Gardelegen l Wer Thorsten Ebeling, den Trainer des SSV Gardelegen, nach Spielende sprechen wollte, suchte vergebens. Schiedsrichter Tobias Petzke hatte gerade das letzte Mal sein Arbeitsgerät in den Mund genommen, da hatte Ebeling bereits die Flucht ergriffen. Eine Reaktion, die auch daher rührte, dass der SSV-Coach "keine große Gegenwehr" erwartete, sein Team dem SV 90 Parey in der Fußball-Landesklasse, Staffel I, jedoch mit 1:2 (0:1) unterlag. An anderer Stelle hatte der bisherige Co-Trainer der 90er, Heiko Ziemann, Grund zum Jubeln. Aus privaten Gründen legte Heiko Zänkert am Freitag sein Amt als Trainer nieder. "Einen besseren Einstand hätte es für mich nicht geben können", so Ziemann, der ab sofort die Geschicke an der Seitenlinie lenkt.

Einen Grund für den überraschenden Sieg der 90er, die am Sonnabend in der Altmark überhaupt erst ihren zweiten Saisonsieg feierten, lieferte SSV-Spieler Thomas Müller nach Abpfiff: "Da führen wir 1:0 und meckern uns die ganze Zeit nur voll. Kein Wunder, dass nichts dabei herauskommt."

Dabei bahnte sich aus Gäste-Sicht in der Altmark gleich zu Beginn der Partie das nächste Debakel an. Christian Krziwanie, der von André Stolle mustergültig in Szene gesetzt wurde, markierte per Lupfer bereits nach vier Minuten das 1:0 für Gardelegen. Auch im Anschluss blieb der SSV am Drücker, hatte durch Daniel Schönfeld (25.) die nächste Großchance, doch der Pfosten stand dem Angreifer im Weg. "In der ersten Hälfte war Gardelegen besser. Wir standen eigentlich nur hinten drin", musste auch Ziemann zugeben. Glück für seine Mannen, dass sich die Hausherren im Anschluss durch zahlreiche Diskussionen untereinander selbst schwächten und die Pareyer somit wieder ins Spiel brachten.

"In der zweiten Hälfte hat unsere Einstellung gestimmt. Ich habe den Jungs vor der Partie gesagt, dass sie einfach Spaß am Fußball haben sollen. Und genau das hatten sie in der zweiten Hälfte", so Ziemann. Nach Handspiel von Müller entschied Petzke auf Strafstoß. Julian Schmidt ließ sich nicht zweimal bitten und markierte den 1:1-Ausgleich für Parey (51.). Mit guten Kombinationen im Mittelfeld übernahmen die Gäste das Spiel. Scheiterte Markus Fichtner in der 56. Minute noch im Eins-gegen-Eins gegen SSV-Keeper Fitz-Martin Eggert, machte es Andreas Vogel drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit besser. Von der Mittellinie aus startete der Pareyer ein fulminantes Solo, ließ die Abwehr der Hausherren reihenweise alt aussehen und verwandelte aus halbrechter Position zum umjubelten 2:1-Siegtreffer.

Doch auch Ziemann weiß, dass der Klassenerhalt noch immer in weiter Ferne ist. "Rein rechnerisch ist es zwar noch möglich, dass wir die Klasse halten, aber realistisch gesehen eigentlich nicht." Ebeling weiß seit Sonnabend, dass quasi alles möglich ist.

SV 90 Parey: Bonitz - J. Pecher, Lebbäus, Schmidt, Hainsch, Fichtner (60. Günther), Krüger, Vogel (90. Meye), Heilig, N. Pecher, Wedau