Bergzow l Eigentlich kaum vorstellbar, dass an diesem ruhigen Fleckchen Erde in gar nicht allzu ferner Zeit eine ganze Menge los sein wird - vielleicht nicht unbedingt der Teufel, aber zumindest ein ganzes, fußballverrücktes Dorf wird auf den Beinen sein. Doch im Moment herrscht auf dem Bergzower Sportplatz noch Postkartenidylle: gerahmt von einem Maisfeld, der Rasen akkurat gestutzt und nur alle paar Minuten rauscht ein einzelnes Auto auf der Kreisstraße 1205 in Richtung Hagen/Genthin vorbei. Jörg Heinemann sitzt auf der Terrasse des Vereinsheims und empfängt zum Gespräch.

Heinemann trägt keinen geringen Anteil daran, dass es mit dem Bergzower Fußball wieder aufwärts gegangen ist in den vergangenen drei Jahren. Der Trainer des SV Grün-Weiß sagt: "Wir sind in den letzten beiden Jahren einmal Zweiter und einmal Erster in der Kreisliga Nord geworden. Dieses Jahr konnten wir uns nicht verschließen und die Truppe ist mittlerweile auch soweit gefestigt." Der Staffelsieger der Vorsaison hat sein Aufstiegsrecht also wahrgenommen und startet in rund anderthalb Wochen in der Kreisoberliga.

Für das Team, das vor sechs Jahren noch in der Landesklasse, Staffel I, kickte, ist diese Entwicklung ein großer Sprung - oder zumindest wieder ein Anstieg der eigenen Fieberkurve. Die Talfahrt hatte im Jahr 2007 begonnen. "Wir hatten eine gute Mannschaft beisammen, viele junge Spieler. Aber bedingt durch Studium, Arbeit, Familie und andere Interessen wurden es immer weniger. Und: Keiner wollte nach Bergzow kommen", schildert Heinemann. Seitdem ging es bergab mit dem SV Grün-Weiß, der sich schnell in der untersten Liga des Kreises wiederfand.

Keine Schadenfreude

Bergzow ist und war aus fußballerischer Sicht stets ein gallisches Dorf, gelegen im "Bermudadreieck" zwischen den Hochburgen Genthin, Güsen und Parey. Gelegentlich "wundern wir uns selbst, dass wir zwischen diesen Orten selbst noch eine Mannschaft haben." Noch verblüffter ist man bei den Grün-Weißen aber darüber, dass man plötzlich wieder mit den Ortsrivalen auf einer Stufe steht. Klar ist, dass man vor allem den sechs Spielen gegen das Absteiger-Trio aus der Landesklasse, Staffel I, entgegenfiebert. Schadenfreude war aber zu keiner Zeit im Spiel, wie Heinemann versichert: "Wir haben eher ein bisschen mitgelitten und uns gewünscht, dass die drei Vereine drinbleiben." Dennoch: "Die Derbys werden eine schöne Sache."

Überhaupt blickt man der Premierensaison eher mit positiven Gefühlen entgegen als mit Angst vor der durch die Absteiger gewachsenen Qualität der Liga. Die Mission des SV Grün-Weiß ist jedenfalls klar umrissen: sich so teuer wie möglich verkaufen, nichts mit dem Abstieg zu tun haben "und den ein oder anderen ¿Großen\' ärgern", wie der Coach es formuliert. Damit das Unterfangen gelingt, ist die Mannschaft nach dem gesicherten Staffelsieg und einer 14-tägigen Abschlussfahrt schon Mitte Juli wieder ins Training eingestiegen und bereitet sich seitdem gewissenhaft vor. Beinahe jeden Abend, mindestens aber viermal in der Woche, wird trainiert - "knallhart", wie der Trainer versichert.

Team erhält Verstärkung

Dazu hat sich der SV Grün-Weiß auch punktuell verstärkt. Schon frühzeitig bestand Planungssicherheit im vierköpfigen Trainerstab: Heinemann als hauptverantwortlicher, Michael Breme als spielender, Gordon Ringwelski als assistierender und Thomas Hanke als Torwart-Coach. Neuzugang Jens Schneider besetzt die "Problemposition" der letzten Jahre, denn "wir hatten das Glück, dass Marvin Reichert in der vergangenen Saison so gut als Torhüter gehalten hat. Sonst wären wir nicht aufgestiegen." In der Offensive ist hingegen dank dem Torschützenkönig der Vorsaison, Florian Schaumburg, alles im Lot.

Definitiv keine zusätzliche Motivation wird übrigens mit Florian Schmidt ein weiterer Neuer benötigen. Zum Auftakt am Sonnabend, 24. August, geht es gegen dessen Ex-Verein - den SV Germania Güsen.