Weißenfels l Ferenc Gille liebt die Los Angeles Lakers und vor allem die amerikanische Profiliga NBA. Genau in dieser würde der 19-Jährige, der ursprünglich aus dem altmärkischen Kremkau stammt, gern irgendwann spielen. Doch bis dahin ist es für den Mann vom Mitteldeutschen BC noch ein weiter Weg.

Basketball-Abc in Kalbe erlernt

Er hat mit seiner Größe von 2,03 Metern, seiner Schnelligkeit sowie auch seiner Sprungkraft das Zeug dazu, ein ganz Großer zu werden. Schon mit seinen 19 Jahren hat es Ferenc Gille, der einst im Nachwuchs des VfL Kalbe/Milde das Basketball-Abc erlernte, auf einen Bundesliga-Einsatz für den Mitteldeutschen BC gebracht. Dadurch hat Ferenc natürlich Blut geleckt und möchte sich möglichst stetig verbessern.

Früher eiferte Gille eher seinen Freunden nach. Ein Großteil von ihnen spielte im Nachwuchs des TuS Schwarz-Weiß Bismark Fußball. Mit vier Jahren schnürte der Kremkauer erstmalig seine Schuhe und hörte anfangs auf die Kommandos von Trainer Nico Motejat. Letztgenannter stellte den Sohn eines Engländers sowie einer Altmärkerin zumeist als rechten Verteidiger auf. Bis zu seinem neunten Lebensjahr blieb Ferenc dabei, ehe er sich langsam an den Basketball herantastete. Mit elf Jahren startete er seine Laufbahn mit dem orangenen Ball in Kalbe.

Auf Fußball keine Lust

„Ich hatte auf Fußball keine Lust mehr und suchte mir etwas anderes. Meine Freunde sagten, dass ich aufgrund meiner Größe Basketball spielen könnte“, erinnert sich der 19-Jährige zurück. Beim VfL wurde er gut aufgenommen und fand unter der Regie von Marian Lobbe und Martin Czubkowski direkt großen Gefallen. Anfangs wurde nur einmal wöchentlich trainiert, dazu kamen die Partien am Wochenende.

Zwar war es nun nicht unbedingt so, dass Ferenc Gille seinen Kollegen von Beginn an etwas vormachte, doch dauerhaft war dies sein Ziel: „Ich wollte immer der Beste sein und habe dafür viel trainiert“, sagt der ehrgeizige Youngster, der auch in seinem Heimatort Kremkau einen kleinen Platz zum Üben vorfand.

Auf die Sportschule in Halle/Saale

VfL-Abteilungsleiter Thomas „Friedel“ von Glahn entdeckte ebenfalls früh das Talent des jungen Kremkauers und bot ihm ein Gespräch mit Sportschultrainer Christian Steinwerth in Halle/Saale an. „Ich habe damals zu Friedel gesagt, dass ich das machen würde, wenn er mich für soweit befindet“, verrät Ferenc. Nach dem Gespräch sowie einem erfolgreichen Test wechselte der Altmärker 2014 zur neunten Klasse auf die Sportschule in die Saalestadt. Natürlich verließ er Kalbe mit ein wenig Wehmut. „Ich erinnere mich immer noch an den Geruch, als ich in die Halle an der Feldstraße kam“, verrät der 19-Jährige, der sich oft mit Begeisterung die Partien der damaligen Oberliga-Herren vor Ort anschaute.

Beim VfL ging es vor allem um den Spaß, während in Halle natürlich ein anderer Wind wehte. Auf dem Sportgymnasium begann der Unterricht täglich um 7.30 Uhr. Bis 9.40 Uhr drückte Ferenc Gille die Schulbank, ehe von 10 bis 12 Uhr trainiert wurde. Nach dem Mittagessen setzte sich der Unterricht ab 12.55 Uhr fort und endete entweder um 14.30 oder 16.15 Uhr. Anschließend stand eine weitere Trainingseinheit von 18 bis 20 oder 20 bis 22 Uhr an.

Schwierig sich anzupassen

„Die Hausaufgaben konnte ich in den kleinen Pausen in der Schule erledigen. Das war eigentlich kein Problem“, berichtet Gille, der zuvor in Stendal das Winckelmann-Gymnasium besucht hatte. „Natürlich war es schwierig, sich anzupassen, doch ich muss zugeben, dass ich das recht schnell hinbekommen habe. Meine neuen Teamkollegen haben mir dabei sehr geholfen“, fügt er stolz an.

Ferenc Gille gehörte ab sofort dem in Halle/Saale stationierten Nachwuchs des Mitteldeutschen BC (MBC) an. Eigentlich wäre er dort noch für die U16 spielberechtigt gewesen, ging aber direkt in die U19. Im MBC-Jugendteam war Gille bereits in der Bundesliga unterwegs. Die Fahrten gingen unter anderem nach Berlin, Bamberg und München. Gespielt wurde am Sonnabend oder Sonntag. An spielfreien Wochenenden nutzte der Altmärker die Zeit, um mit dem Zug nach Leipzig zu seiner Mutter zu fahren.

Viel Individualtraining

„Natürlich war alles anders als zuvor in Kalbe, doch ich konnte mich insgesamt schnell eingewöhnen“, verrät der 19-Jährige. Für ihn stand zunächst viel Individualtraining auf dem Programm. „Da meine Kollegen schon länger auf der Sportschule waren, waren sie einfach weiter als ich. Ich musste erst einmal viele Defizite aufholen“, so Ferenc. Der arbeitete viel an sich und glänzt mittlerweile vor allem mit seiner Schnelligkeit, seiner Sprungkraft und seiner Athletik. Mit 2,03 Metern Körpergröße war er zudem im Nachwuchs immer einer der Größten in seiner Mannschaft.

Mittlerweile steht der Youngster offiziell bei der ersten Herrenvertretung des MBC in der 1. Bundesliga unter Vertrag. Kürzlich feierte er sein Erstligadebüt, wurde in Frankfurt 28 Sekunden eingesetzt. Auch wenn er nicht einmal eine halbe Minute auf der Platte stand, genoss der Ex-Kalbenser den Moment. „Darauf bin ich sehr stolz. Für mich war es eine große Ehre und ein toller Moment. Ich arbeite darauf hin, dass es dauerhaft noch mehr Einsätze werden“, schwärmt der 19-Jährige, der sich immerhin vor 4500 Zuschauern in der Bankenmetropole zeigen konnte.

Bei den BSW-Sixers im Einsatz

Zwar gehört Ferenc als jüngster Spieler überhaupt in jedem Duell zum MBC-Kader, zum Einsatz kommt er zumeist aber bei den sogenannten „BSW-Sixers“ in der 1. Regionalliga. Mit diesen beendete der gebürtige Altmärker die Spielzeit als Meister und schaffte den Aufstieg in die 2. Liga. „In meinem ersten Profijahr war klar, dass ich es als junger Spieler schwer haben und doch eher wenig Spielzeiten bekommen würde“, verrät Ferenc Gille.

Um möglichst viel Spielpraxis zu bekommen, kommt der Youngster entweder bei den „BSW-Sixers“ oder bei einem weiteren Kooperationspartner, dem Oberligisten SSV Einheit Weißenfels, zum Einsatz. Dabei war es vor der Saison eigentlich Gilles Ziel, in die USA zu gehen. „Einige Colleges wollten mich haben, doch als ich den Vertrag beim MBC bekommen habe, habe ich mich anders entschieden. Ich wollte unbedingt in der BBL spielen und trainieren“, verrät der Altmärker, der den Sprung als einer von nur wenigen Nachwuchsspielern geschafft hat. Sein Vertrag läuft bis 2019.

Gille fühlt sich wohl

„Was danach passiert, muss man sehen. Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, denn ich habe im Hier und Jetzt genug zu tun und möchte mich stetig verbessern“, so der ehrgeizige „Power Forward“. In der Mannschaft von Trainer Igor Jovovic fühlt sich der Mann mit der Rückennummer elf pudelwohl. „Wir haben viele unterschiedliche Charaktere im Team, doch alle funktionieren gut miteinander. Die Chemie passt und wir lernen viel voneinander“, schildert der 19-Jährige.

Der schaut sich natürlich einiges von den Routiniers ab und freut sich immer wieder über Teamevents. „Wir machen viel zusammen“, verrät der Ex-Kalbenser, der sich besonders mit Kruize Pinkins und Sergio Kerusch sehr gut versteht. Mit Jonas Niedermanner und Eimantas Stankevicius wohnt er in Weißenfels zudem in einer Dreier-WG.

Ferenc Gille konzentriert sich nach seinem Abitur im Vorjahr aktuell einzig und allein auf den Basketball. „Ich habe dauerhaft zwar schon im Hinterkopf zu studieren, aber erst einmal habe ich sportlich noch viel vor“, erklärt Gille. Generell wird zweimal täglich trainiert, morgens finden Kraft- und Individual- und abends Mannschaftstraining in der Weißenfelser Stadthalle statt. Dort bestreiten die MBC-Männer auch ihre Heimspiele. Mit rund 3000 Plätzen ist die Arena zwar die kleinste Spielstätte in der deutschen Eliteliga, doch dafür ist die Stimmung umso eindrucksvoller.

Halle ist ausverkauft

„Die Halle ist eigentlich jedes Mal ausverkauft und bebt förmlich. Unsere Fans fiebern immer toll mit“, schwärmt Ferenc. Der sieht in der Basketball-Bundesliga (BBL) eine Menge Potenzial. „Sicherlich gehört sie vom Niveau her zu den besten Ligen in Europa. Man muss dort schon stark dagegenhalten können, eine starke Physis ist gefragt“, verrät der 19-Jährige. Und er geht sogar noch weiter: „Ich denke, die BBL kann dauerhaft die stärkste Spielklasse in Europa werden.“

Noch mehr fasziniert den Youngster aber die National Basketball Association (NBA). „Mir gefallen vor allem die Athletik und die Schnelligkeit des Spiels, aber auch die überwältigenden Arenen sowie das gesamte Land. Man kann sich dort mit den Besten der Welt messen“, weiß Ferenc. Viel hat er sich von der Chicago-Bulls-Legende Michael Jordan oder auch von LeBron James von den Cleveland Cavaliers abgeschaut. Eine Mischung aus beiden wäre wohl das imaginäre Idol des Ex-Kalbensers. Der hat in seiner bisher kurzen Profizeit bereits etwas Wichtiges gelernt: „Man muss jeden Tag hart arbeiten, viel zurückstecken und durch die Kritik dazulernen.“

Nicht gegen den Abstieg spielen

Der gebürtige Altmärker trainiert regelmäßig bei den MBC-Profis, zudem zwei- bis dreimal wöchentlich bei den „BSW-Sixers“. Mit Letztgenannten schaffte Ferenc Gille kürzlich den Aufstieg in die 2. Liga. „Was wir dort erreichen können, wird man sehen, wenn das Team zusammengestellt ist. Ich glaube aber nicht, dass wir gegen den Abstieg spielen, sehe uns eher im Mittelfeld“, klingt Ferenc recht optimistisch.

Auch in den Spielen mit dem SSV Einheit Weißenfels in der Oberliga sammelte der 19-Jährige wertvolle Spielpraxis. „Sicherlich bin ich in dieser Spielklasse den meisten Gegenspielern körperlich überlegen, doch im Endeffekt ist es egal, in welcher Liga man spielt. Wichtig ist der Spielfluss“, so Gille. Mit dem SSV Einheit kehrte der Youngster kürzlich im Ligapokal in seine alte Heimat Kalbe zurück. Beim Bezirksligisten VfL siegte Ferenc mit seinem favorisierten Team zwar mit 72:63, doch das Duell verlief spannender als womöglich erwartet.

Besonderes Gefühl

„Für mich war es ein besonderes Gefühl, mal wieder in Kalbe und gegen alte Bekannte zu spielen. Besonders auf Martin Czubkowski habe ich mich sehr gefreut. Dennoch ist bei mir einfach die Routine drin, auch in einem solchen Duell hart zu spielen“, erklärt der gebürtige Altmärker. Die Weißenfelser Einheit-Akteure sind im Vergleich zum MBC sowie zu den „BSW-Sixers“ eher eine Spaßtruppe.

Von ganz großen Titeln träumt Ferenc Gille aktuell noch nicht. „Ich konzentriere mich auf das Training und will einfach noch besser werden. Der Rest kommt von ganz allein“, verrät der 19-Jährige. Der zieht den Hut vor der Vereinsarbeit beim MBC. „Wir sind ein vergleichsweise kleiner Verein, doch dafür wird hier sehr professionell gearbeitet“, so der Ex-Kalbenser. Der würde sich allerdings wünschen, dass die Nachwuchsarbeit noch etwas „verfeinert“ wird.

Nur noch selten in der Altmark

Über die Zukunft des MBC, der in der deutschen Eliteliga den Klassenerhalt geschafft hat, macht sich der Youngster indes wenig Sorgen: „Wir sind ein Kämpferverein. Das Potenzial ist vorhanden, um uns in der 1. Liga zu halten. Selbst nach Abstiegen ist der Klub bereits mehrfach zurückgekommen.“ In der Altmark sieht man den jungen Profi nur noch selten. Höchstens dann, wenn er seine Großeltern in Hohenwulsch besucht. Daher ist es auch eher unrealistisch, dass man Gille irgendwann noch einmal im Trikot des VfL Kalbe/Milde sieht.

„Aus Spaß wäre das irgendwann vielleicht noch einmal möglich“, so der Basketballenthusiast. Sollten hingegen die von ihm geliebten Los Angeles Lakers an die Tür klopfen, würde Ferenc Gille („Da würde ich sogar ohne Gehalt spielen“) nicht lange überlegen und direkt mit Sack und Pack in die Vereinigten Staaten gehen.