Olympia

Leuchtende Hasenohren

Die Olympia-Stimmung bei den Wettbewerben ist auch nicht so, dass man sich erwärmen könnte.

Von Lars Becker 12.02.2018, 23:01

Drei Olympiatage sind vorbei und die Stimmung rutscht bei vielen zunehmend in den Keller. Zumindest bei den Journalisten. Nach endlosen Wettkämpfen kommt man oft erst nach drei Uhr nachts ins Bett. Spätestens um sieben ist man wieder wach, weil der Nachbar im Appartment hinter der papierdünnen Wand zu duschen beginnt. Das ewige Busfahren zu den Wettkampfstätten nervt auch immer mehr. Zumal man das Gefühl bekommt, wirklich bei einer Fahrt auf den engen Doppelsitzen neben einem japanischen Sumoringer zu sitzen.

Nach der Schwitzkur im überheizten Bus mit dem vielen Winterklamotten am Körper geht es direkt in die eisige Kälte. Dort sorgt der sibirisch-koreanische Wind schnell dafür, dass man sich darüber ärgert, nicht noch eine weitere Lage über die ohnehin fünf Zwiebelschalen gezogen zu haben. Die Olympia-Stimmung bei den Wettbewerben ist auch nicht so, dass man sich erwärmen könnte. Die einheimischen Zuschauer haben zumeist keinen Plan, was da eigentlich vor ihren Augen gerade abläuft. Oder sie sind gar nicht erst gekommen.

Und dann ist da noch dieser widerliche Norovirus, der täglich neue Horrormeldungen produziert. 177 Menschen haben sich inzwischen angesteckt. Da macht einem nicht einmal mehr das Essen so richtig Spaß. Allerdings lassen sich die Olympia-Organisatoren etwas einfallen. Die Frau, die am Eingang zum Frühstücksraum die Essensvoucher einsammelt, trug diesen Morgen lustig blinkende Hasenohren. Und ein Stück weiter wurden Bier-Gutscheine verlost. Es gibt offenbar auch in Korea den Brauch, sich bestimmte Sachen schönzutrinken …

Lars Becker (48) ist freier Journalist aus München und zum zwölften Mal bei Olympischen Spielen dabei, davon zum sechsten Mal bei Winterspielen. Lieblingssport: Skicross wegen der Action – und weil seine Kinder es auch gern fahren.