Nordhorn/Magdeburg l Robert Weber klingt nicht nur tiefenentspannt, er ist es auch. Am Mittwochnachmittag, Weber liegt bei seinen Schwiegereltern in Österreich im Liegestuhl im Garten, erzählt der Handballer, wie es nun für ihn weitergeht. Er verlässt den SC Magdeburg nach zehn Jahren, Spekulationen, dass es ihn zum Aufsteiger HSG Nordhorn-Lingen verschlagen könnte, hatte es in den vergangenen Tagen bereits gegeben. Nun kam die offizielle Bestätigung. „Ich habe mich zum einen für die stärkste Liga der Welt entschieden und zum anderen für einen Traditionsverein, bei dem ich Teil des Projekts Klassenerhalt sein kann“, sagt Weber.

Dass sein Besuch in Nordhorn vor wenigen Tagen nicht unbemerkt geblieben ist, hatte er mitbekommen. „Ich habe ja gemeinsam mit meiner Familie vier Tage dort verbracht. Im Freibad treffe ich dann Nicky Verjans, mit dem ich künftig auf Rechtsaußen spielen werde. Er erzählte mir, wo ich schon überall gesichtet wurde, zum Beispiel bei Mc Donalds“, berichtet Weber und lacht.

Kurzbesuch in Nordhorn

Mehr als diesen einen Kurzbesuch hat der Österreicher nicht gebraucht, um alles unter Dach und Fach zu bringen. „Die Stadt ist etwas kleiner als Magdeburg, sehr grün und am Wasser gelegen. Wir haben auch direkt ein Haus mit Garten in der Nähe der Halle besichtigt und zugeschlagen. Man kann sich hier definitiv wohlfühlen“, sagt Weber.

Zudem stimme auch die sportliche Perspektive: „Die Gespräche mit den Verantwortlichen waren einfach gut. Mir wurde viel Wertschätzung entgegengebracht“, sagt Weber und fügt an: „Hier ist es kleiner, familiärer. Hier ist die Welt noch in Ordnung.“

Beim SCM auf "verlorenem Posten"

Etwas, das in der vergangenen Saison in Magdeburg für ihn nicht mehr so war. „Ich hatte zehn wunderschöne Jahre. In den vergangenen zwei Spielzeiten hatte ich aber das Gefühl, auf verlorenem Posten zu sein“, sagt er. Als dann noch der Wechsel in die Schweiz zu St. Gallen platzte, „war es für mich persönlich schon ein schmaler Grat. Zum einen gab es Tage, an denen ich am liebsten den Kopf in den Sand gesteckt hätte. Zum anderen hat oft die Lockerheit überwogen, weil ich mir sicher war, dass ich etwas finde.“

So ist es dann auch gekommen – allerdings kam es zu keinem Engagement im Ausland und auch nicht bei einem deutschen Spitzen-Club. „Anfragen aus Frankreich hat es gegeben, da war aber nichts dabei, was mich wirklich gereizt hätte. Und bei den Spitzen-Clubs wäre ich die Nummer zwei gewesen – das wollte ich aber nicht mehr. Außerdem war der Zeitpunkt schlecht, ab Mai war ich ja wieder zu haben, da war die Planung der Vereine meist schon abgeschlossen“, berichtet Weber.

Webers Ehrgeiz ist geweckt

Bei der HSG, die ihn für zwei Jahre unter Vertrag stellt, nimmt der 33-Jährige aufgrund seiner Erfahrung wohl den Stammplatz auf Rechtsaußen ein. Trainer Heiner Bültmann schwärmt jedenfalls schon: „Robert bringt jede Menge Spielfreude und Spielwitz mit. Seine Torgefährlichkeit ist hinlänglich bekannt.“

Und Weber reizt die neue Welt, in der es nicht um Titel, sondern um den Klassenerhalt geht. „Ich bin ein ehrgeiziger Typ und mit der HSG ist jedes Spiel ein Matchball. Beim SCM wusstest du, wenn Ludwigshafen kommt, dann gewinnst du. In Nordhorn ist das nicht so. Umso größer wird dann die Freude sein, wenn wir punkten“, erzählt Weber. Er ist durchweg „glücklich mit meiner Entscheidung. Es fühlt sich wie ein Jackpot an.“ Außerdem traue es sich auch nicht jeder, zu einem Aufsteiger zu wechseln. „Man weiß ja, dass wir gegen den Abstieg spielen und mehr Rückschläge als Erfolge haben werden. Dafür braucht es einen starken Charakter.“

Ein Wiedersehen mit dem SCM könnte es übrigens bald geben. Anscheinend reist Nordhorn schon am zweiten Spieltag nach Magdeburg. „Ich komme gerne in die Getec-Arena zurück“, sagt Weber, „und ich werde auch sonst ab und zu in Magdeburg vorbeischauen.“

Weitere Artikel zum SC Magdeburg finden Sie hier.