Magdeburg l Schon aufgrund seines Dialektes kann Lukas Mertens seine Herkunft nicht verleugnen. Er ist ein echter Wilhelmshavener Jung‘, der auch echten Interessen junger Männer seines Alters nachgeht. Mertens wird sich künftig in Magdeburg einen Mitspieler suchen, der ihm nicht nur den Ball passt, sondern der sich auch mal den neuesten Blockbuster im Filmtheater mit ihm anschaut. „Ich gehe gerne ins Kino“, hat der 21-Jährige nämlich zu seinen Freizeit-Vorlieben erklärt. Großes Handball-Kino erwartet ihn indes ab dem 27. August, wenn Bundesligist SCM mit dem Heimspiel gegen TV Hüttenberg in die Saison startet (Anwurf: 12.30 Uhr).

Mertens ist neben Gleb Kalarasch (Russland), Pjotr Chrapkowski (Polen) und Carlos Molina (Spanien) einer der vier Neuen im Team von Bennet Wiegert, er ist zudem der Jüngste in der Mannschaft. „Ich verlasse zum ersten Mal meine Heimat, jetzt stehe ich mitten im Leben“, sagte Mertens lächelnd. Trainer Wiegert wiederum war ein guter Grund, sich für den SCM zu entscheiden. „Früher habe ich mir von ihm noch Autogramme geholt“, berichtete Mertens über die Jahre 2004 bis 2006, als Wiegert beim Wilhelmshavener SV spielte und Mertens auf der Tribüne mitfieberte.

Erst die WM, dann die Bundesliga

In der kommenden Saison fiebern nun beide gemeinsam mit- und füreinander. An den vergangenen beiden Tagen absolvierte Mertens wie alle anderen 14 Akteure seinen Fitnesstest, außerdem wird er am heutigen Mittwoch fürs Team- und Porträtfoto posieren, um nicht als Montage auf dem Saisonbild zu landen. Denn eigentlich ist er ja auf dem Sprung übers Mittelmeer und nach Algerien, wo vom 18. bis 30. Juli die Weltmeisterschaft der U 21 ausgetragen wird – und wo Mertens gerne den Titel gewinnen möchte.

Ein ähnliches Großereignis hat überhaupt das Interesse an ihm geweckt, und nicht nur jenes des SCM. 2016 verlor der 1,82 Meter große Mertens bei der U-20-Europameisterschaft knapp das Finale gegen Spanien mit 29:30 nach Verlängerung. Eine „überragende Leistung“ bescheinigte er damals seinen Teamgefährten, er selbst wurde ins All-Star-Team gewählt. Die Angebote kamen, und „es war bis zum Schluss nicht sicher, ob er sich überhaupt für uns entscheiden würde“, erklärte Wiegert, der wiederum davon überzeugt ist: „Lukas wird in drei Jahren einer der besten Linksaußen Deutschlands sein.“

Ausbau des Wurfrepertoires

Das war Mertens in der vergangenen Saison bereits in der 2. Liga. In 37 Einsätzen für den WHV markierte er 164 Tore und kam auf eine Quote von 70,69 Prozent. „Damit war ich sehr zufrieden.“ In Magdeburg will er seine Fähigkeiten weiterentwickeln. „Mit Matthias Musche und Co-Trainer Yves Grafenhorst gibt es zwei gestandene Spieler, von denen ich nur lernen kann“, so Mertens, dessen Stärke das Tempo ist. „Ich möchte zum Beispiel mein Wurfrepertoire ausbauen.“

Und ja, er hat natürlich Respekt vor der neuen Herausforderung. „Aber es ist ein gesunder Respekt“, sagte Mertens, der noch heute beeindruckt klingt, wenn er über seine erste Live-Erfahrung aus der Getec-Arena berichtet. 22. Dezember 2016, 27:26-Erfolg des SCM gegen die MT Melsungen: „Der Siegtreffer fiel in der letzten Sekunde. Und dann kam die Halle.“ Ohrenbetäubend laut. Das gibt es für ihn künftig im großen Handball-Kino inklusive.