Ziepel l Die Fotos werden eines Tages aus dem Speicher des Smartphones verschwinden. Der Geruch unzähliger Bier- duschen ist eine Wäsche später wieder Aprilfrische, Lavendel oder anderer Errungenschaften der Weichspülerforschung gewichen. Über allem schwebt beim Burger BC 08 also die Frage nach dem „Was bleibt“ von einer Saison, die in nunmehr 20 Pflichtspielen 19 Siege und ein Unentschieden zählt, aber auch immer den Makel „unvollendet“ tragen wird. Der direkte Wiederaufstieg in die Landesliga erfolgte Corona-bedingt am grünen Tisch und ließ sich schlecht feiern. Entsprechend fokussiert war man beim Club auf den fortgesetzten Kreispokalwettbewerb, der am Freitagabend die erhoffte Trophäe einbrachte.

Für Trainer Michael Hucke zählte danach jedoch nicht ein halber Meter auf Hochglanz polierter Zinn, den Gerry Weber vom Wettbewerbssponsor, der Firma Steinhaus aus Burg, überreichte. Es waren vielmehr die ausgelassenen Bilder nach dem Schlusspfiff. Da tollten seine Schützlinge wie von der Leine gelassen durch die Ziepeler Dunkelheit, leerten die bereitgestellten Getränke mehr über den Mitspielern als in die eigene Kehle und vergaßen bei den Feierlichkeiten auch die ehemaligen Mitspieler wie Andreas Lenz, Maurice Dünnebier und Felix Helbig, die zum Endspielort gereist waren, nicht. „In der alten Saison haben wir viele gute Spiele abgeliefert. Es liegt in der menschlichen Natur, dass man irgendwann bestimmte Sachen nicht mehr ganz so emotional aufnimmt. Deshalb war es umso schöner, wie die Jungs auf diesen Erfolg reagiert haben“, erklärte der BBC-Coach, bevor sich dank Oliver Gase ein neuer Drittelliter über den versammelten Köpfen ergoss.

Auch der Besiegte feiert

Wer dachte, beim TSV Brettin/Roßdorf würde der Gerstensaft in den Flaschen bleiben, anstatt auf den Klamotten landen, wurde eines Besseren belehrt. Denn: „Trotz des deutlichen Ergebnisses hat sich die Mannschaft super verkauft und bis zur letzten Sekunde gefightet. Es bleibt eine sehr gemeine Aufgabe, im Kreispokal auf einen Landesligisten zu treffen. Ich bin absolut stolz auf die Jungs“, erklärte mit Marco Löper eine Hälfte des Trainergespanns. Die andere pflichtete in Person von Tino Schmahl bei: „Wir haben mit dem Finaleinzug und dem Start im Landespokal Großes erreicht. Kämpferisch haben wir ohnehin alles auf dem Platz gelassen, was wir hatten.“

Mitunter war der Kreisoberligist dabei ein bisschen zu forsch vorgegangen. Das Konzept des Außenseiters sah nicht vor, sich im Mittelfeld auf ein Duell einzulassen, das der TSV nicht gewinnen konnte. Stattdessen ging es nach einer Burger Chance oder einem Ballgewinn ohne Schnörkel nach vorn, wo die schnellen Luis Ehrenbrecht und Jeremy Feuerherdt lauerten oder Dennis Mohr das Visier herunterklappte und sich in die Zweikämpfe gegen die BBC-Defensive warf. „Vielleicht haben wir ein paar Mal zu oft den langen Ball herausgeholt, anstatt hinten herauszuspielen“, bekannte Schmahl. So nämlich rückte Brettin stets weit auf und war anfällig für Konter. Das 1:0 und 4:0 resultierten jeweils aus eigenen Einwürfen tief in des Gegners Hälfte. Nach dem Ballgewinn zündete BBC-Torjäger Christopher Schmidt den Turbo, schloss einmal selbst ab (12.) und legte für Sasha Frank Ulrich auf (31.). Dazwischen fielen ein Brettiner Eigentor nach guter Kombination über Janik Friedrich und Ulrich (27.) und ein verwandelter Foulelfmeter von Carsten Madaus (30.).

Kurz vor der Pause brandete und dem zahlenmäßig stark vertretenen TSV-Anhang aber doch lauter Jubel auf. Nachdem Leo Lichtenberg ein Luftloch trat, hatte der eingewechselte Christian Feuerherdt freie Bahn und schloss zum 1:4 ab (43.). „Der Gegentreffer war ein wenig ärgerlich, weil selbst verschuldet. Verdient hat ihn sich der TSV aber allemal“, urteilte Hucke. Und während Lichtenberg nach der Pause mit einem Flugkopfball (53.) sowie nach einer Kombination am Rande der Demütigung (65.) seinen Patzer wieder ausbügelte und Schmidt den persönlichen Dreierpack perfekt machte (60., 90.), brannte für den neuen Cup-Sieger nichts mehr an.

Kein Wiedersehen mit Müller

Und nicht nur der Champion holte nach dem Spiel die Ehemaligen mit ins Boot. Mit Blick auf die Auslosung zur zweiten Landespokalrunde äußerte Torhüter und Kapitän René Grützmacher: „Wenn wir es uns aussuchen könnten, würden wir den SC Vorfläming Nedlitz nehmen, für den unser früherer Stürmer Maximilian Müller spielt.“ Man muss nicht der größte Fußballromantiker sein, um zu bedauern, dass sich dieser Wunsch nicht erfüllen wird. Müller und sein aktueller Club scheiterten tags darauf im Kreispokal-Halbfinale an Rot-Weiß Zerbst. Dem 21-Jährigen bleibt also nur, den Ex-Kollegen, denen er am Freitag als „Edelfan“ nach Ziepel gefolgt ist, für das Wochenende 3./4. Oktober und die anstehende Kreisoberliga-Saison ganz fest die Daumen drücken.

Brettin/Roßdorf: Grützmacher – B. Löper (35. C. Feuerherdt), Barske (74. Temme), Krause, Mohr (61. N. Lindemann), Kniesche, Renner, Ju. Feuerherdt, Winkler, Je. Feuerherdt, Ehrenbrecht
Burg: Micksch – Gase, Siemke, Lichtenberg (70. Rißling), Ca. Madaus, J. Friedrich (54. Thiede), Wehrmann (81. Winterhak), Probst, Ulrich, Teege, Schmidt
Tore: 0:1 Christopher Schmidt (12.), 0:2 Jeremy Feuerherdt (27.), 0:3 Carsten Madaus (30., FE), 0:4 Sasha Frank Ulrich (31.), 1:4 Christian Feuerherdt (43.), 1:5 Leo Lichtenberg (53.), 1:6 Christopher Schmidt (60.), 1:7 Leo Lichtenberg (65.), 1:8 Christopher Schmidt (90.); SR: Silvio Rüdiger (Heyrothsberge), Christian Schütze, Dean-Robbin Ziebarth, Stefan Dehmel; ZS: 403