Transfer in die Schweiz zum TSV St. Otmar geplatzt ist, wartet der Österreicher. Sein Handy ist ständig in Reichweite. „Es kann sich ja jederzeit etwas ergeben“, sagt er.

Weber bleibt positiv

Auf dieses „Abenteuer“, wie Weber es nennt, hätte er mit seiner Familie gern verzichtet. Doch jetzt ist die Situation nun mal so – „und es bringt ja nichts, wenn ich in Tränen ausbreche“, sagt Weber. Er wirkt positiv und hat seinen Humor nicht verloren. Nach Urlaubsplänen im Sommer gefragt, lacht er und meint: „Im Moment sieht es ja so aus, als ob ich eine sehr lange Sommerpause habe.“ Und dass er gerade ohne eigene vier Wände dasteht, „darüber freut sich Lio am meisten. Er ist schon ganz gespannt auf das Leben im Hotel. Dort haben wir uns in eine Suite eingemietet, damit wir auch Platz haben“, erzählt Weber und grinst.

Der geplatzte Wechsel hat ihn trotzdem getroffen. Er hat aber auch seine Perspektive verändert. Weber gibt zu, dass er schon länger ein ungutes Bauchgefühl gehabt habe. Den geplanten Umzug nach St. Gallen hatte er deshalb schon einmal verschoben. „Den Wechsel habe ich komplett selbst gemanagt“, berichtet der Rechtsaußen, der sich im Frühjahr von seinem Berater getrennt hat. Dass es bei St.  Gallen Querelen gab und gibt, ist ihm nicht verborgen geblieben. Daher schließt er auch aus, dass sich noch etwas zum Positiven wendet. „Ich gehe gerade mit Anwälten gegen den Verein vor. Das sagt wohl alles.“

Tattoo und Sammelband

Momentan haben die Nähe zur Heimat und auch die Zukunft nach seiner Karriere – alles Gründe, die bei dem Wechsel nach St. Gallen eine Rolle gespielt haben – für ihn an Relevanz verloren. „Ich bin topfit, es gibt kaum Spiele, bei denen ich verletzungsbedingt nicht auflaufen konnte. Drei, vier Jahre will ich noch dranhängen“, betont er. Egal wo? „Lio wird erst im kommenden Jahr eingeschult. Wir sind also flexibel“, sagt Weber.

Er ist aber auch lang genug im Profi-Geschäft, um zu wissen, dass die Aussichten gerade nicht besonders gut sind. Die Vereine haben ihre Kaderplanungen abgeschlossen. Ein Jahr bis 2020 zu pausieren, macht den 33 Jahre alten Weber nicht begehrter. Deswegen soll sein neuer Berater jetzt die Drähte glühen lassen.

Erst einmal bestreitet er am Mittwochabend aber sein letztes Heimspiel gegen Bietigheim (18.30  Uhr, Sky). Zwar hat er sich darauf seit einem Jahr eingestellt, dennoch: „Das wird emotional. Besonders die Fans werden mir den Abschied schwer machen.“ Weber hat eine Dekade beim SCM geprägt und genießt unter den grün-roten Anhängern ein hohes Ansehen. Zuletzt ließ sich ein Fan Webers Gesicht auf die Wade tätowieren, ein anderer hat ihm kürzlich einen Ordner überreicht, in dem jeder Zeitungsartikel über ihn abgeheftet ist. „Ich habe mich immer voll mit Magdeburg und dem Verein identifiziert. Darum bin ich sehr stolz darauf, dass ich einigen hier in Erinnerung bleiben werde.“

Stolz auf SCM-Entwicklung

Wenn er zum Lied „I am from Austria“ von Rainhard Fendrich seine Abschiedsrunde dreht, wird er nicht nur an den Pokalgewinn 2016, seinen einzigen Titel, zurückdenken. „Vielmehr bin ich hier Teil einer Entwicklung gewesen, die über zehn Jahre angedauert hat. Und jetzt zu sehen, dass wir diese Saison eventuell auf Rang drei abschließen und quasi an einem Champions-League-Platz schnuppern, ist schon toll“, erzählt Weber.

Die Diskussion um seine Aufnahme in die „Hall of Fame“ hat er verfolgt. „Es würde mich stolz machen. Aber ich bin nicht in der Position, darüber zu entscheiden.“

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