Über seine Entscheidung und seine Laufbahn in Diensten des Vereins unterhielt sich Volksstimme mit dem Coach.

Volksstimme: Herr Jentzsch, wie lange sind Sie der TSG eigentlich schon verbunden?

Henry Jentzsch: Insgesamt bin ich zwölf Jahre dabei. Nach den ersten drei Jahren als Spieler hat sich kein Trainer gefunden und so habe ich den Job spontan übernommen. Dann wollte ich wieder spielen und Chris Schulz hat mich ersetzt. Wieder nach drei Jahren hatte er dann keine Lust mehr und so haben wir wieder gewechselt.

Gibt es dieses Mal erneut eine Rückkehr auf den Platz?

Ich bin jetzt 40, also ist das eher unwahrscheinlich. Definitiv wird es nicht in der Ersten sein, aber vielleicht machen wir ja eine zweite Mannschaft auf, dann könnte es passieren.

Warum hören Sie überhaupt als Trainer auf?

Das hat mehrere Gründe. Zuerst ist da der Zeitfaktor. Wenn ich mit der Ersten unterwegs bin, spielt oft mein Junge mit der D-Jugend in der Landesliga und ich verpasse viel. Außerdem arbeite ich in Schichten und fehle dadurch manchmal eine ganze Woche beim Training. Wenn wir unsere künftigen Ziele einhalten wollen, sollte der Coach immer präsent sein. Das kann ich leider nicht erfüllen. Der dritte Grund ist persönlicher. Ich kenne den Kern der Mannschaft seit zwölf Jahren. Jetzt rücken gute A-Jugendliche nach und ich habe ehrlich gesagt keinen Bock, den Alten zu sagen, wenn es nicht reicht. Dafür sind wir zu sehr Kumpel. Das bringe ich nicht übers Herz. Ich könnte nicht objektiv aufstellen. Ein ganz großer Punkt ist auch, dass ich irgendwie ausgebrannt bin. Ich schaffe es nicht mehr, jede Woche das Feuer neu zu entfachen. Das gebe ich ehrlich zu.

Wie schwer fiel die Entscheidung?

Ich ringe selbst jetzt noch mit mir. Es ist so eine geile Truppe. Doch, wenn man ausgebrannt ist, bringt man niemanden weiter. Es ist aber kein Abschied für immer. Ich melde mich nicht ab, brauche nur eine Pause. Vielleicht kann ich danach eine neue Aufgabe übernehmen. Ich möchte mich auf jeden Fall – neben meinen Spielern – bei allen Fans, Elternteilen und Sponsoren für die Unterstützung bedanken. Nur durch das intakte Umfeld war es möglich, dass die ausgefallenen Ideen, die ich teilweise mitgebracht habe, umgesetzt werden konnten. Zum Beispiel gab es jetzt zum Abschluss nochmal eine neue Ausrüstung für die Teams, aber auch unseren Grillplatz und natürlich die Kabine, über die sogar der mdr als schönste Kabine im Amateurfußball berichtete, haben wir nur durch die Unterstützung bekommen. Ganz wichtig ist mir auch, meiner Freundin Kathrin Müller zu danken, die immer voll hinter mir steht.

Was macht das Team aus?

Der Ehrgeiz der Jungs. Der Zusammenhalt neben dem Platz. Die stellen sich auf den Weihnachtsmarkt und verkaufen Glühwein. Fans und Spieler helfen in der Kita und im Altersheim, haben im Tierheim neue Gehege errichtet. Wenn einer umzieht, sind sofort 20 Mann da und helfen. Das geht weit über den Fußball hinaus.

Welche Erfahrungen nehmen Sie für sich persönlich aus dem Trainerjob mit?

Dass man jeden anders behandeln muss. Als ich zum ersten Mal Trainer war, war ich der Strenge. Dann kam Chris, der es viel lockerer gesehen hat. Das hat mich geprägt. Ich hab gesehen, dass man nicht immer mit dem Hammer drauf-hauen muss. Im August oder September will ich meinen Trainerschein machen und auch mal die andere, theoretische Seite kennenlernen.

Was, glauben Sie, haben Sie dem Team vermittelt?

Vielleicht, dass man Spaß außerhalb vom Platz haben kann, aber wenn man auf der Wiese steht, dann gibt es nur 100 Prozent Leistung. Außerdem stehe ich dafür, dass man nie aufgeben darf. Man muss sich anpeitschen und positiv laut werden. Wenn ich auf dem Platz stehe, brenne ich, dann gibt es nichts anderes.

Gibt es Spieler, die Sie überrascht haben?

Einige. Als Kevin Erdmann, André Pütter und Mirko Redemske zu uns kamen, waren sie absolute Unfußballer. Die hatten aber Bock und haben sich so geil entwickelt. Dann Fabi Ellermann, wir nannten ihn „Cholerian“, weil er so leicht reizbar war. Jetzt bleibt er ruhig und ist eine echte Größe im Team. Sein Bruder Mark macht, seit er in der Verteidigung steht, ein geiles Spiel nach dem anderen. Ganz wichtig ist auch Andreas Breckau. Ich hatte es ihm übel genommen, dass er nach Heyrothsberge gewechselt ist, aber er wollte es eben probieren. Jetzt ist er zurück und schießt alles tot. Benni Bartsch ist ein mega linker Verteidiger mit elf Toren und 20 Vorlagen. Ich könnte wirklich über jeden Positives sagen. Auch unsere A-Junioren begeistern mich, wie sie sich voll rein knallen.

Was trauen Sie dem Team für die Zukunft zu?

Wenn sie sich nicht dumm anstellen und vielleicht noch etwas Verstärkung kommt, muss der Aufstieg das Ziel sein. Ob es für die Landesklasse reicht, steht auf einem anderen Blatt.

Ermöglichen die Strukturen im Verein auch langfristig eine gute Perspektive?

Im Nachwuchs läuft es super. Die D-Jugend ist Kreis- und Landesmeister. Die E-Jugend ist auch gut unterwegs, C- und A-Jugend spielen auf Landesebene. Wenn wir es schaffen, noch fünf, sechs Spieler dazu zu bekommen, wäre es sinnvoll, eine zweite Herrenmannschaft zu stellen. Für die Zukunft sind wir top aufgestellt.

Welche Art Nachfolger wünschen Sie sich?

Einen, der Ahnung hat von Fußball. Ganz wichtig ist aber auch, dass er mit den Leuten umgehen kann und nicht nur stur seine Linie durchzieht.

Was würden Sie ihm mit auf den Weg geben?

Er soll sich auf die Mannschaft einlassen. Sie ist intakt, funktioniert, macht fast alles alleine. Keiner tanzt aus der Reihe.

Zum Abschluss ein kurzer Blick auf das heutige Spitzenspiel. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Partie?

Ich denke, die Meisterschaft ist entschieden. Wir haben keinen Druck mehr, aber fahren natürlich nach Genthin, um zu gewinnen. Es liegt uns, wenn die gegnerische Mannschaft mitspielt. Personell fehlen uns einige Leute, aber daran mache ich nichts fest.